zwergseerosen

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sierra : 6.38 – Vor Kurzem noch habe ich nicht gewusst, dass Lampen­me­dusen bevor­zugt Zwerg­see­rosen zu sich nehmen. Eigent­lich müsste ich sagen, dass Lampen­me­dusen ihrer Aufgabe der Licht­er­zeu­gung nur dann nach­zu­kommen in der Lage sind, wenn sie einige Gramm einer bestimmten Zwerg­see­ro­sen­gat­tung aufge­nommen haben. Diese Zwerg­see­rosen nun sind wunder­bare Wesen, die man mit bloßem mensch­li­chen Auge nicht wahr­zu­nehmen vermag. Sobald sie aber häufig sind, also gehäuft, sagen wir zehn­tau­send Zwerg­see­rosen in nächster Nähe zuein­ander, sehen wir eine rötliche Wolke, die sich in der Form einer flachen Linse sehr wohl zu fühlen scheint. Unter einem Mikro­skop betrachtet sind an jeder Zwerg­see­rose wunder­volle Blüten von roter Farbe zu erkennen, die sich langsam um die eigene Achse drehen, weswegen Zwerg­see­rosen durch das Wasser wandernde Geschöpfe sind, schwe­bende, oder genauer, tauchende Blumen. Sie sollen zart nach Hummer­fleisch schme­cken, jedoch nicht genießbar sein, weil auch dann, wenn Menschen sie verkosten, eben jene Menschen in der Art der Lampen­me­dusen zu leuchten beginnen, ihre Haut und ihre Haare, dann fallen sie um und hören auf zu atmen. Einer, der das nicht glauben wollte, wurde gestern auf hoher See bestattet. Ein selt­samer Anblick, wie man berichtet, ein blaues Leuchten mit Armen, Beinen und einem Kopf, das langsam in der Tiefe verschwand. – Es ist schon weit nach Mitter­nacht, also Nach­mittag geworden. Ich spaziere leise durch meine Wohnung, weil ich niemanden wecken möchte. Unter mir schlafen Menschen. Das ist immer wieder eine selt­same Vorstel­lung, dass sie sehr nah sind, nur durch etwas Holz und Bast und Stein von mir getrennt. Man kann in dieser Weise Jahre wohnen, ohne zu wissen, wen genau man atmen oder spazieren hört. Einer der Menschen unter mir, scheint im Schlaf zu spre­chen. Wenn er zu spre­chen beginnt, höre ich das Geräusch einer Tür, dann hört er auf zu spre­chen. Für eine Weile ist es still. Es gibt viel zu erzählen im Schlaf. – stop

polaroidblumen

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Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

    • Liebe Iris, eine sehr genaue Beob­ach­tung. Ich freu mich! Ich kenne das Buch. Es ist eines der Bücher, die ich gern verschenke. Es ist genau so erzählt, dass mich die Sprache beständig mit sich zieht. “Bis zum letzten Augen­blick gab ich rasend Morse­zei­chen.” :-) / Louis

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