amsterdam

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sier­ra : 7.05 — Immer wieder wun­dere ich mich darüber, wie ein Bild, eine Vorstel­lung, eine Idee, ohne mein Zutun, ohne dass ich also den Ein­druck haben würde, Arbeit ver­richtet zu haben, weit­ere Bilder erzeugt, Geschicht­en, Filme, Zeiträume von Abwe­sen­heit. Ich erin­nere mich, in einem dieser Räume kür­zlich in Ams­ter­dam gewe­sen zu sein, während ich zur sel­ben Zeit im Zug durch südliche Land­schaft reiste. Ich hat­te das Bild eines Läd­chens vor Augen, in welchem in ein­er Pfanne men­schliche Ohren geröstet wur­den. Es roch sehr gut nach gebraten­em Fleisch und natür­lich frage ich mich, woher ich diese Vorstel­lung genom­men habe. Men­schen standen bis auf die Straße hin­aus, warteten geduldig bis sie an der Rei­he waren, eine Por­tion der gerösteten Ohren in ein­er Papiertüte ent­ge­gen zu nehmen. 100 Gramm kosteten 72 englis­che Pfund, vielle­icht war es deshalb, in Anbe­tra­cht des Preis­es, so still im Laden, man hörte nur ein Zis­chen, sobald aus einem Schaufelchen eine weit­ere Por­tion Ohren in die Pfanne fiel. Aber draußen auf der Straße war Tumult ent­standen. Während die einen sich über den enor­men Preis der Ohren beschw­erten, waren andere sehr deut­lich gegen den Verkauf men­schlich­er Ohren über­haupt eingestellt. Das sind gezüchtete Organe, sagten sie, sie waren nie an einem men­schlichen Kopf befes­tigt. Andere hinge­gen empörten sich darüber, dass es doch ver­rückt sei, für etwas, das niemals echt gewe­sen war, eine der­art exzel­lente Summe Geldes pro Gramm bezahlen zu müssen. Die einen wie die anderen schienen mir Recht zu haben. Fen­ster gin­gen zu Bruch, berit­tene Polizei fegte über eine Brücke. Und wie ich in dieser Weise in einem Zug sitzend einen Film erlebte aus dem Nichts, beobachtete mich ein Fre­und. Ich bemerk­te ihn nicht. Als ich ihm später erzählte, was ich erlebt hat­te, sagte er, er habe indessen, in der Beobach­tung mein­er Per­son, nicht den ger­ing­sten Laut gehört. — stop

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