Aus der Wörtersammlung: erfindung

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feuerkäfer

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hima­la­ya : 15.01 — Mit Freu­de an der Ent­de­ckung, an der Erfin­dung leuch­ten­der Wör­ter : Pini­en­syn­ap­se Bobol­i­no Lamel­le­ni­ris Tim­buk­tu Posau­ne Pata­go­ni­en metro­po­li­tan Kirsch­was­ser Kolo­ni­al­wa­ren­la­den Unter­was­ser­pan­ther Kamel Kara­wa­ne Zünd­holz Lumum­ba Got­tes­an­be­te­rin Kak­tee­nor­ches­ter Fla­neur Neu­fund­land Pene­lo­pe Stam­pe­ria Ohr­fei­ge Schi­rok­ko Him­mels­lei­ter Hibis­kus Sand­sturm Ohren­kuss Papier­licht Nas­horn­vo­gel Ping­pong luxie­ren Sala­man­der Depe­sche Engels­zun­ge Pyra­mi­den­bahn Glüh­bir­ne Suma­tra Madras Sema­pho­ring Cen­tral­sta­ti­on Feu­er­kä­fer Laby­rinth Nacht­haus Ölträ­ne Schnee­spin­ne Holo­lo­lun­der : silen­zio. — Sonn­tag. Leich­ter Regen. Wie ver­dammt gut die Luft heut riecht. — stop

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top secret

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india : 2.15 — Wie eigen­ar­tig, dass wir Men­schen seit Jahr­tau­sen­den bereits unse­ren Erfin­dun­gen nicht gewach­sen sind. Es ist die Geschwin­dig­keit der Gegen­stän­de einer­seits, die Lang­sam­keit der Men­schen ander­seits, die töten. Und Mord­lust. Und Ein­sam­keit, Ver­zweif­lung, Wut, Irr­sinn, Spiel­trieb, Gier. — stop

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que sera, sera, whatever will be, will be …

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tan­go : 8.52 — Immer schon hab ich geträumt. Als Jun­ge saß ich auf Bäu­men, mein­te, hoch auf einem Schiff zu schau­keln, bis ich bemerk­te, dass die Zeit der Phy­sik­stun­de bereits hin­ter mir lag. Dann war ich Astro­naut oder Tau­cher, ich träum­te Glüh­bir­nen, wie man sie macht, war ein Ent­de­cker in luf­ti­gen Räu­men. Eines Tages begann ich, mei­ne Träu­me auf­zu­zeich­nen, um sie fort­set­zen zu kön­nen. Nun hat­te das Träu­men etwas mit Erfin­dung zu tun, weil die geträum­te Zeit und ihre Geschich­ten der wirk­li­chen Welt ein­ge­schrie­ben, ja ein­ver­leibt wer­den konn­ten, einer Welt auf dem Papier, wo sie sich behaup­ten soll­ten. Von die­sem Moment an sam­mel­te ich Träu­me, Ent­de­ckun­gen, Nacht­zep­pe­li­ne, konn­te zei­gen, was ich erfand, konn­te tei­len mit ande­ren Men­schen, eine span­nen­de Auf­ga­be, nie ist mir seit­her lang­wei­lig gewor­den. Oft steh’ ich mor­gens in mei­nem Zim­mer und schon wird geträumt, noch wäh­rend ich mich wasche begin­ne ich mei­ne Arbeit, suche, bin auf­merk­sam, lau­sche. Ja, ich arbei­te, wenn ich lau­sche, wenn ich träu­me, ohne zu schla­fen. Manch­mal träu­me ich auf der Stra­ße, wäh­rend ich spa­zie­re, das ist natür­lich sehr gefähr­lich, weil ich Ampeln ver­ges­se, weil ich mich ver­lau­fe oder in ver­kehr­te Stra­ßen­bah­nen stei­ge. Ges­tern Nach­mit­tag beleuch­te­te ich einen Frosch, der die mensch­li­che Spra­che zu imi­tie­ren ver­mag. Zwei Stun­den lang arbei­te­te ich, ging Ein­kau­fen, fort­wäh­rend träu­mend, erfin­dend, küm­mer­te mich in der Küche um eine Enten­brust, ein­mal tele­fo­nier­te ich, ohne je mei­ne Gedan­ken an den klei­nen, spre­chen­den Frosch auf­zu­ge­ben. Ein Geschenk die­ses Erzäh­len, die­se Art und Wei­se zu leben, gera­de in schwie­ri­gen Zei­ten. — stop

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particlesmaschine

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5.48 — Die Beob­ach­tung, dass ich in der Par­tic­les­ma­schi­ne ver­geb­lich mit der Mou­se ein­zu­fan­gen ver­such­te, was ich kurz zuvor noch durch einen Code in Bewe­gung gesetzt hat­te. Sofort ein Gefühl von Hei­ter­keit. Ich könn­te viel­leicht sagen, dass die­se Beob­ach­tung des Schei­terns an Objek­ten, die ich selbst geschaf­fen habe, grund­sätz­lich zu tun haben könn­te mit der suchen­den Bewe­gung schrei­ben­der Men­schen. Da schwebt zum Bei­spiel Ken­taur Bil­ly vor Neu­fund­land 70 Meter tief unter dem Mee­res­spie­gel. Eine Erfin­dung. Eine Erfin­dung, die zunächst eine Ent­de­ckung gewe­sen ist, die Wahr­neh­mung einer uralten, einer neu­ro­lo­gisch fest geschal­te­ten Form, die unver­züg­lich, blitz­ar­tig, wei­ter gefal­tet wur­de, ein Modell wenig spä­ter mit Rob­ben­fell an der ein oder ande­ren Kör­per­stel­le, einem schö­nen Men­schen­kopf, der Heck­flos­se eines Wal­es und ana­to­misch klan­des­ti­nen Ver­dau­ungs­or­ga­nen eines Pfer­des. Sobald die­ses Wesen vor mir schweb­te und sprach, war es nie wie­der ein­zu­ho­len, weil es in der Sekun­de sei­ner Ent­de­ckung, in jener ers­ten Sekun­de sei­ner Exis­tenz, sich sofort in eine jener Sub­stan­zen ver­wan­del­te, die nur unvoll­kom­men in einen erzäh­len­den Text zu trans­por­tie­ren sind, weil die­ser tau­chen­de Ken­taur wie alle ande­ren Wesen höchst fei­nen Gesang aus 1 Tril­li­ar­de Zif­fern erwar­tet. — 12.58 in Tibet. Lha­sa. — stop

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popcorn

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22.38 — Die Vor­stel­lung, man könn­te ein­mal Käfer in Tüten kau­fen, so wie man Pop­corn in Tüten kau­fen kann. Käfer in grü­nen Pan­zern, die nach Pis­ta­zi­en schme­cken, und Käfer in roten Pan­zern, sie schme­cken nach Johan­nis­bee­ren, und Käfer in gel­ben Pan­zern, sie schme­cken nach Melis­se. Sobald man eine Tüte öff­net, flie­gen sie los. Sie sau­sen ein paar Run­den durch die Luft, ver­dre­hen einem den Kopf, um sich unver­züg­lich in jeden Mund zu stür­zen, der sich vor ihnen öff­net. Dort dann zer­plat­zen sie mit einem zar­ten Geräusch in einem voll­ende­ten Aro­mas­tern. — Wong Kar-Wai’s wun­der­ba­rer Nacht­vo­gel ohne Füße, der nie­mals lan­det. — stop

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trompetenkäfer

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2.25 — Fol­gen­des. Ein Trom­pe­ten­kä­fer ist in der Mit­te, zwi­schen Kopf und Brust auf der einen, und sei­nem gepan­zer­ten Ende auf der ande­ren Sei­te, mehr­fach gefal­tet. Das sind Fal­ten einer Haut, die sofort an sehr fei­nes Rep­ti­li­en­le­der erin­nert. Sobald nun der Käfer einen Ton zu erzeu­gen wünscht, schrei­tet er mit Kopf und Brust vor­an, wäh­rend er sich mit sei­nen Hin­ter­bei­nen gegen die Lauf­rich­tung stemmt, sodass sich bei­de Seg­men­te rasch von­ein­an­der ent­fer­nen und einen Raum eröff­nen, der jene Luft mit Leder umman­telt, die durch Mund oder Kie­men in den Käfer­kör­per bereits vor­ge­drun­gen ist. Im Moment sei­ner größ­ten Ent­fal­tung wird der Käfer sei­ne Bewe­gung kurz unter­bre­chen, und wäh­rend sich nun die Bei­ne sei­nes Brust­seg­men­tes in den Boden schla­gen, arbei­ten sich die hin­te­ren Läu­fe solan­ge vor­an, bis wie­der alles schön gefal­tet ist in der Mit­te und alle Luft geräusch­voll am Mund­stück wie­der aus­ge­tre­ten. – Mil­de Luft heut Nacht. — stop

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