Aus der Wörtersammlung: körper

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winterkäfer

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14.10 — Habe über einen Win­ter­kä­fer nach­ge­dacht. Aber dann ist mir ein ganz ande­rer Käfer ein­ge­fal­len, ein Wesen, für das ich noch kei­nen Namen habe. Die­ser namen­lo­se Käfer soll­te ohne Aus­nah­me paar­wei­se erschei­nen, weich sein wie eine Schne­cke und von der Kör­per­tem­pe­ra­tur der Men­schen und genau­so groß, dass er sich in die Augen­höh­le eines Schla­fen­den ein­zu­schmie­gen ver­mag. Man möch­te nun mei­nen, der Käfer wür­de sich mit sei­ner Wir­kung als Nacht­schirm begnü­gen, statt­des­sen wird er ein wenig flie­ßen und da er in die­ser Wei­se in Bewe­gung ist, sehr ent­span­nen­de Polar­licht­spie­le von mil­der, beru­hi­gen­der Lumi­nes­zenz erzeu­gen. — Wäh­rend ich die­se Zei­len über­tra­ge, die Nach­richt, dass Bena­zir Bhut­to von einem Selbst­mord­at­ten­tä­ter getö­tet wor­den sein soll. — stop

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nadine gordimer

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10.15 — Lek­tü­re der Erzäh­lung Some­thing out The­re von Nadi­ne Gor­di­mer auf­ge­nom­men. Sofort der Wunsch, in der Elek­tro­sphä­re nach einer Foto­gra­fie des Kari­ba­see zu suchen, weil Mrs. Gor­di­mer vom künst­li­chen Gewäs­ser in der Savan­nen­land­schaft erzählt, von Ele­fan­ten gleich­wohl, die sich in sei­ne Flu­ten stürz­ten, um uralten Wan­der­rou­ten zu fol­gen. — Was haben die ertrin­ken­den Tie­re dort unter dem Was­ser­spie­gel gese­hen? — Wovon haben sie gehört in ihrer letz­ten Lebens­se­kun­de? — Ich lese von der Tie­fe des Sees, von Fischen, die in ihm leben sol­len, von der Luft­feuch­tig­keit und vom Gewicht der Ele­fan­ten­kör­per, von der Bio­dich­te ihrer Kör­per und von Kul­tu­ren in See­nä­he sie­deln­der Men­schen. Und wäh­rend ich so vor mich hin lese, von Sei­te zu Sei­te, von Link zu Link, ver­geht eine Stun­de Zeit. Plötz­lich erin­ne­re ich mich an Nadi­ne Gor­di­mer und ihr Buch und setz­te mei­ne Lek­tü­re fort. — stop

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trompetenkäfer

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2.25 — Fol­gen­des. Ein Trom­pe­ten­kä­fer ist in der Mit­te, zwi­schen Kopf und Brust auf der einen, und sei­nem gepan­zer­ten Ende auf der ande­ren Sei­te, mehr­fach gefal­tet. Das sind Fal­ten einer Haut, die sofort an sehr fei­nes Rep­ti­li­en­le­der erin­nert. Sobald nun der Käfer einen Ton zu erzeu­gen wünscht, schrei­tet er mit Kopf und Brust vor­an, wäh­rend er sich mit sei­nen Hin­ter­bei­nen gegen die Lauf­rich­tung stemmt, sodass sich bei­de Seg­men­te rasch von­ein­an­der ent­fer­nen und einen Raum eröff­nen, der jene Luft mit Leder umman­telt, die durch Mund oder Kie­men in den Käfer­kör­per bereits vor­ge­drun­gen ist. Im Moment sei­ner größ­ten Ent­fal­tung wird der Käfer sei­ne Bewe­gung kurz unter­bre­chen, und wäh­rend sich nun die Bei­ne sei­nes Brust­seg­men­tes in den Boden schla­gen, arbei­ten sich die hin­te­ren Läu­fe solan­ge vor­an, bis wie­der alles schön gefal­tet ist in der Mit­te und alle Luft geräusch­voll am Mund­stück wie­der aus­ge­tre­ten. – Mil­de Luft heut Nacht. — stop

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libelle

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17.57 — Eine Libel­le, die dicht über der Was­ser­ober­flä­che nach Flie­gen jagt. Höre das Brum­men ihrer Flü­gel. Ein kraft­vol­les Geräusch. Eines die­ser Geräu­sche, die man mit dem Bauch zu hören meint, als wären dort gehei­me Ohren für Libel­len­ge­räu­sche ange­bracht. In die­sem Moment nun, die Libel­le schwebt fast bewe­gungs­los vor mir in der Luft, der Gedan­ke, man soll­te win­zi­ge Gene­ra­to­ren auf den Rücken der Libel­len ver­schal­ten, genau dort, wo die Mecha­nik des Flu­ges aus ihrer Brust ent­steht. — Das schö­ne Licht der Dioden über den Som­mer­seen. — Exis­tie­ren viel­leicht heim­li­che Struk­tu­ren in mei­nem Kör­per, die nicht bereits mit einem grie­chi­schen oder latei­ni­schen Namen bezeich­net sind? — stop

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marco polo

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3.15 — Ich kann mir auf der Stel­le ein flug­taug­li­ches Wesen den­ken, das von einer leuch­tend roten Kör­per­far­be ist und über Augen ver­fügt, die auf Tür­men sit­zen. Statt Anten­nen wach­sen ihm Sche­ren aus dem Kopf, statt Was­ser bewohnt es Bäu­me, statt von Vögeln wird es von Men­schen gefres­sen. Wes­halb fas­zi­nie­ren mich Hum­mer? War­um fürch­te ich Krab­ben? — stop

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djuna barnes

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18.13 — Wes­halb träu­me ich nur sel­ten, und wenn, dann hei­te­re Geschich­ten vom Zer­glie­dern mensch­li­cher Kör­per? Ges­tern bei­spiels­wei­se kam der schö­ne Kopf einer Freun­din auf acht win­zi­gen Füßen über den Boden mei­nes Arbeits­zim­mers spa­ziert. Sie rezi­tier­te in rasen­der Geschwin­dig­keit einen Text Dju­na Bar­nes mit lach­gas­hel­ler Stim­me. — Nichts ist noch selbst­ver­ständ­lich. — stop

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