kairobildschirm

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sier­ra : 7.12 — Acht Uhr, Fre­itagabend. stop. Am Schreibtisch. stop. Von Live­bildern des Nachricht­ensenders Aljazeera her sind Gewehrschüsse zu hören. Seit Stun­den bere­its bewe­gen sich diese Bilder von der Größe ein­er Postkarte auf dem Schirm mein­er Com­put­er­mas­chine. Jugendliche Men­schen flücht­en vor Wolken von Pfef­fer­gas. Betende Män­ner knien vor ein­er Polizeikette, schwarze Stiefel, schwarze Hosen, schwarze Hem­den, schwarze Helme. Gebäude glühen in der aufk­om­menden Dunkel­heit. Ein Mannschaftswa­gen der Polizei schlingert bren­nend durch eine Men­schen­menge, über­rollt Per­so­n­en, die sich in den Weg stellen. Schlägertrup­ps in zivil­er Klei­dung ver­prügeln Frauen, ver­prügeln Män­ner. Kolon­nen gepanz­ert­er Mil­itär­fahrzeuge rück­en in das Zen­trum Kairos vor, sie wer­den von jubel­nden Bürg­ern der Stadt begrüßt. Man spricht davon, das Nation­al Muse­um werde von einem Schild men­schlich­er Kör­p­er geschützt. Gas­granat­en segeln über einen Platz, schreiben Spuren hell­grauen Rauchs in die Luft. Auf den Straßen der Stadt Suez sollen fünf Men­schen ihr Leben ver­loren haben. In Wash­ing­ton erk­lärt ein Sprech­er der US-Regierung, die Sit­u­a­tion sei flu­id. In Kairo über­re­ichen junge Men­schen ein­er Repor­terin den Kör­p­er ein­er Polizeiträ­nen­gas­granate, auf dem sie den Schriftzug Made in USA ent­deck­ten. stop. stop. Was ist das für eine Wirk­lichkeit, die mich in Bildern von Postkarten­größe erre­icht? Wie wirk­lich ist diese Wirk­lichkeit? Was geschieht mit mir, was mit der Wirk­lichkeit der Bilder, sobald ich meinen Com­put­er-bild­schirm auss­chalte? — stop

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