eine alte frau

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delta : 7.28 — Eine alte Frau in den Schuhen eines Mannes. Sie ist klein, sie geht gebückt. Der Mann, zu dem früher ein­mal die Schuhe der alten, gebückt gehen­den Frau gehörten, muss ein Mann von stat­tlich­er Größe gewe­sen sein. Sie kann ihre Füße nicht vom Boden heben, ohne den schützen­den Raum der riesi­gen Schuhe zu ver­lassen. Deshalb geht sie in ein­er Weise, als sie würde auf Skiern laufen. Links in der Hand trägt sie einen Stock, auf den sie sich stützt, sobald sie ein­mal ste­hen bleibt. Sie trägt einen grauen Win­ter­man­tel, graue Hosen, einen grauen Schal. Auch ihr Haar ist von grauer Farbe. Eigentlich fällt sie kaum auf in der Men­schen­menge, weil sie zier­lich ist und ohne Laut. Sie wan­dert in ihren Schneeschuhen über den Cen­tral­bahn­hof von Mülleimer zu Mülleimer, um jew­eils in die Tiefe der Behäl­ter­schlünde zu spähen. Ich frage mich, was sie suchen kön­nte, vielle­icht Flaschen oder ein Brot oder den Rest eines Apfels. Ich kenne die Erschei­n­ung dieser Frau, ich kenne sie seit Jahren. Sie ist ein Leicht­gewicht, wenn ich sie mit den schw­eren, den voll­ständig ver­mummten Gestal­ten der New York­er Straßen in Beziehung set­ze. Als ich sie zum ersten Mal wahrgenom­men habe, dachte ich: Diese Frau kön­nte meine Mut­ter sein, was ist geschehen? Damals sah die alte Frau sehr krank aus und schmutzig und sie roch sehr streng. Ihre Augen waren gel­blich ver­färbt, daran erin­nere ich mich genau, ich über­legte, ob sie vielle­icht bald ster­ben wird. Das war vor zwei oder drei Jahren gewe­sen. Wie ich sie heute wieder sehe, die alte Frau in den Schuhen eines Mannes, denke ich, sie ist wie eine Fig­ur, die immer irgend­wo in Bahn­höfen anwe­send ist, die immer wieder über eine dieser Reise­büh­nen schre­it­et, ohne je weit­erz­u­fahren, diese Wege von Mülleimer zu Mülleimer und wieder zurück auf der Suche nach etwas Nahrung oder Pfand. An diesem Abend über­hole ich sie, wende und bücke mich, so dass ich ihr nahekomme. Sie hält an, schaut mir in die Augen. Ihre Haut ist weich und weiss und ihre Pupillen sind klar. Ich sage: Entschuldigen Sie bitte. Darf ich ihnen etwas geben? In dem Moment da sie mir eine Hand ent­ge­gen streckt, sagt sie mit der Stimme eines Mäd­chens so hell: Danke, warum? — stop

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