im reservat der trinkerlemure

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hima­laya : 6.46 – Ich hörte, irgendwo auf dieser Welt soll eine Stadt exis­tieren, die über einen beson­deren Park verfügt, eine Natur­land­schaft, in welcher Trinker­le­mure exis­tieren, aber­tau­sende beinahe unsicht­bare Personen. Man kann sich das viel­leicht nicht vorstellen, ohne längere Zeit darüber nach­ge­dacht zu haben. Wälder und Wiesen, ein Fluss, da und dort ein Berg, nicht sehr hoch, Höhlen, Hütten, Schlaf­sackt­rauben, die von mäch­tigen Bäumen baumeln. Man könnte sagen, dass es sich bei diesem Park vermut­lich um ein Hotel oder ein Reservat handeln wird von enormen Ausmaßen, 15 Kilo­meter in der Breite, 20 Kilo­meter in der Länge. Das Areal ist umzäunt. Tore bieten Zugang im Westen, im Norden, im Osten, im Süden. Dort fahren Ambu­lanzen vor oder Kran­ken­wa­gen­busse, um schreck­liche Gestalten auszu­laden, die in den großen Städten der Welt aufge­sam­melt wurden, zerlumpte, eitrige, zitternde Wesen, sie spre­chen oder fluchen in Spra­chen, die wir nur ahnen, wenn wir uns Mühe geben, ihnen zuzu­hören, Englisch ist darunter, Russisch, Chine­sisch, Deutsch, Fran­zö­sisch, Spanisch, und viele weitere Spra­chen mehr. Sie haben meist eine weite Reise hinter sich, aber jetzt sind sie ange­kommen, Endsta­tion Sehn­sucht, Kran­ken­schwes­tern helfen, den letzten Weg zurück­zu­legen durch eines der Tore. Dann sind sie frei. Wir erkennen am Hori­zont eine Stra­ßen­bahn­hal­te­stelle. Sie liegt am Rande eines Waldes. Tatsäch­lich fahren dort ausran­gierte Züge der Stadt Lissabon im Kreis herum, es geht um nichts anderes, als dass man in diesen Zügen sitzen und trinken darf soviel man will. Aus polierten Hähnen strömt Whiskey. An jedem zweiten Baum ist ein Fäss­chen mit Likören oder Gin oder Wodka zu entde­cken. Es riecht sehr fest in dieser Land­schaft, gerade dann, wenn es warm ist, Bienen und Fliegen und Libellen torkeln über wunder­voll blühende Wiesen. Da und dort sitzen heitere Gruppen voll­trun­kener Männer und Frauen in der Idylle, sie erzählen von der Heimat oder von den Deli­rien, die man bereits über­lebt haben will. Manch einer weiss nicht mehr genau, wie sein Name gewesen sein könnte. Andere lehnen an Bäumen, klap­pe­rige Tote, die ungut riechen, arme Hunde. Aber wer noch lebt ist rasend vor Angst oder zufrieden, man kann sich überall hin zur Ruhe legen. In dem Flüss­chen, das ich bereits erwähnte, lagert flaschen­weise kühles Bier, es scheint sogar der Himmel nicht Wasser, sondern Wodka zu regnen, auch die Vögel alle sind betrunken. Aus einem Wald­ge­biet tritt eine zier­liche Frau, sie taumelt. Die Frau trägt einen Hut und ein langes weißes Kleid, so schreitet sie durch das hohe Gras, bückt sich nach den Blüten, es ist in der Zeit der Korn­blumen, dieses zauber­hafte Blau. Manchmal fällt die Frau um, sie ist dann eine Weile nicht zu sehen, aber dann erscheint ihr Hut zunächst und kurz darauf sie selbst. Jetzt steht sie ganz still, schau­kelt ein wenig hin und her, seit Stunden frage ich mich, um wen genau es sich handeln könnte. – stop

 

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