von den regenschirmtieren

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india : 2.05 – Gestern ist etwas Merk­würdi­ges passiert. Ich hat­te einem Bekan­nten, den ich lange Zeit nicht gese­hen habe, eine E-mail gesendet. Kaum war die kleine elek­trische Botschaft auf den Weg gebracht, kam eine Antwort zurück. Ich war sehr erstaunt gewe­sen, ich hat­te angenom­men, dass sich mein Bekan­nter viel Zeit nehmen würde, mir zu antworten, immer­hin war ich etwas nach­läs­sig, zöger­lich darin, ihm zu schreiben. Ich hat­te sog­ar ein­mal das Gefühl, er kön­nte vielle­icht längst nicht mehr am Leben sein, weiss der Teufel warum. Die Antwort, die ich erhielt, war fol­gende gewe­sen: Guten Tag! Ich habe Deine Nachricht erhal­ten, bin ger­ade in Tas­man­ien, ich werde so bald wie möglich antworten. Um Dir die Zeit bis dahin zu vertreiben, schicke ich Dir eine Geschichte, die Dir vielle­icht Freude bere­it­en wird. Es han­delt sich um eine Traumgeschichte, die davon erzählt, dass ich wieder ein­mal von Regen­schirmtieren träumte. Die Luft im Traum war hell vom Wass­er, und ich wun­derte mich, wie ich in dieser Weise, bei­de Hände frei, durch die Stadt gehen kon­nte, obwohl ich doch allein unter einem Schirm spazierte. Als ich an ein­er Ampel warten musste, betra­chtete ich meinen Regen­schirm genauer und staunte, weil ich nie zuvor eine Erfind­ung dieser Art zu Gesicht bekom­men hat­te. Ich kon­nte dun­kle Haut erken­nen, die zwis­chen ble­ich schim­mern­den Knochen aufges­pan­nt war, Haut von der Art der  Flughaut eines Abend­seglers. Sie war durch­blutet und so dünn, dass die Rinnsale des abfließen­den Regens deut­lich zu sehen waren. In jen­er Minute, da ich meinen Schirm betra­chtete, hat­te ich den Ein­druck, er würde sich mit einem weit­eren Schirm unter­hal­ten, der sich in näch­ster Nähe befand. Er vol­l­zog leicht schaukel­nde Bewe­gun­gen in einem Rhyth­mus, der dem Rhyth­mus des Nach­barschirms ähnelte. Dann wachte ich auf. Es war kurz nach Mit­ter­nacht. Es reg­net noch immer. — stop

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