spieldose

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tan­go : 0.03 — Vor Jahren, zur Som­merzeit, an der Seite ein­er schw­er­müti­gen Frau durch tropfend­en Wald nahe eines Kranken­haus­es. Es hat­te gereg­net, eine Sint­flut, das Kleid der Frau, von dem sie erzählte, dass es sich um ein bren­nen­des Kleid han­dele, klebte an ihrem Kör­p­er fest. Schmal war sie gewor­den, zer­brech­lich, fast durch­sichtig die Haut ihrer Hände, ihrer Wan­gen, ihres Halses. Ich erin­nere mich, dass ich ihr Libellen zeigte, sie jagten dicht über den dampfend­en Boden hin, Walderd­beeren, einen Frosch. Ich fragte nach ihren Gedanken, aber ich kon­nte sie  nicht erre­ichen, auch mit meinen Blick­en nicht, weil sie mich nicht anse­hen wollte, son­dern vor sich hin star­rte, indem sie vor­sichtig ihre Schritte set­zte, als würde der Boden unter ihren Füßen nicht wirk­lich existieren. Ihr feines Gesicht, ihre hellen Augen, hell von Schmerz und Furcht. Wie sie nach ein­er lan­gen Zeit des Schweigens sagte, nie­mand könne ver­ste­hen, wie sie sich füh­le, kein Men­sch, das sei schreck­lich, und das Atmen, die Angst, die Leere, der Ein­druck zu fall­en, und dass sie nicht wüsste, wann das alles wiederkommt, wenn es doch ein­mal aufge­hört haben sollte, und warum. In ein­er ihrer Hände barg sie eine Spiel­d­ose. Manch­mal hielt sie die kleine Mas­chine vor ihr Gesicht und drehte an ein­er Kurbel. Sie neigte dann den Kopf zur Seite, und für einen Moment schien der Schmerz nachzu­lassen, eine Ahnung im Som­mer­re­gen, eine Erfahrung größter Ferne und Hil­flosigkeit inmit­ten zir­pen­den, pfeifend­en, rauschen­den Lebens, gestern in ein­er beson­deren Weise von dem erschüt­tern­den, hoff­nungs­fro­hen Film Helen in die Tiefe erzählt. — Top five der schlecht­esten, gut gemein­ten Ratschläge von Leuten, die über­haupt keine Ahnung haben: Fahr in die Ferien, lies ein Buch, lass Dir die Haare schnei­den, ren­ovi­er Deine Woh­nung, lerne Joga.

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