emilia nabokov no2

2

himalaya : 5.15 — Vor län­ger­er Zeit hat­te ich von einem Fre­und erzählt, der den fotografis­chen Schat­ten ein­er Kün­st­lerin via Inter­net ver­fol­gte. Er arbeit­et selb­st seit vie­len Jahren in dig­i­tal­en Räu­men, beina­he kön­nte ich sagen, dass er seit vie­len Jahren in dig­i­tal­en Räu­men zu existieren scheint. Zahlre­iche sein­er Arbeit­en verbinden sich mit Arbeit­en ander­er Men­schen, weil man auf ihn ver­weist, weil man auf ihn wartet, auf Texte, auch auf Bilder, Filme, Geräusche, die er aufn­immt, sobald er etwas Inter­es­santes zu hören meint. Mit jed­er Minute der verge­hen­den Zeit wächst sein elek­trisch­er Schat­ten. Er macht das ähn­lich wie eine New York­er Fotografin, die stun­den­lang durch die Stadt spaziert und mit einem iPhone all das fotografiert, was ihr ins Auge fällt. Manch­mal sind es hun­derte Fotografien an einem einzi­gen Tag, die nur Sekun­den nach Auf­nahme von ihrem Fotoap­pa­rat, mit dem sie gle­ich­wohl tele­fonieren kann, an das Flickr – Medi­um gesendet wer­den. Mein Fre­und erzählte, dass er den Ein­druck habe, die junge fotografierende Frau in Echtzeit zu beobacht­en, ihr im Grunde so nah gekom­men zu sein, dass er kurz vor Wei­h­nacht­en fürchtete, etwas Ern­sthaftes kön­nte ihr wider­fahren sein, weil drei Tage in Folge keine Fotografie gesendet wurde. Am vierten Tag erkundigte er sich mit­tels ein­er E-Mail, die er an Flickr sendete, ob es der schweigsamen Fotografin gut gehe, er mache sich Gedanken oder Sor­gen. Man muss das wis­sen, mein Fre­und hat­te der Fotografin nie zuvor geschrieben, kan­nte nicht ein­mal ihren wirk­lichen Namen, son­dern nur ein Pseu­do­nym: Emil­ia Nabokov No2. Ein halbe Stunde, nach­dem die E-Mail gesendet wor­den war, erschien, als habe ihm die spazierende Kün­st­lerin zur Beruhi­gung geant­wortet, eine Fotografie ohne Titel. Diese Fotografie erzählte davon, dass sich Emil­ia Nabokov No2 ver­mut­lich nicht in New York aufhielt, son­dern in Mon­tauk, weil auf der Fotografie ein Leucht­turm auf einem ver­schneit­en Hügel zu sehen war, der ein­deutig zur kleinen Stadt Mon­tauk an der nordöstlichen Spitze Long Islands gehörte. Im Hin­ter­grund das Meer, und vorne, ob nun mit Absicht oder nicht, ein Fuß in einem Gum­mistiefel von knall­rot­er Farbe. stop Es ist jet­zt April 2014 gewor­den. Nach Erscheinen der Fotografie, die den roten Gum­mistiefel zeigt, wur­den von der Kün­st­lerin Emil­ia Nabokov No 2 weit­ere 2756 Fotografien gesendet, im Okto­ber des ver­gan­genen Jahres dann die let­zte Auf­nahme, sei­ther Stille. — stop

polaroidflug

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top