rote handtasche tot

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20.50 – Die alte Frau mit der roten Hand­ta­sche ist tot. Während des Tages irgend­wann muss sie im Hospital gestorben sein. Jetzt, es ist ohne sie wieder Abend geworden, verlässt ihr Fern­seh­gerät das Haus. Ein Hin und Her auf der Straße, noch nie gese­hene, tief­flie­gende Vögel. Im Haus, vom Flur her, Kampf­ge­räu­sche, Gezeter, Verwün­schungen, Empfeh­lungen, heisere Stimmen. Der Sohn ist da und der Sohn des Sohnes, betrunken steht der blut­junge Geier auf der Straße herum und regelt den Verkehr. Wohnungs­auf­lö­sung. Nun, zu vorge­rückter Stunde, hat sich mir das Wort erschlossen. Ein Prozess der Entropie, der Verwer­tung, des Verschwin­dens. Ich sehe die Verschwun­dene wie im Traum, eine 89 jährige Frau in bunter Klei­dung, Steh­lampe in der Hand, das Haus verlassen. Unlängst noch war sie unter­wegs gewesen. Sie hatte bereits den Gang der Hoch­see­ma­trosen. Manchmal rastete sie im Schatten der Bäume. Sie ging spazieren, als melde sie sich an, Tag für Tag, bin noch am Leben. Niemand weiß genau wie lange sie in der Gegend, diesem Haus, dieser Wohnung lebte, sie war schon da als Bomben fielen, und noch immer, bis gestern, stolz und einsam und zu langsam für die rasende Stadt. Jawohl, sie war stolz gewesen, ließ sich nicht helfen, niemand durfte ihr Milch oder den Sand für ihre Tiere durch das Trep­pen­haus in die Wohnung tragen. Manchmal heulte das Fern­seh­gerät durch die Wand. Jetzt ist es vorbei, jetzt werden Monteure und Maler kommen. Es ist vorbei, auch für die Katzen. – stop
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