Aus der Wörtersammlung: marimba

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vom walfischorchester

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india : 20.33 UTC — Manch­mal erfin­de ich eine Geschich­te. Kurz dar­auf ver­ges­se ich die Geschich­te oder ver­lie­re sie wie­der aus den Augen. Wenn ich die Geschich­te nach Wochen oder Jah­ren wie­der bemer­ke, scheint sie zu einer wirk­li­chen Geschich­te gewor­den zu sein, das ist selt­sam. Auch weil Geschich­ten, die ein­mal erfun­den wor­den sind, sich Lebe­we­sen ähn­lich ver­hal­ten, sie machen sich immer wie­der bemerk­bar, wie die Geschich­te von Lou­is Kekkola’s Eis­buch Das Wal­fisch­or­ches­ter. Es war damals kurz nach vier Uhr gewe­sen, Däm­me­rung. Ich trug Hand­schu­he. Ich schal­te­te mein Ton­band­ge­rät an und sprach lei­se, in dem ich das zer­brech­li­che Buch­we­sen in Hän­den hielt. Kaum war eine Sei­te des Buches von mei­nen Augen abge­tas­tet, schloss ich den Kühl­schrank, ging in der Woh­nung spa­zie­ren und ließ mir alles, was ich gele­sen hat­te, durch den Kopf gehen. Dann keh­rte ich zurück und las mit damp­fen­dem Atem vor dem Kühl­schrank sit­zend wei­ter. Es war die nächs­te Sei­te, die ich vor­sich­tig unter mei­ne Augen­lu­pe nahm, auch sie war sehr ver­traut, sie war wie erlebt, ver­mut­lich des­halb, weil ich sie erin­nern konn­te. Manch­mal muss nur eine Nacht ver­ge­hen, manch­mal ein Jahr. — stop

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nahe uummannaq

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marim­ba : 16.11 UTC — Ges­tern ist mir etwas Lus­ti­ges mit mir selbst pas­siert. Ich stell­te mir vor, wie es wäre, wenn ein Eis­bär vor mir ste­hen wür­de. Der vor­ge­stell­te Eis­bär soll­te ein ernst zu neh­men­der Eis­bär sein, unge­fähr drei Meter in der Höhe, sofern er sich auf sei­ne Hin­ter­bei­ne stellt. Ich stand also in mei­nem Zim­mer und über­leg­te, wie es wäre, wenn ein Eis­bär vor mir ste­hen wür­de, der gera­de noch unter mei­ner Zim­mer­de­cke Platz fin­den wür­de. Plötz­lich saß ich auf dem Boden und fand die­se Hal­tung ange­sichts eines Polar­bä­ren in mei­nem Zim­mer sehr ange­mes­sen. Kurz dar­auf wur­de ich gefres­sen. Ich mei­ne mich erin­nern zu kön­nen, der Bär begann mit der Schul­ter, mei­ner rech­ten. — stop

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ilulissat

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india : 14.08 UTC — Eine alte Dame spa­ziert durch den Pal­men­gar­ten. Sie spa­ziert bereits seit fünf Tagen durch den Pal­men­gar­ten. Auch in der Stadt, in der sie seit vie­len Jahr­zehn­ten wohnt, exis­tiert ein Pal­men­gar­ten, der viel grö­ßer ist, als der Pal­men­gar­ten jener Stadt, in die sie reis­te, um spa­zie­ren zu gehen. Es muss prä­zi­se die­ser Pal­men­gar­ten sein, weil sie ihn von ihrer Kind­heit kennt. Sie ist noch gut zu Fuß, aber sie geht lang­sam, sie will etwas fin­den, das mit die­sem Pal­men­gar­ten ver­bun­den ist, eine Erin­ne­rung. Die­sen Teich gab esnicht, sagt sie, aber die­sen Berg von Stei­nen, den will sie ken­nen. Auch an das Café­ am Süd­aus­gang erin­nert sie sich. Und die­se Gink­go­bäu­me gab es damals auch schon, da hat sie Blät­ter gesam­melt, um sie zu trock­nen und auf Kar­ten zu kle­ben. Nein, sie habe noch nicht gefun­den, was sie sucht, sie weiß aber ganz sicher, dass sie es hier fin­den wird, es ist ja schon da in mei­nem alten Kopf, ich muss nur dar­auf kom­men, das geht nur hier. Und wenn sie gefun­den habe, was sie hier such­te? Dann rei­se sie wei­ter nach Ilu­lis­sat, da war ich auch schon, immer schön der Rei­he nach, aber nicht im Win­ter, im Win­ter fah­re ich an die Nord­see. Jetzt geht sie wei­ter. Es ist Mai, Mitt­woch, kurz nach drei Uhr. — stop

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auf dem fjord

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marim­ba : 6.15 UTC — Ich träum­te Ele­fan­ten, wie sie über Eis wan­der­ten, eine Rei­he von Ele­fan­ten, die ein­an­der folg­ten, ein Ele­fant hielt einen wei­te­ren Ele­fan­ten an sei­nem Schwanz fest, und so schrit­ten sie gemäch­lich über das Eis eines Fjor­des, waren zier­lich in ihrer Erschei­nung vor der Sil­hou­et­te eines rie­si­gen auf dem Eis lie­gen­den Wales. Sie leuch­te­ten in Blau und Rot, ein unge­heu­er schö­nes Bild, ein Mann ging vor ihnen her, schien sie zu füh­ren, kein Laut, aber das Knis­tern und Grol­len des Eises. — stop
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fingertiere

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marim­ba : 20.56 UTC — Wie nur nennt man die­se Ver­rückt­heit, dass einer gern Bücher auf einer Schreib­ma­schi­ne tippt, anstatt sie zu lesen, wie einen, der nur lesen kann, was er auch schreibt mit den Hän­den? — Wenn ich das Wort Schreib­ma­schi­ne höre, den­ke ich an Lebe­we­sen mei­ner Kind­heit, an Krea­tu­ren mit Wal­ze und Tas­ten, die merk­wür­di­ge Geräu­sche erzeug­ten, sobald man sie beweg­te. Was waren das damals doch für Unge­tü­me, Knöp­fe auf Stel­zen, so groß, dass sie von mei­nen klei­nen Fin­gern kaum bewegt wer­den konn­ten. Hoch oben auf einem Tisch­chen ruh­te die Schreib­ma­schi­ne, manch­mal war sie ver­bor­gen unter einer Hau­be, dann wie­der klap­per­te sie. Mut­ter saß am Tisch und tipp­te vor sich hin. Bis­wei­len setz­te sie mich auf ihren Schoß und ich sah ihren Fin­gern zu, wie sie sich beweg­ten, indes­sen Mut­ter mit mir sprach oder dem Radio zuhör­te. Ich glaub­te manch­mal in den Bewe­gun­gen ihrer Hän­de, etwas Frei­es, Unab­hän­gi­ges zu sehen, als wären die Hän­de mei­ner Mut­ter eigen­sin­ni­ge Lebe­we­sen. — stop

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nazil

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marim­ba : 0.08 UTC – Nazil, die heu­te 82 Jah­re alt wur­de, erzähl­te, wie sie an einem Roman schrieb im Kopf, wäh­rend sie tage­lang durch Kal­kut­ta streif­te. Alles habe damit begon­nen, sag­te sie, dass in einem Rei­se­bü­ro sich ein Mann plötz­lich ent­fal­te­te vor Begeis­te­rung, nach­dem er gehört hat­te, er sol­le eine Rei­se nach Kal­kut­ta recher­chie­ren. Zu die­sem Zeit­punkt habe sie selbst noch nicht wirk­lich vor­ge­habt, nach Kal­kut­ta zu flie­gen. Sie habe aller­dings, zwei Jah­re vor ihrem Besuch eines Rei­se­bü­ros, eine Brief­son­de an eine erfun­de­ne, das heißt, nicht wirk­lich exis­tie­ren­de Per­son in Kal­kut­ta geschrie­ben. Eini­ge Wochen spä­ter sei eine Ant­wort von eben jener erfun­de­nen Per­son zurück­ge­kom­men. Wirk­lich sehr selt­sam, sag­te Nazil, die heu­te 82 Jah­re alt gewor­den ist. – stop

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denkbar

pic

marim­ba : 22.45 — Wenn einer schreibt in sei­ner Wut, dass er den ein oder ande­ren Men­schen ger­ne ver­trei­ben oder schla­gen oder pfäh­len wür­de, wür­de er in der Wirk­lich­keit jen­seits der Com­pu­ter­schreib­ma­schi­ne vor sei­nem Haus nicht sofort tun, was er beschrieb. Aber viel­leicht, wenn vie­le Men­schen schrei­ben, dass sie den ein oder ande­ren Men­schen ger­ne ver­trei­ben oder schla­gen oder pfäh­len wür­den, und er das liest und sich selbst wie­der­holt, wird er sich viel­leicht bald stau­nend bei der Pfäh­lung eines Men­schen beob­ach­ten, einer Hand­lung, die ihm kurz dar­auf schon selbst­ver­ständ­lich und rich­tig vor­kom­men wird. Das ist denk­bar. — stop

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malimali

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marim­ba : 22.32 UTC — Oder so: Zunächst Flüs­ter­wör­ter, dann Lip­pen­wör­ter. Ob Augen­wör­ter exis­tie­ren? Das sind viel­leicht Wör­ter, die sich in Gedan­ken for­mu­lie­ren, wenn man in die Augen eines Men­schen schaut, der nicht mehr spricht, weil er nicht mehr spre­chen kann. In die­sem Sin­ne sind Augen­wör­ter denk­bar. Wie Über­set­zun­gen. Oder Rada­re, ping. — Ich hör­te einen schö­nen Namen an die­sem Tag unter­wegs: Mali­ma­li. Jetzt ist Abend. Schau aus dem Fens­ter und denk noch, da flie­gen Vögel her­um und Bie­nen, obwohl schon Dun­kel gewor­den ist. Dass sie also doch exis­tie­ren, die Nacht­bie­nen. — stop



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