regen

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ulysses : 6.06 — Gestern Abend tele­fonierte ich mit ein­er Fre­undin. Sie hat­te kurz zuvor geschrieben, Hochwass­er habe den Keller ihres Haus­es erre­icht. Sie erzählte, das Wass­er komme nun durch zwei kleine Löch­er in Boden und Wand here­in, 5 Liter in ein­er hal­ben Stunde. Ich hörte ihre Stimme, erschöpft, müde, sie wolle sich einen Weck­er stellen und jede halbe Stunde Wass­er schöpfen. Eine harte Sache, die noch einen Tag und eine ganze Nacht so weit­erge­hen könne. Während wir sprachen, war das Geräusch tropfend­en Wassers im Hin­ter­grund zu vernehmen, als würde meine Gesprächspart­ner­in in ein­er Höh­le sitzen, in ein­er ent­fer­n­ten Zeit, auf dem Mond oder auf dem Mars. Als ich klein und sehr uner­fahren gewe­sen war, hat­te ich die Vorstel­lung, nach starkem Regen kön­nte das Wass­er in Tele­fon­leitun­gen drin­gen. Ich wun­derte mich deshalb, dass das Tele­fonieren nach Gewit­ter­re­gen noch funk­tion­ierte. Wenn ich dann etwas später durch den Garten spazierte, meinte ich zu beobacht­en, wie unsere Tele­fon­leitun­gen aus dem Boden flüchteten. Sie hat­ten sich zu Teilen aufgelöst und schlän­gel­ten, hell­rote, glänzende Würmer, durch das feuchte Gras. Ich kon­nte sie berühren, und wenn ich sie ihn meine Hände nahm, kitzelte es sehr angenehm auf den Hand­flächen. Ein­mal set­zte ich eine flüch­t­ende Tele­fon­leitung in ein Marme­lade­glas. Es waren ein gutes Dutzend Würmer gewe­sen, die sich um Aus­gang bemüht­en. Ich beäugte sie lange Zeit, die Wände des Glases beschlu­gen rasch, so dass ich das Glas immer wieder öff­nen musste. Wenn ich mein Ohr an den Behäl­ter drück­te, kon­nte ich sie hören, einen eigen­tüm­lichen Laut der Not, für dessen Beschrei­bung ich bish­er kein Wort ent­deck­te. Damals nahm ich das Glas mit in mein Zim­mer. Ich stellte es unter mein Bett. Am näch­sten Mor­gen hat­te ich seine Exis­tenz vergessen. — stop

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