holly – july 26

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ginkgo : 1.18 – Ein Herr, wie geträumt, sitzt auf einem Klapp­stuhl nahe der Bussta­tion Port Autho­rity in einem Subway­tunnel. Es ist kurz nach zehn Uhr abends. Der Mann voll­zieht auf einer Hammond­orgel Ohren­wurm­me­lo­dien ohne Pause. Weißes Haar, gelb­lich schim­mernd, grauer Anzug, blaues Hemd. Dürr springen seine Hände über die Tastatur, auf dem spie­gelnden Rücken des Instru­mentes tanzt eine elek­tri­sche Jazz­figur im schwarzen Anzug. Die kleine Perso­nen­ma­schine scheint defekt zu sein, hält immer wieder einmal an, bebt ein wenig nach, federt, fordert einen weckenden Stoß unver­züg­lich. Unweit, auf dem Boden, eine weitere Puppe, rotes Haar, lebensnah, durch­blutet, ein Bonsai­mäd­chen, dem zwei Finger der rechten Hand verloren sind. Geschmei­dige Bewe­gungen der hellen Arme in jede Himmels­rich­tung, grazil, leicht und rhyth­misch als verfügte sie über wirk­liche Ohren ihres hoch­be­tagten Freundes, dessen Kopf von wandernden Wirbel­kno­chen tief über die Tastatur gezwungen wird. Jede bäumende Bewe­gung, jeder Blick in den Raum, scheint aufs Äußerste schmerz­haft zu sein. Für Sekunden sind Augen eines jungen Menschen zu sehen, seltsam helle Augen. Eine elegant geklei­dete Frau kniet vor dem Klapp­stuhl auf dem Boden. Sie betrachtet den alten Mann von unten her, sie lacht, sie spricht.

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