lufteis

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ulysses : 0.22 — Ob es geheim­di­en­stlichen Analy­se­maschi­nen möglich ist, zwis­chen fik­tiv­en Tex­ten und  nicht­fik­tiv­en Tex­ten zu unter­schei­den? — Weit­er­hin Wärme in den Zim­mern. Kaum Fliegen, vielle­icht weil es draußen schön kühl ist. Gewit­ter­duft, würzig nach Moos und Fröschen. Ich erin­nere mich in diesem Moment vor eini­gen Jahren einen beson­deren Kühlschrank in Emp­fang genom­men zu haben, einen Behäl­ter von enormer Größe. Ich wieder­hole, dass dieser Kühlschrank, in welchem ich plane im Som­mer wie auch im Win­ter kost­bare Eis­büch­er zu studieren, eigentlich ein Zim­mer für sich darstellt, ein gekühltes Zim­mer, das wiederum in einem hölz­er­nen Zim­mer sitzt, das sich selb­st in einem größeren Stadthaus befind­et. Nicht dass ich in der Lage wäre, in meinem Kühlschrankz­im­mer auf und ab zu gehen, aber es ist groß genug, um einen Stuhl in ihm unterzubrin­gen und eine Lampe und ein kleines Regal, in dem ich je zwei oder drei mein­er Eis­büch­er ausstellen werde. Dort, in näch­ster Nähe zu Stuhl und Regal, habe ich einen weit­eren kleineren, äußerst kalten, einen sehr gut isolierten Kühlschrank aufgestellt, einen Kühlschrank im Kühlschrank sozusagen, der von einem Not­stro­mag­gre­gat mit Energie ver­sorgt wer­den kön­nte, damit ich in den Momenten eines Stro­maus­fall­es aus­re­ichend Zeit haben würde, jedes einzelne mein­er Eis­büch­er in Sicher­heit zu brin­gen. Es ist näm­lich eine unerträgliche Vorstel­lung, jene Vorstel­lung warmer Luft, wie sie meine Büch­er berührt, wie sie nach und nach vor meinen Augen zu schmelzen begin­nen, all die zarten Seit­en von Eis, ihre Zeichen, ihre Geschicht­en. Seit ich denken kann, wollt ich Eis­büch­er besitzen, Eis­büch­er lesen, schim­mernde, küh­le, uralte Büch­er, die knis­tern, sobald sie aus ihrem Schneeschu­ber gleit­en. Wie man sie für Sekun­den liebevoll betra­chtet, ihre polare Dichte bewun­dert, wie man sie dreht und wen­det, wie man einen scheuen Blick auf die Tex­turen ihrer Gasze­ichen wirft. Bald sitzt man in ein­er U-Bahn, den leise sum­menden Eis­buchreisekof­fer auf dem Schoß, man sieht sich um, man bemerkt die begeis­terten Blicke der Fahrgäste, wie sie flüstern: Seht, dort ist ein­er, der ein Eis­buch besitzt! Schaut, dieser glück­liche Men­sch, gle­ich wird er lesen in seinem Buch. Was dort wohl hineingeschrieben sein mag? Man sollte sich fürcht­en, man wird seinen Eis­buchreisekof­fer vielle­icht etwas fes­ter umar­men und man wird mit einem wilden, mit einem entschlosse­nen Blick, ein gieriges Auge nach dem anderen gegen den Boden zwin­gen, solange man noch nicht angekom­men ist in den frosti­gen Zim­mern und Hallen der Eis­magazine, wo man sich auf Eis­stühlen vor Eis­tis­che set­zen kann. Hier endlich ist Zeit, unterm Pelz wird nicht gefroren, hier sitzt man mit weit­eren Eis­buchbe­sitzern ver­traut. Man erzählt sich die neuesten ark­tis­chen Tief­seeis­geschicht­en, auch jene ver­lore­nen Geschicht­en, die aus pur­er Unacht­samkeit im Laufe eines Tages, ein­er Woche zu Wass­er gewor­den sind: Haben sie schon gehört? Nein! Haben sie nicht? Und doch ist keine Zeit für alle diese Dinge. Es ist immer die erste Seite, die zu öff­nen man fürchtet, sie kön­nte zer­brechen. Aber dann kommt man schnell voran. Man liest von uner­hörten Gestal­ten, und kön­nte doch niemals sagen, von wem nur diese feine Lufteiss­chrift erfun­den wor­den ist. — stop

polaroidcassini

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