Aus der Wörtersammlung: gedicht

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hilde domin

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romeo : 22.02 — Atem­los eine Kame­raluft­rei­se der jun­gen Fil­me­ma­che­rin Anna Dit­ges beob­ach­tet. Zwei Jah­re lang film­te sie ihre Begeg­nun­gen mit Hil­de Domin. Als ich mei­ne Fern­seh­ma­schi­ne aus­schal­te­te, war ich voll Glück und Freu­de, und ich dach­te, dass ich mich ver­mut­lich ver­liebt habe, in den Film, in die jun­ge Fil­me­ma­che­rin, oder nein, ich glau­be, ich habe mich in Hil­de Domin ver­liebt. Und wie ich die­se Zei­len gera­de schrei­be, den­ke ich, dass Hil­de Domin, soll­te sie mir über die Schul­ter sehen, viel­leicht sagen wür­de: Aber das geht doch nicht, das ist unhöf­lich, so nah her­an­zu­kom­men. – Ich saß im Park am Nach­mit­tag, folg­te einer Spin­ne, die auf Buch­sei­ten turn­te und las in Hil­de Dom­ins Gedich­ten: Wer es könn­te / die Welt / hoch­wer­fen / dass der Wind / hin­durch­fährt. Ihre von der Zeit gezeich­ne­te Hand, die im Film genau die­se Zei­len mit einem Blei­stift auf ein Blatt notier­te. Wie sie sagt zur jun­gen Frau hin­ter der Kame­ra: Wir sehen uns ger­ne an, weil wir uns mögen. — stop

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juan goytisolo

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0.19 — Las im Zug Juan Goy­tiso­los Buch Das Manu­skript von Sara­je­vo. Als ich kurz die Augen von den Sei­ten neh­me, sehe ich in der Däm­me­rung eine Her­de bren­nen­der Kühe auf einer Wie­se ste­hen. — Wo ist Rado­van Karad­zic? Was hat er ges­tern Abend geges­sen? Was hat er getrun­ken? Was macht er in die­ser Minu­te? Schläft er oder schreibt er wie­der ein­mal ein Gedicht an ein Kind? Was für Schu­he trägt er in sei­nem Bett heu­te Nacht? Wer erin­nert sich an die­sen Mann? — stop

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helene hanff

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6.07 — Leich­ter Schnee­fall. Papier­licht. Las in Hele­ne Hanffs wun­der­vol­ler Brief­samm­lung 84, cha­ring cross road. Wie­der der 25. März 1950. New York. 14 East 95th St. — Frank Doel, was TUN Sie eigent­lich da drü­ben?? Sie tun gar NICHTS, Sie sit­zen nur HERUM! Wo bleibt Leigh Hunt? Und wo die Oxford Gedicht­an­tho­lo­gie? Wo bleibt die Vul­ga­ta und wo der lie­be ver­trot­tel­te John Hen­ry? All das wäre eine so net­te auf­bau­en­de Lek­tü­re für die Fas­ten­zeit gewe­sen … und Sie schi­cken mir abso­lut nichts! Sie las­sen mich hier sit­zen und lan­ge Rand­be­mer­kun­gen in Biblio­theks­bü­cher schrei­ben, die mir nicht gehö­ren. Eines Tages wird das her­aus­kom­men, und sie wer­den mir mei­nen Biblio­theks­aus­weis weg­neh­men. Ich habe mit dem Oster­ha­sen eine Abma­chung getrof­fen, Ihnen ein Ei zu brin­gen. Er wird her­über­kom­men und fest­stel­len, dass Sie in Untä­tig­keit ver­stor­ben sind. Für den nahen­den Früh­ling brau­che ich unbe­dingt einen Band mit Lie­bes­ge­dich­ten. Kei­nen Keats oder Shel­ley! Schi­cken Sie mir Dich­ter, die Lie­be machen kön­nen, ohne zu sab­bern – Wyatt oder Jon­son oder irgend­ei­nen ande­ren … den­ken Sie sich selbst etwas aus. Ein­fach ein schö­nes Buch, schmal genug, um in eine Anzug­ta­sche gesteckt und in den Cen­tral Park mit­ge­nom­men zu wer­den. Also, sit­zen Sie nicht her­um! Spü­ren Sie es auf! Es ist mir wirk­lich ein Rät­sel, wie die­ser Laden exis­tie­ren kann. — stop

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