sierra : 6.55 — Verlorene Namen aus heiterem Himmel. Stunden beunruhigender Nachrichtentelefone. Weiche, kühle Pulse, als sei Schnee auf Seele gefallen. — stop
Aus der Wörtersammlung: sierra
feuergarten
sierra : 22.05 — Träumte glimmende Feuerblumengärten warum?
=
sierra : 20.58 — s t i m m b a n d f l i m m e r n
verschwinden
sierra : 18.01 — Vor Kurzem, am frühen Abend genauer, ist mir eine merkwürdige Geschichte mit mir selbst passiert. Ich saß gerade vor dem Computerbildschirm und beobachtete, wie ein Server Zeile um Zeile meldete, welche Datei einer digitalen Arbeit gerade aus der lesbaren Welt in eine nicht lesbare Welt befördert wird, als ich bemerkte, dass mir das Löschen gefällt, dass auch das Verschwinden, Zeile für Zeile, reizvoll sein kann. Für einen kurzen Moment hatte ich die Idee, dass der Server, nachdem er meine Geschichte zu Ende gelöscht haben würde, auf mich selbst zugreifen könnte, also die Person des Autors zu sich holen und löschen, wie kurz zuvor die Gedankenarbeit zweier Tage. Womit, fragte ich, würde er beginnen? Mit einer meiner Hände eventuell, oder mit meinen Augen oder mit meinen Ohren? Wie würde sich dieses Verschwinden bemerkbar machen? Würde ich den Eindruck haben, leichter zu werden, oder würde ich vielleicht vergeblich nach einem Bleistift greifen, weil meine zupackende Hand lichtdurchlässig geworden ist? – stop
schlafhauszeit
sierra : 20.21 — Einmal nach einer Methode suchen, für einen Menschen, das heißt, anstelle eines anderen Menschen, schlafen zu können. Man würde fortan Traumzeit rangieren, man würde sagen, heute und morgen, während Du arbeitest, um fertig werden zu können mit Deiner Arbeit, weil Du fertig werden, sofort fertig werden musst, lege ich mich auf mein Sofa und schlafe vierundzwanzig Stunden für Dich und mich. Und kommende Woche dann, wenn ich nach Finnland reisen werde, wo’s im Sommer niemals dunkel wird, schläfst Du Tage oder Wochen anstatt meiner, weil im Herbst todsicher wieder viel wilde Arbeit über Dich herfallen wird. Vielleicht sollten einmal Schläfer existieren, Menschen, die schlafen, das könnte sein, Menschen, die vornehmlich schlafen, um sich ernähren zu können, sobald sie für kurze Zeit wach geworden sind, Schlafsäle vielleicht, oder Schlafwaben für Schläfer, wohltemperierte Träumergehäuse. Wie könnte geschlafene Zeit, die Wirkung dieser Zeit, gespeichert und von Kopf zu Kopf geschrieben sein? — stop
nachricht
sierra : 2.56 — Zu jeder Zeit, auch dann, wenn ich schlafe, habe ich etwas Licht in meinem Kopf. – stop
george ferry terminals tiefseeelefanten
sierra : 17.10 — Hatte einen Traum, eine Wahrnehmung, die mir lange Zeit, ich war längst erwacht, ein sehr wirklicher Raum gewesen zu sein schien. Dort, im Nachtzimmer, wartete ich an einem späten Abend in der zentralen Halle des Saint George Ferry Terminals auf das nächste Schiff nach Manhattan zurück. Ich wartete lange, ich wartete den halben Tag und eine halbe Nacht, begeistert vom Anblick einer Herde filigraner Tiefseeelefanten, die über den hellen, sandigen Boden eines Schauaquariums wanderten. Sie hatten ihre meterlangen Rüssel zur Wasseroberfläche hin ausgestreckt, suchten in der Seeluft herum und berührten einander in einer äußerst zärtlichen Art und Weise. Ein faszinierendes Geräusch war zu hören, sobald ich eines meiner Ohren an das warme Glas des Geheges legte. Dieses Geräusch nun sucht seit Stunden nach einem Wort für sich selbst, nach einem Zeichensatz, der vermutlich niemals existieren wird. — stop
hibiscilli
sierra : 20.24 — h i b i s c i l l i !
ground zero
sierra : 18.16 — Zwei Stunden Broadway südwärts bis Fultonstreet. Eine kleine Kirche, St Paul’s Chapel, Granitsteine, Gräber, ein Garten unter Bäumen. Ich kenne diesen Garten, diese Bäume, eine Fotografie genauer, die einen Staubgarten zeigt, Sekundenzeit entfernter Gegenwart, ein Bild, das im September 2001 aufgenommen wurde, am elften Tag des Monats kurz nach zehn Uhr vormittags. Hellgraue Landschaft, Papiere, größere und kleinere Teile, liegen herum, Akten, Scherben. Auch die Bäume vor der Kirche, helle Gestalten, als hätte es geschneit, eine feine Schicht reflektierender Kristalle, Spätsommereis, das an Wänden, Stämmen und an den Menschen haftet, die durch den Garten schreiten, träumende, schlafwandelnde, jenseitige Personen im Moment ihres Überlebens. Ein merkwürdiges Licht, beinern, nicht blau, nicht blühend wie am heutigen Tag um Jahre weitergekommen. Etwas fehlte in der Luft im Raum unter dem Himmel über Manhattan sehr plötzlich, war so fein geworden, dass es von flüchtenden Menschen eingeatmet wurde. Kaffeetassen. Treppenläufe. Hände. Feuerlöscher. Füße. Waschbecken. Nieren. Stühle. Schuhe. Computerbildschirme. Arme. Brüste. Kopfschalen. Radiogeräte. Bleistifte. Telefone. Ohren. Augen. Herzen. stop
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sierra : 20.14 — c o l t r a n e f e d e r