terminal nachts

pic

tan­go : 2.28 — Ges­tern beob­ach­te­te ich einen Mann, wie er in einem Buch las. Er saß nahe eines Cafés im Flug­ha­fen­ter­mi­nal 1 auf sei­nem Kof­fer, lehn­te mit dem Rücken an einer Wand, bei­de Füße fest auf dem Boden. Außer­dem trug er einen breit­krem­pi­gen Hut von brau­ner Far­be auf dem Kopf und ein blau­es Hemd, wel­ches der­art leuch­te­te, dass mei­ne Augen bald schmerz­ten. Aber im Grun­de war ich auf den Mann nicht wegen sei­ner äuße­ren Erschei­nung auf­merk­sam gewor­den, es war die Metho­de wie er die Erzäh­lung The Pri­ce of Salt von Patri­cia Highsmith stu­dier­te. Ehe er näm­lich eine neue Sei­te des Buches zu lesen begann, riss er die­se nächs­te zu lesen­de Sei­te aus dem Kör­per des Buches her­aus, führ­te sie nahe an sei­ne Augen her­an, las, dreh­te die Sei­te her­um, las wei­ter, um kurz dar­auf die gele­se­ne Sei­te in die Tasche sei­nes Jacketts zu stop­fen. Das Jackett beul­te sich bereits auf bei­den Sei­ten deut­lich, weil das Buch bereits bis zur Hälf­te gele­sen wor­den war. Genau genom­men zer­leg­te der Mann das Buch, das er las, in sei­ne papie­re­nen Ein­zel­tei­le, das Buch ver­schwand sozu­sa­gen unter sei­nen Hän­den, das waren übri­gens sehr klei­ne Hän­de, die Hän­de eines Kin­des. Natür­lich kann ich an die­ser Stel­le kei­ne Aus­sa­ge dar­über machen, ob der Mann mit jedem der Bücher sei­nes Lebens so gehan­delt hat­te. Wann war es gewe­sen, als er die ers­te Sei­te aus einem Buch ent­nahm? Und war­um? Ich woll­te den Mann fra­gen, aber irgend­et­was hin­der­te mich dar­an, zu ihm zu gehen. Um kurz nach zwei Uhr stand ich auf und ging nach Hau­se. — stop

ping

ping

ping

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich lie­be, die Figu­ren dei­ner Geschich­ten auf­ge­hen zu lesen, ihr sat­tes, wort­star­kes Dasein für den Augen­blick einer phan­ta­sie­vol­len Geschich­te, ihren Unter­gang, Son­nen eines mir unbe­kann­ten Par­al­lel­uni­ver­sums, mein Lesen mit sei­nem Dre­hen dar­in ihnen Pla­net.

    Ges­tern Nacht noch saß ich auf der Fens­ter­bank, ließ die Bei­ne bau­meln und hielt Aus­schau nach wei­ßem Nebel vor schwar­zen Wäl­dern, da sah ich ein strah­lend blau­es Leuch­ten vor­über glei­ten. Mir war, als flat­te­re da an ihm ein Jackett mit aus­ge­beul­ten Taschen, doch als ich näher hin­sah, lupf­te es einen breit­krem­pi­gen Hut, lächel­te und nahm den Hori­zont nach Wes­ten. Mir schien, als wol­le es dem lang­sam sich auf­hel­len­den im Osten ent­kom­men. Dass mir schien, war sicher­lich auch ein Grund, dass es mei­nen Blick floh.

    :)!

    Antworten

Kommentar verfassen

ping
Top