nebelhorn

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1.28 — Gestern Abend in der Däm­merung bin ich durch den Regen gestapft, weil ich gele­sen hat­te, auf dem Post­amt würde ein Paket auf mich warten. Ich ging also los mit meinem Regen­schirm, der sehr schöne Geräusche macht, wenn Wass­er aus großer Höhe auf ihn her­abfällt. Und weil es sehr windig war, musste ich den Schirm etwas schräg vor mich stellen, wie einen Schild vielle­icht, deshalb habe ich von den Men­schen, die mir begeg­neten nur Schuhe gese­hen oder Beine in Strümpfen oder Hosen oder flat­ternde Män­tel. Sehr selt­sam dieser exquis­ite Blick auf die Werkzeuge des Gehens, sehr selt­sam, wie schnell men­schliche Wesen sich doch bewe­gen. Bald war ich wieder auf dem Weg zurück, ein Paket unter dem Arm, den Schirm nun, ein Segel, im Nack­en, Blick auf feuchte Schilde, die sich mir ent­ge­gen stemmten, darunter Artgenossen, geräusch­los. — Aber nun zu dem, was ich eigentlich erzählen will. Auf meinem Schreibtisch ruht seit sechs Stun­den ein fein gestal­tetes Buch von rauem, kräftigem Papi­er, ein Buch, das mit dem Schiff zu mir über den Atlantik reiste, weswe­gen es fünf Wochen unter­wegs gewe­sen war, in einem Con­tain­er ver­mut­lich bei Wind und Wet­ter, also rollte und übers Wass­er schlingerte, auf und ab getra­gen von sehr hohen und kleineren Wellen. Ich habe lange Zeit auf dieses Buch gewartet, eine sehr lange Zeit. Als ich zu warten begann war noch Som­mer gewe­sen und jet­zt ist schon Win­ter gewor­den. Nun endlich liegt das kleine Buch, das von den Zwill­in­gen Daisy und Vio­let Hilton erzählt, auf meinem Schreibtisch oder in mein­er Küche oder auf meinem Sofa oder auf mein­er Brust, wenn ich trotz der Begeis­terung kurz ein­mal ein­genickt sein sollte. Da ist eine Bewe­gung im Halb­schlaf, ein kaum wahrnehm­bares Schaukeln. Und da sind zwitsch­ernde Mäd­chen­stim­men, und das Nebel­horn eines Dampfers vor Brighton. — stop

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