grand central station. regen

pic

marim­ba : 0.12 — Grand Cen­tral Sta­tion an einem reg­ner­ischen Tag, viele der reisenden Men­schen sind nass gewor­den. Auch ein paar Tauben haben sich in den Bahn­hof geflüchtet, sie gehen zu Fuß, weshalb sie von Kindern gejagt wer­den, deren Müt­ter lange Röcke tra­gen und Schleifen im Haar. Diese Per­so­n­en wirken so, als wären sie ger­ade erst aus den Regen­wolken früher­er Jahrhun­derte gefall­en.  Wie ich mit ein­er Roll­treppe abwärts fahre, durch die Tun­nels unter dem Bahn­hof spaziere, tre­ffe ich auf eine Mod­elleisen­bahn, die mit Blaulicht durch einen Postkarten­laden funkelt. Ein Feuer ist aus­ge­brochen, eine Tankstelle bren­nt, die jed­erzeit explodieren kön­nte, und eine Schule. Von Zeit zu Zeit schep­pert ein Zug vor­bei, dessen Loko­mo­tive dampft, indessen das Mod­elleisen­bah­n­feuer mit­tels fein­er Papiere und kün­stlichem Wind zur Auf­führung kommt. Eine drama­tis­che Szene. In diesem Moment der Beobach­tung eines Unglücks, erin­nerte ich mich an einen Heiz­er, der in einem Münch­en­er Bahn­hof das Fahrw­erk ein­er riesi­gen Loko­mo­tive ölte. Es war eine Zeit, da die fahren­den Kohlen­bren­nwerke star­ben. Ich kön­nte damals zum ersten Mal bemerkt haben, dass auch Mod­el­l­loko­mo­tiv­en regelmäßig mit Maschi­nenöl, welch­es aus han­dlichen Behäl­tern tropfen­weise verteilt wurde, ver­sorgt wer­den wollen. Der Dampf, der unter der Fahrt kurz darauf aus zier­lichen Schloten pfiff, war echt, wie der Dampf der großen Loko­mo­tiven­brüder. Die erste Eisen­bahn meines Lebens habe ich von einem Lauf­stall aus als Gefan­gener beobachtet. Noch kon­nte ich, wenn ich mich nicht täusche, nur sitzen oder liegen, aber das war nicht schlimm gewe­sen, weil der Zug, der meinen Lauf­stall umkreiste, vom Boden her sehr gut zu sehen war. Ich erin­nere mich an Schienen von Met­all, die ich später ein­mal ver­biegen würde, an leuch­t­ende Sig­nalan­la­gen, an dunkel­grüne Krokodile, die je über Schhein­wer­fer­köpfe vefügten. Spätere, sehr viel kleinere Dampfloko­mo­tiven­mod­elle, waren schw­er. Wenn ich sie in meinen kleinen Hän­den hielt, hat­te ich das Gefühl etwas Bedeu­ten­des zu hal­ten. Ihre Far­ben waren schwarz und rot, und sie rochen sehr schön nach Eisen. Seit jen­er Zeit spüre ich eine kindliche Form der Erre­gung, sobald ich in einem Mod­el­lkat­a­log blät­tere. Die erste Spielzeugeisen­bahn, die mir selb­st gehörte, war von Holz gewe­sen, hölz­erne Schienen, hölz­erne Wag­ons, hölz­erne Loko­mo­tiv­en, auch die Pas­sagiere waren von Holz. Heutzu­tage wer­den Loko­mo­tiv­en hergestellt, die so klein sind, dass man sie ver­schluck­en kann. – Vor weni­gen Tagen wurde Radovan Karadz­ic zu 40 Jahren Haft verurteilt. — stop
ping

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top