von marienkäfern und wodka

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tango : 2.00 – Vor drei Wochen entdeckte ich in einem Münchener Anti­qua­riat ein schweres Notiz­buch DIN A3, in welches ein Mann, der für einige Monate in einem Berg­wald lebte, mit sehr kleinen Schrift­zei­chen Beob­ach­tungen, Erleb­nisse, Gedanken verzeich­nete. Es muss zur Sommer­zeit gewesen sein, das Jahr der Aufzeich­nungen wurde nicht vermerkt, auch nicht der volle Name des Mannes, nur sein Vorname, der war Ludwig. Das Doku­ment umfasst beinahe sieben­hun­dert Seiten, es scheint mehr­fach feucht geworden zu sein, da und dort sind zwischen den Blät­tern getrock­nete Wiesen­blumen zu finden, die mittels des Buch­ge­wichtes präpa­riert worden waren, auch habe ich mehrere Ameisen völlig leblos aufge­funden, sowie Mari­en­käfer, die den Anschein erweckten, als würden sie gerade noch versucht haben, auf und davon­zu­fliegen, als sie von einer Buch­seite, die umge­blät­tert wurde, gefangen genommen wurden. Was war es gewesen, das den Mann in den Wald lockte? Viel­leicht die Stille und das wunder­bare Licht der Höhe? An einem Julitag, es war der 5., folgender Eintrag: Höhe 1258 m. Kein Wind, keine Wolke am Himmel. Ich sitze und beob­achte Schafe, wie sie unter mir über eine Wiese spazieren. Wunder­bare Geräu­sche der kleinen Hals­glo­cken. Zum Wodka ist mir heute Morgen einge­fallen, dass Menschen exis­tieren, die Wodka bevor­zugt in Mine­ral­was­ser­fla­schen füllen. Es handelt sich hierbei um einen Vorgang der Verklei­dung oder des Verheim­li­chens. Der Wodka ist versteckt, obwohl er sichtbar ist. Das eigent­liche Versteck ist die Methode der Behaup­tung, etwas anderes zu sein. Ähnlich verhält es sich mit Mixturen, die übli­cher­weise an Arbeits­plätzen zur Anwen­dung kommen. Eine Ther­mos­kanne ist Aufent­haltsort einer guten Begrün­dung, diese Begrün­dung besteht aus der Flüs­sig­keit des Kaffees. In diese Begrün­dung ist das Eigent­liche, der Cognac, einge­wi­ckelt. – stop

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