segelohren

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india

~ : louis
to : daisy und vio­let hilton
sub­ject : SEGELOHREN

Liebe Daisy, liebe Vio­let! Kühl ist die Luft gewor­den in den ver­gan­genen Tagen. Als ob Herb­st gewor­den sei, so eine Luft voller Regen und Wind. Auf der Straße laufen Men­schen herum, die haben sich Tropfen­fänger unter ihre Nasen gebun­den, die wund sind und geschwollen. Ich selb­st noch wohlauf, was vielle­icht darin begrün­det sein kön­nte, dass ich bere­its jet­zt schon kräftige Wan­der­schuhe trage für den kom­menden Win­ter in New York. Will Euch eine Geschichte notieren, an diesem schö­nen, nassen Son­ntag, die ich tat­säch­lich genau­so erlebt habe, wie ich sie erzäh­le, ob Ihr mir nun glauben werdet oder nicht. Stellt Euch ein geräu­miges Zim­mer vor. Ein gutes Dutzend Ohren pro­pellerten dort durch die Luft, sie waren Gästen entkom­men, die in näch­ster Nähe eines Rund­funkempfängers Platz genom­men hat­ten, um Ella Fitzger­ald zu lauschen: It Don’t Mean a Thing If It Ain’t Got That Swing. Ein merk­würdi­ger Anblick war das gewe­sen, bald lagen kämpfende Ohren in Schicht­en über zwei Laut­sprech­ern des Radios, wie Foot­ball­spiel­er, sagen wir, eine rangel­nde Bande zwitsch­ern­der Ohren, so dass in dem Zim­mer der Ver­samm­lung vom Konz­ert kaum noch etwas zu hören gewe­sen war, als diese Geräusche des Kampfes. Man kämpfte auch dann noch ver­bis­sen weit­er, als das Radio längst aus­geschal­tet wor­den war, ver­mut­lich deshalb, weil man meinte, die nun auftre­tende Stille sei nicht wirk­lich vorhan­den. Ich habe drei Stun­den in der Beobach­tung des Tumultes zuge­bracht. Dann bin ich nach Hause zurück ohne meine Ohren. Sei­ther warte ich ger­adezu taub gewor­den auf ihre Rück­kehr. Bis bald ein­mal wieder. Cuc­cur­ru­cu! – Euer Louis

gesendet am
03.07.2011
20.05 MESZ
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