ulysses : UTC — Dieser folgende Traum wurde in der Nacht zum 17. August 2012 geträumt. Mehrfach habe ich geträumt, diese wunderbare Traumgeschichte zu wiederholen. Vergeblich. In der kommenden Nacht werde ich einen weiteren Versuch unternehmen. Observation. Blaupause: Im Traum war alles wieder nachgewachsen. Meine Hände blühten. Ich machte mich auf den Weg durch Manhattan südwärts. Ich ging zu Fuß. Es war ein sonniger Tag, das Meer schimmerte um das Fährschiff MV J. F. Kennedy. Am Tresen zu dieser ostwärts gelegenen Schiffskantine wartete bereits Mr. Melrose, und überreichte mir einen Becher Kakao. Als er meine blühenden Hände entdeckte, fütterte er mich höchstpersönlich mittels eines Teelöffels. Ich schenkte ihm zum Dank einen kleinen Finger, machte mich dann auf meinen täglichen Weg über das Hurrikanedeck, sprach all die wartenden Pendlermenschen freundlich an, und zeigte ihnen meine Hände, die als solche nicht zu erkennen waren, weil sie Fingersträußchen ähnelten. Man muss sich das einmal vorstellen: An jeder Hand trug ich 20 bis 30 Fingerexemplare, die meisten waren Mittelfinger, Daumen waren keine darunter. Sobald ich an einem der Finger zog, löste er sich, sodass ich ihn verschenkenkonnte. Für jeden Finger bekam ich 5 Dollar. Ich erinnere mich nicht, je Schmerz empfunden oder geblutet zu haben. Vielmehr empfand ich Vergnügen, Freude, Lust. — stop
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Aus der Wörtersammlung: teelöffel
reis
olimambo : 18.08 UTC — Nicht einen Teelöffel voll Reis zählen, sondern eine Tasse voll Körner, die ich mir einschenkte vor zwei Wochen noch. Einmal also an einem Abend still sitzen und zählen, solange zählen, bis ich die Tasse geleert haben werde, nicht stundenweise zählen, sondern mit einem Anfang und einem vollständig ausgezähltem Ende im Morgengrauen. — stop

chronik der gefühle
echo : 4.55 UTC — Spinnen hier oben in meiner Wohnung unter dem Dach sind scheu geworden. Fast möchte ich manchmal meinen, dass sie gar nicht länger existieren in meinen Zimmern, wenn ich nicht da und dort Spuren beobachten könnte, die auf ihre Existenz verweisen, Netzwerke oder ein Häufchen winziger Fliegen, welches noch vor wenigen Tagen auf dem Fensterbrett ganz sicher nicht gewesen ist. An einem Abend, ich hatte die Fenster geöffnet, spazierte plötzlich ein recht umfangreiches Spinnenexemplar über die Wand meines Arbeitszimmers, groß wie die Schale eines Teelöffels. Die Spinne bewegte sich lautlos über mehrere Wände hin, bis sie, ohne eine längere Pause eingelegt zu haben, in der Küche durch ein geöffnetes Fenster meine Wohnung wieder verließ. Kaum eine halbe Stunde war die Spinne in meiner Wohnung gewesen. Und ich dachte, vielleicht hat sie eine Spur, Duftspur oder Faden verlegt, es werden weitere Spinnen kommen, hoffentlich eher kleinere Spinnen, die ich gern zu Gast haben würde, während ich die großen Spinnen doch sehr gründlich fürchte. Ich warte nun seit einigen Tagen bereits. In dieser Zeit des Wartens habe ich unheimliche und präzise erzählte Geschichten Alexander Kluges gelesen und auch gehört, sie sind wundervoll anzuhören. — stop
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monroe
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alpha : 6.26 — Ich wünsch mir zum Geburtstag ein kleines Tier, eine Libelle nämlich von der Größe einer Hand, sie wird mich fortan im Leben begleiten. Wenn ich morgens die Augen öffne, soll sie bereits vor mir auf einem Kissen ruhen, das ihr eigenes, ihr Nachtkissen ist. Das Summen übender Flügel, ein Blick von tausend Augen, und schon sind wir hellwach, schon auf dem Weg in die Küche. Zum Frühstück zwei frische Zwergfrösche, sie leben noch für Sekunden. Und etwas Kaffee für mich, und Löffel feinsten Sumpfwassers für Monroe, das sollte jeden Morgen möglich sein, im Winter wie im Sommer. Was für ein selten prächtiger Vogel, marineblau, zitronengelb, schwarz schillernde Augen, feuerrote Beine. — Guten Morgen! — stop

fingersträußchen
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delta : 6.22 — Über Nacht war alles wieder nachgewachsen. Meine Hände blühten. Ich machte mich auf den Weg südwärts durch Manhattan zu den Fähren hin. Am Tresen einer Schiffskantine wartete bereits Mr. Melrose, überreichte mir einen Becher Kakao. Als er meine blühenden Hände entdeckte, fütterte er mich höchstpersönlich mittels eines Teelöffels. Schenkte ihm zum Dank einen meiner Finger, machte mich dann auf meinen täglichen Weg über das Hurrikanedeck, sprach all die wartenden Pendlermenschen freundlich an, zeigte ihnen meine Hände, die als solche nicht zu erkennen waren, weil sie Fingersträußchen ähnelten. Man muss sich das vorstellen, an jeder Hand trug ich 20 bis 30 Fingerexemplare, die meisten waren Mittelfinger, Daumen waren keine darunter. Sobald ich an einem der Finger zog, löste er sich, so dass ich ihn weiterreichen konnte. Für jeden Finger bekam ich 5 Dollar. Ich erinnere mich nicht, je Schmerz empfunden oder geblutet zu haben. Vielmehr empfand ich Vergnügen, Freude, Lust. – Dieser Traum wurde so oder ähnlich geträumt, kurz vor vier Uhr in der vergangenen Nacht. — stop

gebäck
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ginkgo : 6.05 — War bei Harrods gewesen, ein hell ausgeleuchteter Saal. Verkäuferinnen in grünen Overalls stapelten kunstvoll menschliche Arme und Beine und Köpfe auf Tische. Klare, in den Augen schmerzende Substanz fiel von der Decke. Bald darauf Kurzstreckenfahrt im U‑Bahnwaggon. Ein feuchter menschlicher Arm ruhte auf meinen Oberschenkeln. Dieser Arm nun war in Zeitungspapier gewickelt, seiden weiße Substanz tropfte auf den Boden. Gleich gegenüber ein Mann und eine Frau. Das Gesicht des Mannes dampfte. Die Frau, die eine Melodie vor sich hinsummte, schälte mit einem Teelöffelchen grammschwere Fleischproben aus den Wangen des Mannes, um sie entweder sofort zu verzehren oder weiteren Fahrgästen darzubieten. — stop. — Montag. stop. Duke Ellington : Take the “A” Train. stop. Es ist denkbar, dass ich über das Gedächtnis eines Elefanten verfüge. — stop

salznamen
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2.01 — Dass die Fische eines Schwarms keine Namen tragen. Auch die Sommerfäden eines Augusthimmels oder die Moleküle eines Wassertropfens sind kaum je beschriftet, wie der Sand einer Wüste ohne jede Bezeichnung ist, sodass man eine Handvoll Sand nicht auf einen Tisch werfen könnte und sagen, dieser kleine Stein hier, das ist S‑sahara-No 537675258386. Ich sehe Dich, aber ich gebe Dir keinen Namen. Stattdessen versuchen wir den Himmel. Wir sagen: Das ist Galaxie M‑23. Und dieser blaue Nebel hier verdunkelt die Galaxie M‑C58. Unsere elektronischen Augen sind empfindlich. Wir könnten mit diesen Augen vielleicht einen Golfball auf dem Mond erkennen oder eine Telefonzelle auf dem Mars, nicht aber einen Stern hinter einem Stern in einer 7 Millionen Lichtjahre entfernten Spiralgalaxie. Vielleicht sollte ich, wenn ich wieder einmal aufgeregt sein werde, weil mir der Himmel auf den Kopf zu fallen droht, einen Teelöffel Salz auf meinen Schreibtisch schütten und eine Zählung und Bezeichnung der Kristalle vornehmen. Wie lange Zeit würde ich zählen? Könnte ich je wieder aufhören? — stop
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