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echo : 6.08 – Wie Schnee, ein gutes Dutzend Menschen­fo­to­gra­fien. Von K., die vor zehn Jahren im August John­sons Jahres­tage kaufte, ein Jahr entlang wollte sie jeden Tag einen der Jahres­tage lesen. Von N., deren Schwester vermut­lich in Kobane kämpft. Sie soll N. sehr ähnlich sein, aber niemand weiß das so genau, weil sie vor 15 Jahren in den Unter­grund verschwand, weil sie in den Bergen kämpfte, weil der Krieg mit Menschen­ge­sich­tern macht was er will. Von L., der nie wieder versu­chen wird, die Stadt Manhattan von einer Nacht­fähre aus zu foto­gra­fieren. Von W., die seit Jahren, vergeb­lich, ein Inter­view mit einem Mann zu führen versucht, der in seiner Jugend­zeit Bilder aus Film­rollen trennte, um sie zu einem Film für sich zu montieren. Die Zeit reichte nicht, seine und auch die andere Zeit reichte nicht. Von M., die viel­leicht gerade in diesem Moment, da ich notiere, lächelnd mit einer Schaufel in der Hand vor einer Schnee­land­schaft steht und wartet. Von B., die bald mit dem Schiff nach Buenos Aires reisen wird, um den Tango zu erlernen. Vorges­tern ist sie 94 Jahre alt geworden. Von I., der sich Tag für Tag darüber freut, wie er sich an das Wort Kühl­schrank zu erin­nern vermag. Von Y., die sich im Monat April auf den Weg machen wird im Karwendel einen Zwerg­ken­taur zu fangen. Vom kleinen J., der seit den letzten Nacht­stunden weiß, dass er einmal zum Mars fliegen wird. Von der kleinen U. aus Aleppo, die sich wundert, dass sie noch immer lebt. Und von W., der viel­leicht niemals erfahren wird, wie sehr ich seine Geschichten liebe, die alle mit dem Wort Einmal beginnen. – stop
polaroidselbst

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