ein junge

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india : 7.08 — Im Café No 5 unterm Flughafen­ter­mi­nal beobachtete ich einen Mann, der sich äußerst sparsam, lange Zeit über­haupt nicht bewegte. Auf dem Tisch vor ihm lag eine Zeitung, neben der Zeitung Fol­gen­des: eine Tasse Kaf­fee, ein Glas Wass­er, Zuck­er­wür­fel, Notizblock und Bleis­tift. Eine halbe Stunde verg­ing in dieser Weise, die Hände des Mannes ruht­en in seinem Schoß. Ein­mal rück­te der Mann seinen Kof­fer, der hin­ter ihm an der Wand park­te, ein kleines Stück zur Seite, ein ander­mal hob er seine Kaf­fee­tasse in die Luft, um sie in einem Zug auszutrinken. Dann wieder kein­er­lei Bewe­gung, der Mann schien kaum zu atmen. Er reagierte wed­er auf Laut­sprecher­durch­sagen, noch küm­merte er sich um Men­schen, die das Café auf Lauf­bän­dern passierten, es waren viele chi­ne­sis­che Reisende darunter, die ger­ade erst aus Shang­hai und Peking in großen Flugzü­gen eingetrof­fen waren. Der Mann star­rte auf eine Schwarzweiß­fo­tografie, die auf der Titel­seite ein­er Zeitung abge­druckt wor­den war. Ein Junge lag dort unbek­lei­det auf ein­er Bast­mat­te mit­ten auf ein­er schmutzi­gen, feucht­en Straße. In einiger Ent­fer­nung, im Hin­ter­grund, warteten Men­schen, die den Jun­gen beobachteten. Der Junge schwitze, seine schwarze Haut war von Fliegen bedeckt, er sah mit hal­bgeschlosse­nen Augen zu einem Wesen hin, das in einem Schutzanzug steck­te. Anstatt eines Kopfes war auf den Schul­tern des Wesens ein Helm zu sehen, eine zerknit­terte Haube genauer, die unter Luft­druck zu ste­hen schien. Das Wesen hat­te seine rechte Kun­st­stoff­hand nach dem Jun­gen, der ein­sam auf dem Boden liegend ver­har­rte, aus­gestreckt, es wollte ihn vielle­icht ermuti­gen, aufzuste­hen und zu ihm an den Rand der Straße zu kom­men. Obwohl sich die Hand nicht bewegte, ver­mit­telte sie den Ein­druck, dass sie sich bewegt haben musste und weit­er­hin bewe­gen würde, weil die Stel­lung ihrer Fin­ger nur in dieser ver­muteten Bewe­gung einen Sinn ergab. Ja, diese Hand musste in der Zeit des Bildes eine wink­ende Hand gewe­sen sein, aber es war deut­lich zu sehen, dass der Junge ver­mut­lich nicht länger die Kraft hat­te, aufzuste­hen oder zu kriechen oder etwas zu sagen, zu rufen, zu flüstern, oder die Fliegen auf seinem Kör­p­er zu vertreiben. Es war still, vol­lkom­men still, nichts zu hören. — stop

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