büchermenschen

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15.02 — Ich hörte mich von Bücher­men­schen erzählen, von Bücher­men­schen, jawohl. Das sind Per­so­n­en, die selb­st dann noch lesen, wenn sie spazieren gehen. Wenn sie ein­mal nicht spazieren gehen, sitzen sie studierend auf Bänken in Park­land­schaften herum, in Cafés oder in ein­er Unter­grund­bahn. Dort, aus heit­erem Him­mel ange­sprochen, wenn man sich nach ihrem Namen erkundigte, wür­den sie erschreck­en und sie wür­den vielle­icht sagen, ohne den Kopf von der Zeichen­lin­ie zu heben, ich heiße Anna oder Vic­tor, obwohl sie doch ganz anders heißen. Wenn man sie fragte, wo sie sich ger­ade befind­en, wür­den sie behaupten, in Petusch­ki oder in Brook­lyn oder in Kairo oder auf einem Amzonas­re­gen­wald­fluss. — Heute habe ich mir gedacht, man sollte für diese Men­schen eine eigene Stadt erricht­en, eine Metro­pole, die allein für lesend durch das Leben reisende Men­schen gemacht sein wird. Man kön­nte natür­lich sagen, wir bauen keine neue Stadt, son­dern wir nehmen eine bere­its existierende Stadt, die geeignet ist, und machen daraus eine ganz andere Stadt, eine Stadt zunächst nur zur Probe. In dieser Stadt lesender Men­schen sind Bib­lio­theken zu find­en wie Blu­men auf ein­er Wiese. Da sind also große Bib­lio­theken, und etwas kleinere, die haben die Größe eines Kiosks und sind geöffnet bei Tag und bei Nacht. Man kön­nte dort sehr kost­bare Büch­er entlei­hen, sagen wir, für eine Stunde oder zwei. Dann macht man sich auf den Weg durch die Stadt. Während man geht, wird gele­sen. Das ist sehr gesund in dieser Art so in Bewe­gung. Auf alle Straßen, die man passieren wird, sind Lin­ien aufge­tra­gen, Streck­en, die lesende Men­schen durch die Stadt geleit­en. Da sind also die gel­ben Kreise der Stun­den-, und da sind die roten Lin­ien der Minutengeschicht­en. Blau sind die Streck­en mächtiger Büch­er, die schw­er sind von fein­sten Papieren. Sie führen weit aufs Land hin­aus bis in die Wälder, wo man ungestört auf sehr beque­men Pinien­bäu­men sitzen und schlafen kann. In dieser Stadt lesender Men­schen haben Auto­mo­bile, sobald ein lesender Men­sch sich nähert, den Vor­tritt zu geben, und alles ist sehr schön zauber­haft beleuchtet von einem Licht, das aus dem Boden kommt. — stop

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