josef

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echo : 5.01 — Ich weiß nicht, wie oft ich schon die Trep­pen in Josefs kleine Woh­nung gestiegen bin. Vielle­icht ein­hun­dert­mal in den siebten Stock unters Dach seit er mich mit der Auf­sicht sein­er Blu­men beauf­tragte. Als ich gestern am späten Abend die Tür hin­ter mir schloss, ent­deck­te ich eine Nachricht auf dem Anruf­beant­worter seines Tele­fons. Ich war mir nicht sich­er, ob ich die Nachricht vielle­icht abhören sollte, ich dachte, eine wichtige Nachricht kön­nte hin­ter­legt wor­den sein. Also drück­te ich einen Kopf und die Mas­chine begann alle noch nicht gehörten Nachricht­en abzus­pie­len, die auf ihr verze­ich­net und von mir bis dahin nicht bemerkt wor­den waren. Rosie erkundigte sich nach Josefs Verbleib, sie waren verabre­det, Josef nicht gekom­men. Dr. Tauber ließ aus­richt­en, das eine Unter­suchung für Okto­ber geplant wer­den müsse, reine Rou­tine, es war inzwis­chen Juni gewor­den. Im Dezem­ber lud Emi­lie Josef zum Wei­h­nachtssin­gen in die Schiller­schule ein, es ging um ihren Enkel, der in den Chor berufen wor­den war. Im Jan­u­ar wur­den zwei Botschaften hin­ter­lassen, je ohne eigentliche Nachricht, ein­mal waren Men­schen­stim­men zu hören, die Sirene ein­er Ambu­lanz, dann eine Stimme, die in englis­ch­er Sprache verkün­dete, dass der näch­ste ein­fahrende Zug in Rich­tung Coney Island fahren würde. Im März wieder Rosies ein­er­seits ärg­er­liche, ander­er­seits besorgte Frage: Josef, wie geht es Dir? Anfang Mai eine weit­ere Botschaft, die nur aus Geräuschen bestand, ich glaube, ich hörte das Dröh­nen eines Schiff­s­mo­tors. Ende des Monats war ein Onkel Josefs gestor­ben, man bat ihn zu kom­men, er sollte sprechen, weswe­gen man sich drei Tage später noch ein­mal erkundigte. Im Juni wieder Stadt­geräusche, ein Gewit­ter im Hin­ter­grund, Stim­men in ein­er Sprache, die ich nicht kan­nte. Die let­zte Auf­nahme, die ich hörte, war von ein­er ganz beson­deren Art gewe­sen, Glock­en waren zu hören, Glock­en wie sie unter den Hälsen von Kühen baumeln. Es war eine sehr lange Auf­nahme, kurz bevor sie endete, Josefs Stimme: Kohleralm, Sandwe­spenge­sang. — stop

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