kollibry

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echo : 5.55 – Im vergan­genen November verlegte ich eine Nach­richt, die mir per E-Mail zuge­stellt worden war. Vermut­lich hatte ich ihre Exis­tenz bereits nach wenigen Stunden vergessen, so dass ihr Sender vergeb­lich auf eine Antwort wartete. Heute Nacht habe ich sie glück­li­cher­weise wieder entdeckt. Es war damals etwas Bedeu­tendes geschehen. L. hatte ein Note­book geschenkt bekommen, das erste Note­book seines Lebens. Es war kein neues, es war ein gebrauchtes Gerät, aber noch in einem guten Zustand, kaum ein Kratzer am silber­grauen Gehäuse, seine Tasten funk­tio­nierten tadellos, und die Programme des Betriebs­sys­tems waren hervor­ra­gend sortiert. Ein ernstes Problem stellte aller­dings eine Buch­sta­ben­ma­schine dar, präzise die Korrek­tur­rou­tine eines Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramms, welches vom Vorbe­sitzer des Note­books Jahre lang intensiv verwendet worden sein musste. Das kleine Zusatz­pro­gramm ließ sich nicht ausschalten, was ange­nehm gewesen wäre. Zahl­reiche fehler­hafte Wörter waren in seine tiefen Spei­cher gewan­dert, und so webte das Programm, während L. mit seiner Hilfe notierte, Vorschläge in gerade eben entste­hende Texte, beispiels­weise anstatt des Wortes Kolibri das Wort Kollibry, was schließ­lich zu äußerst erstaun­li­chen Befunden führte. L. glaubte bald, sehr ernst­haft krank geworden zu sein. Er bat mich um Unter­stüt­zung, er wolle den Spei­cher der Wort­miss­bil­dungen unver­züg­lich ausra­dieren. – Es ist kurz vor drei Uhr. Vermut­lich komme ich mit meinen Hinweisen viel zu spät, das ist denkbar, sogar wahr­schein­lich, dass ich viel zu spät sein werde. Machen wir uns trotzdem sofort auf die Suche nach einer Lösung. Gewit­ter­stim­mung vor den Fens­tern, Fliegen, Blitze, aber kein Donner, viel­leicht eine Art Wetter­leuchten, gran­diose, aus dem Himmel stür­zende Bäume von Licht. – stop

polaroidglobus

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