wörter

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2.02 UTC : Alle Wör­ter, sobald ich sie in Gedanken anhalte, um sie Zeichen für Zeichen zu wieder­holen, wer­den zu einem Geräusch. – stop

ping

datenspeicher

1

0.10 — Ein Daten­spe­ich­er, in dem alle je von Men­schen­hand geschriebe­nen Zeichen­sätze ver­sam­melt sind. Meine Schreib­mas­chine kön­nte mit diesem frei schweben­den Gedächt­nis ver­bun­den sein, und während ich nun notiere, würde unverzüglich angezeigt, ob der ger­ade eingegebene Satz bere­its ein­mal aufgeschrieben wurde oder nicht. — stop

pagoda

6 uhr 2

9

0.55 — Ameisen, W a n d e r a m e i s e n, näh­ern sich. — Ein gut sicht­bares Geräusch. — stop

ping

fünf finger

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0.27 — Fünf Fin­ger. Hand für Hand fünf Fin­ger. Immer wieder erstaunlich. Ger­ade eben habe ich an meinen recht­en Zeigefin­ger gedacht. Ich habe in meinem Kopf gesagt : Bewege Dich! Und der Zeigefin­ger bewegte sich. — Diese Hand auf dem Tisch ist meine Hand. — Das Geräusch meines Atems : selt­same Sprache. — stop

ping

schallplatte

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8.05 — Nehmen wir ein­mal an, ich kön­nte die Geschwindigkeit meines Sprechens für einen Tag meines Lebens bes­tim­men, etwa so, als würde ich die Drehgeschwindigkeit ein­er Schallplat­te durch das Umle­gen eines Hebels vari­ieren. Würde ich mich beschle­u­ni­gen oder würde ich mich brem­sen? — stop

ping

büchermenschen

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15.02 — Ich hörte mich von Bücher­men­schen erzählen, von Bücher­men­schen, jawohl. Das sind Per­so­n­en, die selb­st dann noch lesen, wenn sie spazieren gehen. Wenn sie ein­mal nicht spazieren gehen, sitzen sie studierend auf Bänken in Park­land­schaften herum, in Cafés oder in ein­er Unter­grund­bahn. Dort, aus heit­erem Him­mel ange­sprochen, wenn man sich nach ihrem Namen erkundigte, wür­den sie erschreck­en und sie wür­den vielle­icht sagen, ohne den Kopf von der Zeichen­lin­ie zu heben, ich heiße Anna oder Vic­tor, obwohl sie doch ganz anders heißen. Wenn man sie fragte, wo sie sich ger­ade befind­en, wür­den sie behaupten, in Petusch­ki oder in Brook­lyn oder in Kairo oder auf einem Amzonas­re­gen­wald­fluss. — Heute habe ich mir gedacht, man sollte für diese Men­schen eine eigene Stadt erricht­en, eine Metro­pole, die allein für lesend durch das Leben reisende Men­schen gemacht sein wird. Man kön­nte natür­lich sagen, wir bauen keine neue Stadt, son­dern wir nehmen eine bere­its existierende Stadt, die geeignet ist, und machen daraus eine ganz andere Stadt, eine Stadt zunächst nur zur Probe. In dieser Stadt lesender Men­schen sind Bib­lio­theken zu find­en wie Blu­men auf ein­er Wiese. Da sind also große Bib­lio­theken, und etwas kleinere, die haben die Größe eines Kiosks und sind geöffnet bei Tag und bei Nacht. Man kön­nte dort sehr kost­bare Büch­er entlei­hen, sagen wir, für eine Stunde oder zwei. Dann macht man sich auf den Weg durch die Stadt. Während man geht, wird gele­sen. Das ist sehr gesund in dieser Art so in Bewe­gung. Auf alle Straßen, die man passieren wird, sind Lin­ien aufge­tra­gen, Streck­en, die lesende Men­schen durch die Stadt geleit­en. Da sind also die gel­ben Kreise der Stun­den-, und da sind die roten Lin­ien der Minutengeschicht­en. Blau sind die Streck­en mächtiger Büch­er, die schw­er sind von fein­sten Papieren. Sie führen weit aufs Land hin­aus bis in die Wälder, wo man ungestört auf sehr beque­men Pinien­bäu­men sitzen und schlafen kann. In dieser Stadt lesender Men­schen haben Auto­mo­bile, sobald ein lesender Men­sch sich nähert, den Vor­tritt zu geben, und alles ist sehr schön zauber­haft beleuchtet von einem Licht, das aus dem Boden kommt. — stop

ping

engelwerkstatt

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18.52 — Engel­w­erk­statt [ Blau­pause No 7752 ] : Die Engel der Nilpferde, nur so zum Beispiel, manch­mal kann man sie sehen in den Winden, die das Gras der Step­pen durch­we­hen. — stop

ping

sekundengeschöpfe

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20.14 — Im Haus sind alle Fernse­hgeräte aus­geschal­tet. Eine beina­he geräuschlose Welt. Da ist eine indis­che Frau in meinem Kopf, wie sie vor dem Meer ste­hend nach ihren Kindern ruft. Eine lange Zeit ist das her, das Meer, und diese Frau. Ich scanne uralte Fotografien der Stadt Paris : Steine : Met­alle : Wolken : Män­tel : schwarz und weiß und grau. Das sum­mende Geräusch der Mas­chine, sobald Fotografien aus der Welt des Cel­lu­loids in die Welt der dig­i­tal­en Spe­icherung wan­dern. Ein Mann, der in der geöffneten Tür eines Metrowag­gons unter Artgenossen ste­ht. Eine junge Frau. Der indis­che Ozean. Sie kni­et jet­zt. Sekun­dengeschöpfe. — stop

metro

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