frau blum

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delta : 5.08 — In der Bib­lio­thek ent­deck­te ich vor einiger Zeit einen Zettel. Der Zettel steck­te in einem Buch, das ich entliehen hat­te, um nach ein­er Geschichte zu suchen, die ich vielle­icht schon ein­mal gele­sen haben kön­nte vor vie­len Jahren. Es war eine Geschichte, die von einem Gespräch erzählt, welch­es Frau Blum mit ihrem Milch­mann führte, in dem sie dem Milch­mann Botschaften sendete, ein Ver­hal­ten, das notwendig gewe­sen war, weil Frau Blum üblicher­weise schlief, wenn der Milch­mann früh­mor­gens das Haus besuchte, in dem sie wohnte. Diese Geschichte, ein wun­der­bares Stück, hat Peter Bich­sel geschrieben, eine ganze Welt scheint in ihr enthal­ten zu sein, obwohl sie so kurz ist, drei Seit­en, dass man sie von ein­er Sta­tion zur näch­sten Sta­tion in ein­er Straßen­bahn reisend Wort für Wort zu Ende lesen kön­nte. Ich erin­nere mich, das Buch lag weich in mein­er Hand, es war etwas schmutzig, zer­lesen, auf sein­er Rück­seite waren einige dutzend Stem­pelaufträge zu find­en, so wie man das früher noch machte, Büch­er mit Rück­ga­beter­mi­nen zu verse­hen, so dass jed­er sehen kon­nte, wie oft das Buch bere­its gele­sen wor­den war. Dieses Buch, von dem ich ger­ade erzäh­le, war seit über zwanzig Jahren nicht mehr aus­geliehen wor­den. Ich stellte mir vor, dass das Bänd­chen vielle­icht hin­ter eine der Bücher­rei­hen gerutscht sein kön­nte, weswe­gen es lange Zeit nicht gefun­den wer­den kon­nte. Ver­mut­lich war das Buch längst ver­loren gemeldet, so dass ich ein Buchex­em­plar in Hän­den hielt, das in den Verze­ich­nis­sen der Bib­lio­thek nicht länger existierte. Ander­seits scheint es möglich zu sein, dass das Buch ver­steckt wor­den sein kön­nte. Vielle­icht war es von genau jen­er Per­son ver­steckt wor­den, die den Zettel in das Buch gelegt hat­te, eine Per­son, die möglicher­weise bere­its gestor­ben ist. Das alles ist natür­lich reine Speku­la­tion, allein die Exis­tenz des Zet­tels ist sich­er. Dort war in blauer, akku­rater Schrift zu lesen: Wie man einen Ver­merk schreibt, um sich an gele­sene Geschicht­en erin­nern zu kön­nen. – stop
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