tod in peking 2

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india : 0.28 – Es ist noch nicht lange her, es war im Dezember gewesen, als ich einen Text notierte, der vom Tod eines Freundes erzählte. Ich hatte damals noch keine wirk­liche Erklä­rung, weswegen das Leben meines Freundes endete, aber eine Vermu­tung, eine Befürch­tung. Ich notierte so: “Ich war einmal dabei wie Teddy seine Kamera in den Park spazieren führte, an einem kalten, winter­li­chen Tag, es hatte geschneit. In den Händen des statt­li­chen runden Mannes sah der Foto­ap­parat, der einen Computer enthielt, klein aus, zerbrech­lich. Unent­wegt berich­tete sein stolzer Besitzer von den Möglich­keiten der Foto­grafie, die diese Kamera in Zukunft für ihn eröffnen würde. Es war eine Art Liebes­be­zie­hung, die ich damals beob­ach­tete, Teddy und seine kleine Licht­fang­ma­schine, wie er mit seinem dritten Auge den Schnee betas­tete, wie er mir erzählte, dass man Schnee eigent­lich nicht foto­gra­fieren könne. Das war vor vier oder fünf Jahren gewesen. Seither sind Teddy und seine Kamera weit herum gekommen in der Welt, vor allem reisten sie nach Peking, verbrachten dort mehrere Monate im Jahr, wanderten durch die große Stadt auf der Suche nach Augen­bli­cken, die Teddy sammelte. Es war ein Foto­gra­fieren wie ein Gespräch, auch ein Selbst­ge­spräch gegen die Verlo­ren­heit, gegen die Angst viel­leicht einmal wieder in den Alkohol zurück­zu­fallen, jedes Bild ein Beweis für die eigene Exis­tenz. Eine seiner Foto­gra­fien aus dem Sommer 2012 zeigt zwei Jungen, wie sie dem riesigen, runden Mann mit dem kleinen Foto­ap­parat begeg­neten. Der eine Junge scheint zu staunen, der andere will die rechte, seit­wärts ausge­streckte Hand des Foto­grafen berühren. Es ist eine typi­sche Foto­grafie, das Werk eines Künst­lers, der manchmal in Europa anrief, weil er sich einsam fühlte in irgend­einem Hotel der chine­si­schen Provinz bei Eis und Schnee. Auch in Peking hatte er Freunde, gute, wirk­liche Freunde, in seiner kleinen Wohnung dort wohnten eine junge Studentin und ihre Mutter. Vor wenigen Tagen erreichte mich nun die Nach­richt seines Todes, für den es zu diesem Zeit­punkt keine Erklä­rung gibt. Auf Face­book notierte er noch: Bitte beachte, dass ich prin­zi­piell keine Nach­richten schreibe oder beant­worte. Verwende bitte immer meine Mail-Adresse, um mich zu errei­chen. Per Mail bin ich stets zu errei­chen.” – Nun habe ich eben genau durch eine E-Mail erfahren, woran Teddy gestorben ist. Eine chine­si­sche Freundin Teddys schrieb: Hallo! Ich bin Li Bin. Erin­nerst du dich an mich, die gute chine­si­sche Freundin von Teddy. Es tut mir so Leid, dass Teddy am 22. November in Peking gestorben ist, weil er zu viel Alkohol getrunken hat. Als ich die Nach­richt gehört habe, fand ich mich sehr über­rascht. Eigent­lich hatte ich mich mit Teddy verab­redet, am 22. November nach Peking zu fahren und seine Foto­aus­stel­lung zu besu­chen. Aber noch vor der Abfahrt haben andere Freunde mich ange­rufen, dass Teddy schon gestorben ist. Soviel ich weiß, hat er nicht für lange Zeit Alkohol getrunken, aber sehr viel. Deswegen war er schon einmal im Kran­ken­haus in Peking. Damals war es schon sehr schlimm, trotzdem hat er nicht aufge­hört, zu trinken. Andere Freunde haben erzählt, er hatte früher die Krank­heit, die Abhän­gig­keit vom Alkohol. Aber Teddy hat mit mir das nie bespro­chen. So warten wir jetzt auf das Ergebnis der Polizei. – stop
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