von der wirbelkastenschnecke

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tan­go : 3.52 — Gestern war ein heißer Tag gewe­sen, es war heiß in der Küche, heiß in den Zim­mern zum Schlafen, zum Spazieren, heiß im Bad, im Trep­pen­haus, sog­ar im Keller, auf der Straße und in der Tram­bahn war es so heiß, dass ich mich gern sofort in einen Kühlschrank geset­zt haben würde. Als ich das Wort Kühlschrank dachte, erin­nerte ich mich an einen hölz­er­nen Kühlschrank, den ich mir ein­mal aus­ge­malt hat­te, da war ich ger­ade auf dem Post­amt, auch da war es heiß, und die Män­ner und Frauen hin­ter dem Tre­sen schwitzten. Aus­gerech­net an einem Tag heißer Luft erre­ichte mich ein Päckchen, auf das ich seit beina­he zwei Wochen in außeror­dentlich­er Kälte wartete. Ich hat­te bei Hvalfjör­dur Cor­po­ra­tion eine Scheibe aus dem Brust­bein eines Pottwales bestellt, aber die isländis­che Post war acht Tage lang in einen Streik getreten, und so war das gekom­men, dass das Päckchen einen erbärm­lichen Ges­tank ver­strömte, was mich nicht im Min­desten wun­derte, da man vergessen hat­te, das Brust­bein des Wales, der bere­its im Mai gefan­gen und zer­legt wor­den war, ganz und gar von Blut zu befreien. Nun aber ist alles wieder in Ord­nung. Ich habe den Knochen, der erstaunlich leicht in der Hand liegt, gründlich gere­inigt, nur noch ein leis­er Ver­dacht von Ver­we­sung liegt in der Luft, ist ver­mut­lich nicht tat­säch­lich, ist vielmehr ein Faden von Erin­nerung. Sobald der Knochen getrock­net sein wird, werde ich einen ersten Ver­such unternehmen, eine Sch­necke aus ihm zu schnitzen, die der Wirbelka­s­ten­sch­necke ein­er Geige ähn­lich sein wird. – Sam­stag kurz vor Däm­merung. Es ist noch immer heiß. Vor den Fen­stern jagen Fle­d­er­mäuse. – stop

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