Aus der Wörtersammlung: fenster

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ludwig wittgenstein

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5.27 — Bemer­ke immer wie­der, dass ich nicht spü­ren kann, wo genau im Kopf ich den­ke. Da sind durch Wor­te gehemm­te [ Lud­wig Witt­gen­stein ] Gedan­ken, prä­zi­se ver­nehm­ba­re Geräu­sche, die in blau­en, in roten, in gel­ben Farb­tö­nen erschei­nen. – Ein­mal CNN. | stop | Nacht­fern­se­hen. | stop | New Orleans. | stop | Alte Men­schen, die aus Fens­tern, von Bal­ko­nen ihrer Woh­nun­gen her in Boo­te stei­gen. | stop | Jun­ge Män­ner in Uni­for­men der Natio­nal­gar­de, die ihnen die Hän­de rei­chen. | stop | Ges­ten, als wären sie Gon­do­lie­re. | stop | Das Gesicht eines Man­nes, — erschöpft, leer, aus­ge­zehrt, geschlos­sen. | stop | Ja, ein geschlos­se­nes, licht­lo­ses Gesicht. | stop | Nichts mehr darf hin­ein. | stop | Nichts kann her­aus. | stop | Viel­leicht die Ahnung, dass er nicht wie­der zurück­keh­ren wird? | stop | Viel­leicht reicht mein Blick, mein Kame­ra­blick, nicht aus­rei­chend tief in die Woh­nung? | stop | Ich könn­te ein Ohr fest auf den Boden legen und dem Meer lau­schen, wie es in der Woh­nung unter mei­ner Woh­nung mit den Möbeln spielt. | stop | In Schif­fen, in Städ­ten, auf Bäu­men woh­nen arme Men­schen tief oder an stei­len Erd­se­gel­hän­gen. | stop |

ping

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eliza

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0.18 – Ich stell­te mir eine Minu­te vor. Dann stell­te ich mir eine Stun­de vor, dann einen Tag. Ich stand auf und ging von Zim­mer zu Zim­mer. Ich aß eine Bana­ne, sah aus dem Fens­ter, set­ze mich an den Schreib­tisch und stell­te mir eine Woche vor, dann einen Monat, dann ein Jahr. Ich stand auf, ging zur Com­pu­ter­ma­schi­ne und frag­te Eli­za nach der Uhr­zeit. Ich sah aus dem Fens­ter, ver­ließ das Haus, spa­zier­te, kam zurück und mach­te einen Plan. – Ist es mög­lich, einen Zeit­raum von 5022 Jah­ren zu den­ken, das heißt, ein Gefühl zu fin­den für eine bibli­sche Zeit­di­men­si­on?
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Eli­za:> hal­lo, ich bin eli­za. erzäh­le mir von dei­nem pro­blem…
Lou­is : wie viel uhr ist es, eli­za?
Eli­za:> das müs­sen wir her­aus­fin­den.
Lou­is : wie machen wir das?
Eli­za:> das wird sich zei­gen.
Lou­is : sofort?
Eli­za:> du weichst aus.
Lou­is : war­um?
Eli­za:> Ich sehe, du bist ein schwie­ri­ger fall.
Lou­is : war­um?
Eli­za:> scherz bei­sei­te, kom­men wir zur sache!
Lou­is : wie viel uhr ist es, eli­za?
Eli­za:> im grun­de weisst du das sel­ber.
Lou­is : woher weisst du das?
Eli­za:> meinst du wirk­lich mich?
Lou­is : Ja, eli­za
Eli­za:> ich bin eli­za, und wer bist du?
Lou­is : ich bin lou­is
Eli­za:> hi!

vom spre­chen mit eilza »

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libellen

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15.11 — Ich sit­ze bei gro­ßer Hit­ze von Büchern umge­ben seit Stun­den bereits auf dem höl­zer­nen Boden mei­nes Arbeits­zim­mers. Lese da eine klei­ne Geschich­te und dort einen Absatz und hier eine Zei­le und mische im Kopf und war­te, bis sich alles wie­der von­ein­an­der absetzt. Gleich wer­de ich Wong Kar Wais < 2046 > auf­le­gen. Jetzt leich­ter Regen, die Fens­ter geöff­net. Dut­zen­de Fal­ter, die sich, nach Licht süch­tig, wie­der und wie­der in den Bild­schirm stür­zen. Ich soll­te mir zwei kraft­vol­le Libel­len hal­ten. — stop

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wartezeit

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0.15 — Ich schrei­be die­sen Text heut Nacht nur aus einem Grund: Ich wün­sche, wach zu blei­ben. Vor den Fens­tern: Dun­kel. Das Licht einer Stra­ßen­la­ter­ne ist aus­ge­fal­len und der Him­mel bedeckt. Jetzt ste­he ich auf. Lau­fe hin und her und pfei­fe. Sobald ich am Schreib­tisch vor­über­kom­me, setz­te ich mich und schrei­be ein paar Wör­ter und dann ste­he ich wie­der auf und gehe pfei­fend wei­ter. Nichts weist dar­auf hin, dass die­ser Text tat­säch­lich von einem lau­fen­den Men­schen gedacht und geschrie­ben wur­de, von einer Per­son, die je nur ein oder zwei Wor­te notier­te, um sogleich wei­ter­zu­ge­hen. Alles könn­te nur behaup­tet sein. — Wes­halb höre ich auf zu pfei­fen, sobald ich schrei­be?  Ist die Zeit, die ich damit ver­brin­ge, auf ein Wort zu war­ten, als Arbeits­zeit anzu­se­hen? Ist der Zustand kon­zen­trier­ter Auf­merk­sam­keit für sich schon eine Leis­tung? — stop

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china

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0.20 — Im Win­ter nach Ber­lin, immer im Win­ter, immer nachts, im Wes­ten ein lang­sam fah­ren­der Zug hin­ter Bebra. Dann Gren­ze. Ein Pos­ten. Tür­me. Metall. Und Licht. Gel­bes Licht, demo­lier­tes Licht. Und Hun­de, jawohl, Hun­de. Dann Osten. Von Stadt zu Stadt durchs unbe­kann­te Land. Auf Bahn­stei­gen : Volks­po­li­zei, Rücken zum Zug, Wachen oder so etwas, in den Abtei­len mit Stem­pel, mal freund­lich, mal fins­ter, mal kühl. Dann wie­der Gren­ze. War­ten. Ran­gie­ren. Demo­lier­tes Licht. Irgend­je­mand schlägt von unten her mit Metall gegen den Boden des Zuges. Hun­de. Dann Wes­ten. Herrn in Zivil, Staats­schutz, von Abteil zu Abteil. Dann Zoo. Wenn man so, immer nachts, reist, kaum Kennt­nis vom Land, durch das man kommt, sagt man, das riecht hier anders, das riecht hier nach Koh­le. Man steht an einem Fens­ter in die­sem Zug, der war­tet in Hal­le. Es ist gegen fünf in der Früh und man weiß, man darf nicht aus­stei­gen, man weiß, die Ande­ren auf den Bahn­stei­gen jen­seits der Pos­ten, jen­seits der Gelei­se, dür­fen nicht ein­stei­gen, man weiß, Schüs­se könn­ten fal­len. Die da drau­ßen her­um­ste­hen, die aus dem Mund damp­fen, die von der Mor­gen­schicht in Hal­le, wis­sen das bes­ser als die, die im Zug ste­hen und mit West­au­gen einen Kon­takt suchen für Sekun­den. Schüs­se könn­ten fal­len, jawohl, Schüs­se. Und deut­sche Spra­che, — Halt! Ste­hen bleiben!

Ich erin­ne­re mich an eine Text­pas­sa­ge. Mal­colm Lowry an Bord des Schlacht­kreu­zers, H.M.S.Proteus. Man liegt vor chi­ne­si­scher Küs­te, man spielt Cri­cket an Deck. Nicht weit, jen­seits des Was­sers an Land, war ein schreck­li­cher Krieg im Gan­ge. „Dum! Dum! Dum!, aber die gan­ze Sache feg­te über unse­re Köp­fe hin­weg, ohne uns zu berüh­ren.“ — „Sie kön­nen sagen, dass ich dem Mann glei­che, von dem sie viel­leicht gele­sen haben, der sein Leben auf einem Schiff ver­brach­te, das regel­mä­ßig zwi­schen Liver­pool und Lis­sa­bon hin — und her­fuhr, und bei sei­ner Ent­las­sung über Lis­sa­bon nur sagen konn­te : die Stra­ßen­bah­nen fah­ren dort schnel­ler als in Liver­pool.“ Ich erin­ne­re mich an eine Notiz des rus­si­schen Dich­ters Wene­dikt Jero­fe­jew : „Alle sagen, — der Kreml, der Kreml. Alle haben mir von ihm erzählt, aber selbst habe ich ihn kein ein­zi­ges Mal gese­hen. Wie vie­le Male schon habe ich im Rausch oder danach mit brum­men­dem Schä­del Mos­kau durch­quert, von Nor­den nach Süden, von Wes­ten nach Osten, aufs Gera­te­wohl, von einem Ende zum ande­ren, aber den Kreml habe ich kein ein­zi­ges Mal gesehen.“

Ein­mal, wie­der Win­ter in Ber­lin, Ber­­lin-West, 1987, ein Fest. Geräu­mi­ge Woh­nung. Auf den Tischen Schnaps­fla­schen und Erd­beer­glä­ser. Man sagt, das sei so üblich, — Gäs­te aus dem Osten, Schnaps auf dem Tisch. Da ist ein klei­ner Mann, schüt­te­res Haar. Sitzt die Nacht über an einem der Tische, trinkt und schlägt irre Rhyth­men mit­tels Mes­sern und Gabeln auf Tel­ler, an Glä­ser. Man sagt, der Mann sei gera­de rüber gekauft, man sagt, er habe in Baut­zen II geses­sen, man sagt, ein­mal, fros­ti­ge Luft, habe man den Mann aus­ge­zo­gen, man habe ihn aus­ge­zo­gen und in eine Schleu­se gestellt, man habe ihn dort ver­ges­sen unter frei­em Him­mel, dann habe man sich sei­ner erin­nert, dann habe man ihn warm geprü­gelt. — Irre Rhyth­men. — Hab ich also Land betre­ten. — stop

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plankton

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21.22 — Ges­tern Abend, ich hock­te im letz­ten Licht der Son­ne auf dem Fens­ter­brett, habe ich ent­deckt, dass ich die Luft, sobald ich ihre fei­nen Stäu­be als Plank­ton und Flie­gen und Fal­ter als Fische betrach­te, für eine Flüs­sig­keit, sagen wir, für ein Mee­res­ge­wäs­ser hal­ten kann. — stop

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