Aus der Wörtersammlung: ulysses

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kilimandscharo

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ulys­ses : 5.05 – Fol­gen­des: Ein Buch für Berg­stei­ger soll­te von leich­tem Wesen sein, sagen wir, leicht wie eine Hand­voll Federn müss­te es sein, damit man das leich­te Buch im Gepäck nicht bemerkt, wenn man auf­wärts oder abwärts schrei­tet. Janet Frames Roman An Angel at My Table in der Aus­ga­be für Him­mels­stür­mer, wöge gera­de noch 12 oder 15 Gramm und wür­de im Fal­le höchs­ter Not, gleich­wohl zur Nah­rung die­nen, jeder Bis­sen so wir­kungs­voll im hung­ri­gen Bauch wie ein gebra­te­ner Enten­vo­gel oder eine Stau­de feins­ter Bana­nen. Auch ist wün­schens­wert zu die­ser spä­ten Stun­de der Nacht, dass das Buch, zur Ent­fal­tung gebracht, sich als wind­dich­tes Zelt erwei­sen könn­te, oder als Fall­schirm zur rech­ten Zeit. In einer Schnee­höh­le gebor­gen, wenn Eis­stür­me näher­kom­men, wür­de man lesen im Buch, auch das ist denk­bar, lesen zum Bei­spiel, um Ruhe zu bewah­ren, Sei­te um Sei­te könn­te man vor­wärts oder rück­wärts fabu­lie­ren und alles nach und nach ver­spei­sen, bis man geret­tet oder das Wet­ter ange­neh­mer gewor­den sein wird. — stop / für h.d.

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beutelmenschen

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ulys­ses : 0.05 – Lan­de­te an einer Küs­te vor einer hoch auf­ra­gen­den, glä­ser­nen Wand. Auf einer Wie­se, die sich vom Was­ser her bis zur Wand hin erstreck­te, blüh­ten Leber­blüm­chen, Zwerg­mohn, Kro­kus­se. Auch hin­ter der Wand war eine Wie­se zu erken­nen, Fische spa­zier­ten her­um, Tau­send­füß­ler­fi­sche, und wie­der Leber­blüm­chen, Zwerg­mohn, Kro­kus­se. Vor der Wand in einem Abstand von weni­gen Metern zuein­an­der reih­ten sich gefal­le­ne Gar­ten­stüh­le bis zu den Hori­zon­ten. Men­schen hin­gen dort in der Luft, Hän­de gefan­gen in Fal­len, die von der Kro­ne der Wand bau­mel­ten. Das waren Schnapp­fal­len gewe­sen, höl­zer­ne Appa­ra­tu­ren. Indem ich näher­kam, baten mich eini­ge der Men­schen flüs­ternd, einen der Stüh­le unter ihren Füßen wie­der auf­zu­rich­ten. Ande­re waren zu stil­len Haut­beu­teln gewor­den, in wel­chen Amei­sen Kno­chen beweg­ten. Ich sehe mich, wie ich einen Mohn­blu­men­strauß pflück­te. Wan­der­te die Küs­te ent­lang, erzähl­te hei­te­re Geschich­ten, über­reich­te traum­wärts den Leben­den je eine müde Blu­me und schmück­te die Toten. — stop
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moskitoeintagsfliegen no.2

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sier­ra : 5.24 — Bald ein­mal, ich wie­der­ho­le mich, mensch­li­che Wesen von 20000 Jah­ren Lebens­er­war­tung gestal­ten, Hüter der Plu­to­ni­um­wer­ke, memo­rie­ren­de Beob­ach­ter, flüs­tern­de Spre­cher durch Räu­me der Zeit, die bis­her nicht vor­stell­bar sind, weil wir sie weder füh­len noch träu­men, weil unse­re Her­zen durch die Atom­zeit rasend schla­gen wie die Her­zen der Mos­ki­to­ein­tags­flie­gen. — stop

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paul moreau

pic

ulys­ses : 5.16 — Das bewuss­te Den­ken scheint ohne Aus­nah­me ein Den­ken mit Stim­me zu sein. Ich höre mei­ne urei­ge­ne Gedan­ken­stim­me, als wür­de ich über Ohren gebie­ten, die nach innen gerich­tet sind. Sobald ich nun einen Gedan­ken mit­tels der Stim­me Paul Newman’s oder Jean­ne Moreau’s in mei­nem Kopf zur Spra­che brin­ge, habe ich einen bereits vor­lie­gen­den Gedan­ken erin­nert, über­setzt, erzählt. Erstaun­lich der Ein­druck, dass sich mein Mund öff­net, sobald sich mei­ne Hän­de einer Tas­ta­tur nähern. — Leich­ter Schnee­fall. stop. Von oben. — stop

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sinusknoten

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ulys­ses : 5.08 — Im Traum woll­te ich mein Herz mit einem Mäd­chen tei­len, das sehr krank gewe­sen war. Ich beob­ach­te­te, wie ein Chir­urg mei­ne Brust öff­ne­te. Bald hör­te ich das Mäd­chen lachen und sah, wie es davon hüpf­te. War­te­te einen Tag auf dem Rücken lie­gend und mach­te mich dann stadt­wärts im Zwie­licht auf die Suche nach einem wei­te­ren Her­zen. – Nacht. Wun­de­re mich, dass ich lebe von Minu­te zu Minu­te. stop. Fei­ne Wör­ter gesam­melt: ping query sin­gle­cast cha­os class hesi­od elap­sed seconds flood maxi­mum hop count nona­me broad­cast > 255.255.255.255.2223 toctoctoc

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moskitoeintagsfliegen

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ulys­ses : 5.24 — Bald ein­mal mensch­li­che Wesen von 20000 Jah­ren Lebens­er­war­tung gestal­ten, Hüter der Plu­to­ni­um­wer­ke, memo­rie­ren­de Beob­ach­ter, flüs­tern­de Spre­cher durch Räu­me der Zeit, die bis­her nicht vor­stell­bar sind, weil wir sie weder füh­len noch träu­men, weil unse­re Her­zen durch die Atom­zeit rasend schla­gen wie die Her­zen der Mos­ki­to­ein­tags­flie­gen. — stop
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voyager

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ulys­ses : 22.00 — Wie ich lern­te, mei­ne Schu­he zu bin­den. Eine Sekun­de­n­erin­ne­rung an den Tag, als ich zum ers­ten Mal mit einer Dampf­lo­ko­mo­ti­ve aus der Stadt Mün­chen her­aus über Land gefah­ren bin. Abends sit­ze ich unter einem Apfel­baum nahe Land­au. Ich bin müde, aber ich habe den Wunsch, im Leben wei­ter­zu­kom­men. Irre Bewe­gun­gen mei­ner Kin­der­hän­de über klei­nen blau­en Schu­hen. Der Ein­druck for­schen­der Unsi­cher­heit, der in die­sem Moment, Fin­ger für Fin­ger, wie­der zu spü­ren ist, als wür­de jede Hand für sich über ein eige­nes Gedächt­nis ver­fü­gen. — Viel­leicht ist es sinn­voll zu sagen, dass die Raum­son­den Voy­a­ger 1 und Voy­a­ger 2 in der Sekun­de ihres Starts gebo­ren wur­den. — stop

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madison avenue

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ulys­ses : 7.
32 — Madi­son Ave­nue am frü­hen Mor­gen von Süd nach Nord. Tau­sen­de Tag­pas­san­ten nähern sich und ver­schwin­den. Hef­ti­ge Win­de. Blü­ten, Blät­ter, Töne wir­beln in Spi­ra­len durch die fri­sche Luft. Frau­en hal­ten ihre Röcke, Män­ner ihre Hüte fest. Berau­schen­de Glücks­ge­füh­le. Wer­de ich grö­ßer oder wer­de ich klei­ner? Irgend­et­was schep­pert lei­se im Kopf von Schritt zu Schritt. Flie­gen­leicht­ge­wich­te, trans­pa­ren­te Hum­mer­ge­stal­ten, spa­zie­ren seit­wärts über den Bild­schirm mei­ner Hand­schreib­ma­schi­ne dahin, gebeu­tel­te, zau­si­ge Her­zen. Wo waren sie in der ver­gan­ge­nen Nacht gewe­sen? Indem ich eines der Geschöp­fe auf der Schul­ter mit mir tra­ge, der Gedan­ke, dass sich bei­na­he alle Men­schen die­ser gro­ßen Stadt nicht per­sön­lich ken­nen. — stop

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lamellenohr

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ulys­ses : 17.
52 — Ich hat­te, selt­sa­me Geschich­te, die Idee, dass ich, in dem ich schla­fend oder wachend durch Man­hat­tan spa­zie­re, ler­nen soll­te, mei­ne Ohren in der Wei­se der See­hun­de durch Mus­kel­kraft zu ver­schlie­ßen. Denk­bar, dass mir bald Lamel­len feins­ter Haut gewach­sen sein wer­den, Innen­ohr­se­gel, deren Bewe­gung ich ver­fü­gen könn­te, wie ich die Bewe­gung mei­ner Hän­de vor­her­sa­gen kann. — Mensch­li­che Stim­men im Vor­über­ge­hen in den Far­ben sanf­ter Traum­ge­sprä­che. Der Schlaf der Augen in der Sub­way, die Wild­heit zufäl­li­ger Bli­cke. — stop
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