Aus der Wörtersammlung: radio

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animals : eine luftgeschichte

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del­ta : 7.45 — Im Wesent­li­chen exis­tie­ren drei Arten von Geschich­ten. Fer­tig anwe­sen­de, erleb­te Geschich­ten. Rein aus der Luft gefan­ge­ne, das heißt, erfun­de­ne Geschich­ten. Recher­chier­te Geschich­ten. stop. Ani­mals, zum Bei­spiel, die Geschich­te der Ent­de­ckung leben­der Papie­re. stop. Eine Luft­ge­schich­te. stop. Es ist jetzt zwei Uhr nachts. stop. Was brau­che ich? stop. Zwei Kühl­schrän­ke, fünf U‑Bahnwaggons, drei Kaf­fee­häu­ser, eine Hand­voll Abend­seg­ler, Stadt­men­schen, ein Radio­ge­rät. stop. Und Papier­tie­re stop. Sehr klei­ne Her­zen, eben­so klei­ne Gehir­ne, Mün­der und Ver­dau­ungs­trak­te. stop. Auch Pro­pel­ler­flü­gel. stop. Feins­te Ware. stop. Was brau­che ich noch? stop. Räu­me der Zeit und einen ers­ten Satz. stop. Geduld. stop. Das Geräusch mei­nes Blei­stifts auf gro­bem Papier.

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speed

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lima : 0.01 — Ich hör­te im Radio, ein Mann aus Jamai­ka sei eine Stre­cke von 100 Metern in 9.69 Sekun­den gelau­fen. Sofort setz­te ich mich vor das Fern­seh­ge­rät und beob­ach­te­te die­sen Mann, von dem ich gehört hat­te, und ich dach­te, dass ich ihn ger­ne ein­mal berüh­ren wür­de, abklop­fen oder mein Ohr auf einen sei­ner Ober­schen­kel legen und lau­schen. — stop

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lucie

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sier­ra : 6.02 — Das sind lus­ti­ge Tage, Tage wie die­ser hier nach durch­ar­bei­te­ter Nacht. Noch immer, drin­nen wie drau­ßen, sehr war­me und feuch­te Hit­ze. In der Däm­me­rung schloss ich die Fens­ter. Auf das Bett waren leich­te Tücher gelegt, das luf­tigs­te Mate­ri­al, das zu fin­den gewe­sen ist, die Fens­ter ver­dun­kelt, alles bereit, den begin­nen­den Tag sofort zur Nacht zu machen. Ich lag bald unterm Buch, das mir den Kopf müde mach­t. Ich dach­te, dass ich nichts den­ken soll­te, schau­te nach Lich­tern, die unter den Lidern in Schlaf­au­gen wan­dern. Fast war ich weg­ge­kom­men, als eine Flie­ge auf mei­ner Schul­ter lan­de­te und sofort mit dem Munds­tem­pel nach Salz und ande­ren Din­gen zu for­schen begann. Ich sag­te, bit­te, bit­te nicht, Lucie, heu­te bit­te nicht, ich muss schla­fen. Und so erhob sich Lucie in die Luft und ich hör­te, wie sie eine lang­sa­me, trau­rig sum­men­de Run­de links­her­um durch mein Zim­mer flog. Dann schlief ich ein und träum­te zwei blaue Schne­cken. Sie waren von küh­ler Tem­pe­ra­tur und hat­ten sich wie Polar­füch­se in einer Schnee­höh­le, in mei­ne Augen­höh­len gelegt. Als ich wach wur­de, als ich zunächst wach gewor­den war, wie immer mit geschlos­se­nen Augen, hör­te ich Gewit­ter­don­ner, dann ent­deck­te ich Lucie in nächs­ter Nähe. Sie hat­te sich, wäh­rend ich träum­te, vor­sich­tig auf den Rücken mei­ner lin­ken Hand gesetzt und ihre Bei­ne ange­zo­gen, sodass sie nicht saß, viel­mehr auf mir lag. Ja, ist es denn Flie­gentieren mög­lich, die Augen zu schlie­ßen? — stop

 



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