jennifer 7

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romeo : 6.25 — Gestern am späten Abend erre­ichte mich eine Email von ein­er Per­son namens Jen­nifer 7. Ich wun­derte mich, dass dieses Schreiben nicht sofort in einem Spamord­ner ver­schwun­den war, immer­hin kenne ich nie­man­den, der diesen Namen trägt. Aber ich bin nun doch sehr froh, dass mich der kleine Brief aus der Ferne erre­ichte. Er war in englis­ch­er Sprache ver­fasst, und ich sitze noch immer vor ihm und über­lege was zu tun ist, was ich notieren soll, weil das ist ganz sich­er so, dass ich Jen­nifer 7 antworten sollte, mor­gen oder über­mor­gen. Vielle­icht werde ich ihr eine Frage stellen, wo genau sie denn wohnt, in welch­er Stadt, in welchem Haus, wie das Haus beschaf­fen ist, welch­er Art Men­schen in diesem Haus wohnen Tür an Tür. Jen­nifer 7 schrieb so: Lieber Mr. Louis, ich bin sehr müde, ich habe über eine ganze Woche lang kaum geschlafen, weil ich in ein­er Miet­woh­nung lebe im 22 Stock, was noch kein Grund ist nicht zu schlafen, aber ich arbeite nachts in einem Kranken­haus und trage sehr viel Ver­ant­wor­tung und muss schlafen am Tag. Neuerd­ings kann ich nicht schlafen, weil man mich nicht schlafen lässt. Wenn es den 23. Stock nicht geben würde, dann wäre dort nichts als ein Dach, auf dem ein paar Tauben sitzen wür­den und ich kön­nte schlafen, weil Vögel leise, behut­same, kul­tivierte Tiere sind. Nun aber ist das so, dass in den 23. Stock ein Mann und eine Frau einge­zo­gen sind, Men­schen­per­so­n­en, die sich nicht küm­mern um den Lärm, den sie machen. Und so kann ich, das ist der Grund, nicht schlafen. Vorgestern war ich zum ersten Mal dort oben im 23. Stock, um mich vorzustellen. Ich habe mich gefürchtet. Der Mann war nicht zu sehen, dafür aber die Frau, sie stand auf Schuhen, mein Gott waren die wuchtig. Sie sagte, dass ich Pech haben würde, weil sie im Moment nicht arbeite, deshalb würde ich ihre Schritte hören und alles weit­ere. Pech, sagte die Frau, Pech. Und so kann ich nicht schlafen. Ich hör ihre Schritte. Stündlich lassen sie irgen­det­was fall­en auf den schö­nen hölz­er­nen Boden, oder sie schreien sich an, obwohl sie noch jung und frisch ver­heiratet sind. Das ist ein wirk­lich­es Unglück, Mr. Louis, ich bin fast schon verzweifelt und so habe ich an Sie gedacht, weil Sie doch so schöne Käfer erfind­en, die in Ohren wohnen, damit man nichts hören muss. Ob Sie mir wohl helfen, Mr. Louis! – stop

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