vor dem bildschirm

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echo : 6.22 — Würde ich in dieser Minute aus mein­er Haut fahren, sagen wir, oder mit einem Auge meinen kleinen Kör­p­er ver­lassen und etwas in der Zeit zurück­reisen, dann kön­nte ich mich selb­st beobacht­en, einen Mann, der an einem Abend in der Küche ste­ht, einen Mann, der Tee kocht, er spricht mit sich selb­st. Er sagt: Heute machen wir das, heut ist es richtig. Ein Bün­del Melisse zieht durchs flim­mernde Wass­er, bald trägt der Mann eine dampfende Tasse durch den Flur ins Arbeit­sz­im­mer. Er schal­tet seine Schreib­mas­chine an, sitzt auf einem Garten­stuhl vor einem Bild­schirm und arbeit­et sich durch elek­trische Ord­ner in die Tiefe sein­er Verze­ich­nisse voran. Eine Vier­tel­stunde steh ich hin­ter ihm und seh ihm zu. Dann erhebt sich der Mann, er ste­ht jet­zt zwei Meter vom Bild­schirm ent­fer­nt und wartet. Der Bild­schirm ist aus der Ent­fer­nung gese­hen han­dlich­er gewor­den, ein kleines Fen­ster von Licht. Dort kni­et ein Men­sch auf dem Boden, ein Men­sch, der sich fürchtet. Eine Stimme ist zu hören, eine schrille Stimme. Sie spricht schep­pernd Sätze in ara­bis­ch­er Sprache, unerträglich diese Geräusche. Der Mann vor dem Schreibtisch tritt einen weit­eren Schritt zurück. Er scheint flücht­en zu wollen. Zwei Fin­ger sein­er recht­en Hand for­men einen Ring, er hält ihn vor sein linkes Auge, während das rechte Auge geschlossen bleibt. So ver­har­rt er, leicht gebeugt, bewe­gungs­los, zwei Minuten, drei Minuten. Ein­mal ist sein Atem zu hören, heftig. Kurz darauf ste­ht der Mann wieder in der Küche, er lehnt mit dem Rück­en am Kühlschrank, denkt, dass es schneit und spürt Unruhe, die lange Zeit in dieser Heftigkeit nicht zu wahrzunehmen gewe­sen war. Ein Men­sch, Daniel Pearl, wurde zur Ansicht getötet. Was machen wir jet­zt? — stop / Kof­fer­text 12 Feb. 2010 : In diesen Tagen sprechen die Mörder der IS englis­che Sprache.

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