bewegung

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nordpol : 0.28 – Wie Peter Bichsel vor Jahren in einer Film­do­ku­men­ta­tion von einem Zustand der Bewe­gung berich­tete, der für ihn zum Schreiben hilf­reich sei. Fahren. Reisen. Der Schrift­steller saß, indem er das erzählte, in einem Wagon der Schweizer Bundes­bahn, Land­schaft mit Bäumen schwebte hinter dem Fenster vorbei, und ich meine, mich richtig zu erin­nern, wenn sich das Gesicht des Dich­ters in der Scheibe spie­gelte. Immer wieder einmal hab ich an diese Situa­tion gedacht, gestern zuletzt, weil ich bemerkte, dass mir in diesen Tagen die Stunden des Schrei­bens auf der Staten Island Fähre fehlen, Stunden bemer­kens­werter Beweg­lich­keit in meinen Gedanken. Nicht allein die gleich­mä­ßige Bewe­gung des Schiffes, scheint eine selt­same Öffnung meiner Gedanken bewirkt zu haben, oder der Blick auf das Meer, die Silhou­ette Brook­lyns, den Hafen New Jerseys, seine Kräne, die wie Stor­chen­vögel am Hori­zont zu sehen sind, in meinem Fall waren es die Menschen, ihre Gesichter, Stimmen, Bewe­gungen, Gerüche, Hüte, Tele­fone, Schuhe, Taschen, Gespräche, die mich mit Span­nung einer­seits und innerer Ruhe ander­seits versorgten. Ich ahne, ich vermag in der Umge­bung zahl­rei­cher Menschen, die sich nicht weiter um mich kümmern, sehr lange Zeiten und weit geöffnet still zu sitzen. Meine Augen spazieren herum und meine Ohren, mein Schreib­ge­hirn aber scheint indessen in eine ganz andere Rich­tung zu schauen. Warum das so ist, weiß ich nicht. – Ein stilles Gebet seit Tagen.

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