ein päckchen

2

tango : 17.01 – Im August einmal stehe ich in einer Schlange wartender Menschen. Der Ort: U.S. General Post Office, New York, 8. Straße. Die Zeit: Kurz vor sechs Uhr abends. Ich bin müde, bin weite Stre­cken durch die Stadt gewan­dert. Ich denke noch, wenn ich nicht achtsam bin, könnte ich viel­leicht im Stehen einschlafen. Ich über­lege, ob ich in diesem Falle umfallen oder einfach so schla­fend stehen bleiben würde. Draußen ist es höllisch heiß, schwül und feucht, in der Halle des Post­amtes eher kühl. Vor mir, so nah, dass ich sie verse­hent­lich umarmen könnte, wartet eine zier­liche, ältere Dame, sie ist viel­leicht gerade vom Friseur gekommen, ihr Haar, ein bläu­lich schim­mernder Ball, der heftig duftet. Auf ihren Schul­tern ruht ein Fuchs, der tot ist. Als sie an die Reihe kommt, tritt sie an den Schalter heran, stellt sich auf ihre Zehen­spitzen und legt ein Päck­chen auf den Tresen ab. Mit einer lässigen Hand­be­we­gung schiebt sie die Ware zu einer Post­an­ge­stellten hin. Die Frauen unter­halten sich. Ich kann nicht jedes Wort verstehen, sie spre­chen sehr schnell. Ich meine, zu hören, wie die Post­an­ge­stellte bemerkt, dass das Päck­chen sehr leicht sei, so leicht, als ob in ihm nichts enthalten wäre. Die alte Dame erwi­dert, in dem Päck­chen sei sehr wohl etwas enthalten, nämlich 7 x 1 Stunde Schlaf, die sie einem Freund über­mit­teln würde, der nahe Boston wohne, ein Geschenk. Daraufhin lacht die Post­an­ge­stellte mit tiefer Stimme. Sie sagt: Das ist ein unglaub­li­ches Geschenk, sie würde auch einmal sehr gerne etwas Schlaf­zeit geschenkt bekommen. Kurz darauf dreht sich die alte, zier­liche Frau auf dem Absatz um, ein feuerrot geschminkter Mund, gepu­derte, helle Haut, winzige blaue Augen. Sie durch­quert den Saal nach Norden hin. Kleine Schritte, sehr schnell. Kurz vor einer der Türen, da sie die Rich­tung korri­gieren muss, wird sie beinahe aus der Kurve getragen. – stop
ping

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top