Aus der Wörtersammlung: station

///

von den verkäufern der nachtbücher

pic

ulys­ses : 17.25 — Heu­te Nach­mit­tag woll­te ich ein Nacht­buch kau­fen. Ich spa­zier­te des­halb über die Zen­tral­sta­ti­on gegen 16 Uhr im Zitro­nen­licht mit mei­ner Film­ka­me­ra. Ich ging sehr lang­sam, schau­te über schat­ti­ge Bahn­stei­ge, schau­te genau dort­hin, wo die Ver­käu­fer der Nacht­bü­cher manch­mal sicht­bar wer­den. Man kann die Ver­käu­fer der Nacht­bü­cher immer nur dann erken­nen, wenn man an eine eige­ne Geschich­te denkt, an eine Geschich­te, die man einem ande­ren Men­schen erzäh­len könn­te, zum Bei­spiel, um die­sen Men­schen glück­lich zu machen oder um ihm die Zeit­not zu ver­trei­ben, wenn er nicht sofort glück­lich wer­den kann. Also dach­te ich an Bil­ly, den Ken­taur, wie er sich freu­te, weil er auf einem Raub­zug im Gebir­ge ein Tele­fon­ver­zeich­nis der Stadt Chi­ca­go fand, nahe eines rau­chen­den Jagd­fi­scher­la­gers. Ich muss­te dann nicht lan­ge wei­ter­ge­hen. Auf Bahn­steig 15 war gera­de ein Zug aus Ams­ter­dam ein­ge­trof­fen, dort saß auf einer Bank ein Nacht­buch­händ­ler und lach­te, als ich mich neben ihn setz­te. Bil­ly, sag­te er, Du denkst wie­der an Bil­ly. Das ist gut, mein Lie­ber, das wird eine fei­ne Geschich­te wer­den. Haben wir einen Wunsch? Und schon war er wie­der ver­schwun­den und ich spa­zier­te wei­ter und jetzt ist frü­her Abend und ich sit­ze auf mei­nem Sofa, ein Buch für die Nacht liegt neben mir, und war­te, dass es dun­kel wird, um die Geschich­te eines fer­nen Men­schen zu lesen, die mir die Zeit­not ver­trei­ben wird. Ich weiß jetzt, dass die Händ­ler der Nacht­bü­cher weder für eine Foto­gra­fie noch für einen Film zur Auf­zeich­nung geeig­net sind. Sie haben ihr ganz beson­de­res Licht.

ping

///

zebraspringspinne

pic

echo : 0.50 — Kurz nach Mit­ter­nacht. Gera­de eben entert mei­ne Zebra­spring­spin­ne den Tisch. Eigent­lich woll­te ich rasch eine klei­ne Geschich­te erzäh­len, von einem afri­ka­ni­schen Mann, dem ich regel­mä­ßig begeg­ne mor­gens vor der Zen­tral­sta­ti­on, einem Mann, der immer wie­der betrun­ken ist und immer wie­der nur einen Schuh trägt und eine selt­sa­me Spra­che spricht, eine Mix­tur aus fran­zö­si­schen, eng­li­schen, deut­schen und afri­ka­ni­schen Wör­tern. Aber jetzt sitzt die Spin­ne auf dem Tisch und der afri­ka­ni­sche Mann muss war­ten. Ich ahne bereits, wo mei­ne Spin­ne wohnt. Wie­der die Fra­ge, ob die­se Spin­ne die­sel­be Spin­ne ist, mit der ich den ver­gan­ge­nen Som­mer ver­brach­te? Wie groß wird die Spin­ne auf mei­nem Schreib­tisch ein­mal wer­den, wie lan­ge kann ich mit ihr noch befreun­det sein? Ob sie sich der Gefahr bewusst ist, in der sie sich befin­det? Was eigent­lich frisst die­se Spin­ne, die mei­ne Spin­ne ist, solan­ge sie nicht flieht? — Neun Uhr zwölf in Ran­gen, Bur­ma. — stop

ping



ping

ping