Aus der Wörtersammlung: sahara

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saharaschwefel

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tan­go : 0.12 — Herr Lud­wig, den ich im Janu­ar besuch­te, erzähl­te mir, dass er sich vor Jah­ren wünsch­te, ein Schiffs­mo­dell aus Streich­höl­zern zu bau­en. Unver­züg­lich kauf­te er damals eini­ge Tau­send der höl­zer­nen Stäb­chen, weil er sie auf die­sem Wege ins­ge­samt bil­li­ger erste­hen konn­te. Außer­dem such­te er nach einem geeig­ne­ten Schiff, des­sen Kör­per sehr gut doku­men­tiert sein soll­te. Sei­ne Wahl fiel auf die RMS Queen Mary 1. Er lud Plä­ne aus dem Inter­net, Grund­ris­se, Blau­pau­sen, Hun­der­te von Foto­gra­fien sowie Let­ter­cards, die an Bord des luxu­riö­sen Schif­fes von Pas­sa­gie­ren wäh­rend ihrer Rei­se notiert wor­den waren. Herr Lud­wig erwähn­te, dass er sich bald in ein Aben­teu­er ver­wi­ckelt fühl­te, sei­ne Tage, die zuvor schwe­re und lee­re Tage gewe­sen sei­en, wären plötz­lich leicht gewor­den und die Zeit ging nur so in Eil­schrit­ten dahin, dass es eine wah­re Freu­de war, kaum auf­ge­stan­den sei schon wie­der Abend gewe­sen. Im Dezem­ber vor zwei Jah­ren, kurz vor Weih­nach­ten, war Herr Lud­wig sei­nen Anga­ben zur Fol­ge mit der Vor­be­rei­tung sei­ner Rekon­struk­ti­ons­ar­bei­ten fer­tig gewor­den, und so öff­ne­te er eine Schach­tel Streich­höl­zer und füg­te, nach­dem er mit einem Mes­ser­chen Schwe­fel­köp­fe bei­der Stäb­chen sorg­sam abge­trennt hat­te, mit einem Kleb­stoff, der wun­der­voll nach Wal­nuss­li­kör duf­te­te, zwei der Zünd­höl­zer seit­wärts anein­an­der. Nach einer Wei­le, er hat­te mehr­fach sei­nen Arbeits­tisch umrun­det, prüf­te er die Fes­tig­keit der Ver­bin­dung und war zufrie­den. Er bau­te, in die­ser Wei­se der Kle­bung fort­fah­rend, zunächst einen Schorn­stein des rie­si­gen Schif­fes, dann einen zwei­ten Schorn­stein, drei Wochen ver­gin­gen, bis bei­de Schorn­stei­ne fer­tig gewor­den waren, und auf den Tisch gestellt, so dass sie nun mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den konn­ten. Die Hän­de des alten Man­nes rochen in jenen Wochen sei­ner fili­gra­nen Arbeit nach Schwe­fel, und die Luft duf­te­te nach Wal­nüs­sen und Ace­ton, und irgend­wann in die­ser Zeit muss sich Herr Lud­wig, ver­se­hent­lich oder mit Vor­satz, von sei­nen Schiff­bau­plä­nen ent­fernt haben. Als Janu­ar wur­de, waren auf dem Tisch deut­li­che Kon­tu­ren eines Dro­me­dars zu erken­nen, des­sen Kör­per auf vier Schorn­stei­nen ruh­te, eine wun­der­ba­re Wand­lung sei­ner Vor­ha­bens, das Schiff baue er spä­ter, sag­te Herr Lud­wig, in dem er mit einer bewähr­ten Bewe­gung einen Schwe­fel­kopf von einem Streich­holz trenn­te. Der Kopf hüpf­te über den Tisch, und als er von der Kan­te des Tisches stürz­te, war nicht das Min­des­te zu hören gewe­sen. — Das Radio erzählt, in Mariu­pol sol­len Men­schen im März für weni­ge Minu­ten auf eine Stras­sen­kreu­zung getre­ten sein, um dort ihr Mobil­te­le­fo­ne gegen den Him­mels zu stre­cken. Indes­sen tob­te um sie her­um der Kampf um die Stadt. — stop
ping

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beckett

9

char­lie : 6.32 UTC — In dem klei­nen Café, das den Namen Saha­ra trägt, wird Men­schen, die am Flug­ha­fen arbei­ten, Rabatt gewährt. Iclal ist müde, sie kommt gera­de von der Arbeit. Außer­dem schneit es in einer Wei­se, als wäre Win­ter. Sie zieht ihren Man­tel aus und die Hand­schu­he, legt sie auf den Tisch vor sich hin und sagt: Ich will über die Abstim­mung in der Tür­kei nicht spre­chen. Spre­chen wir über mei­ne nächs­te Rei­se, ich weiss nicht wohin ich rei­sen soll, ich bin seit ich den­ken kann, immer in die Tür­kei gereist, dies­mal wer­de ich nicht in die Tür­kei rei­sen. — Ist es zu gefähr­lich, fra­ge ich. — Nein, ant­wor­tet lcal, es ist nicht gefähr­lich für mich, ich will nicht. Wohin könn­te ich nur rei­sen im Som­mer? — Ich sage: Vene­dig ist schön, aber eher im spä­ten Herbst, viel­leicht magst Du in die Ber­ge gehen, Du könn­test auf einer Hüt­te im Kar­wen­del­ge­bir­ge woh­nen und wan­dern, das ist ganz wun­der­bar dort. In die­sem Moment ent­de­cke ich einen Schrift­zug von weis­ser Far­be, der Iclals rosa­far­be­nes T‑Shirt bedeckt: Ever tried. Ever fai­led. No mat­ter. Try Again. Fail again. Fail bet­ter. Das sind wun­der­ba­re Wor­te, sage ich, Samu­el Beckett hat sie geschrie­ben. — Ja, wirk­lich, ant­wor­tet Ical, wer ist das? Sie sieht an sich her­ab. Ich habe nicht dar­auf geach­tet, was da steht, das ist Eng­lisch, ich kann kein Eng­lisch, was steht da, das Beckett geschrie­ben hat? — Ich über­le­ge, wie ich Becketts Sät­ze kor­rekt über­set­zen könn­te. ich über­le­ge lan­ge. Das ist offen­sicht­lich schwie­rig, sagt Iclal. Nein, sage ich, das ist Poe­sie, da muss man sehr behut­sam mit den Wör­tern umge­hen, man muss sehr genau sein. Kurz dar­auf wer­de ich mit mei­ner Über­set­zung fer­tig. Iclal hört zu. Iclal beginnt zu lachen. Bald bekommt sie kaum noch Luft wie so lacht, und ich dach­te noch, wie ger­ne ich ihr Lachen in die­sem Moment auf Ton­band auf­ge­nom­men hät­te — stop

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saharaschwefel

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char­lie : 0.12 — Herr Lud­wig, den ich im Janu­ar besuch­te, erzähl­te mir, dass er sich vor Jah­ren wünsch­te, ein Schiffs­mo­dell aus Streich­höl­zern zu bau­en. Unver­züg­lich kauf­te er damals eini­ge Tau­send der höl­zer­nen Stäb­chen, weil er sie auf die­sem Wege ins­ge­samt bil­li­ger erste­hen konn­te. Außer­dem such­te er nach einem geeig­ne­ten Schiff, des­sen Kör­per sehr gut doku­men­tiert sein soll­te. Sei­ne Wahl fiel auf die RMS Queen Mary 1. Er lud Plä­ne aus dem Inter­net, Grund­ris­se, Blau­pau­sen, Hun­der­te von Foto­gra­fien sowie Let­ter­cards, die an Bord des luxu­riö­sen Schif­fes von Pas­sa­gie­ren wäh­rend ihrer Rei­se notiert wor­den waren. Herr Lud­wig erwähn­te, dass er sich bald in ein Aben­teu­er ver­wi­ckelt fühl­te, sei­ne Tage, die zuvor schwe­re und lee­re Tage gewe­sen sei­en, wären plötz­lich leicht gewor­den und die Zeit ging nur so in Eil­schrit­ten dahin, dass es eine wah­re Freu­de war, kaum auf­ge­stan­den sei schon wie­der Abend gewe­sen. Im Dezem­ber vor zwei Jah­ren, kurz vor Weih­nach­ten, war Herr Lud­wig sei­nen Anga­ben zur Fol­ge mit der Vor­be­rei­tung sei­ner Rekon­struk­ti­ons­ar­bei­ten fer­tig gewor­den, und so öff­ne­te er eine Schach­tel Streich­höl­zer und füg­te, nach­dem er mit einem Mes­ser­chen Schwe­fel­köp­fe bei­der Stäb­chen sorg­sam abge­trennt hat­te, mit einem Kleb­stoff, der wun­der­voll nach Wal­nuss­li­kör duf­te­te, zwei der Zünd­höl­zer seit­wärts anein­an­der. Nach einer Wei­le, er hat­te mehr­fach sei­nen Arbeits­tisch umrun­det, prüf­te er die Fes­tig­keit der Ver­bin­dung und war zufrie­den. Er bau­te, in die­ser Wei­se der Kle­bung fort­fah­rend, zunächst einen Schorn­stein des rie­si­gen Schif­fes, dann einen zwei­ten Schorn­stein, drei Wochen ver­gin­gen, bis bei­de Schorn­stei­ne fer­tig gewor­den waren, und auf den Tisch gestellt, so dass sie nun mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den konn­ten. Die Hän­de des alten Man­nes rochen in jenen Wochen sei­ner fili­gra­nen Arbeit nach Schwe­fel, und die Luft duf­te­te nach Wal­nüs­sen und Ace­ton, und irgend­wann in die­ser Zeit muss sich Herr Lud­wig, ver­se­hent­lich oder mit Vor­satz, von sei­nen Schiff­bau­plä­nen ent­fernt haben. Als Janu­ar wur­de, waren auf dem Tisch deut­li­che Kon­tu­ren eines Dro­me­dars zu erken­nen, des­sen Kör­per auf vier Schorn­stei­nen ruh­te, eine wun­der­ba­re Wand­lung sei­ner Vor­ha­bens, das Schiff baue er spä­ter, sag­te Herr Lud­wig, in dem er mit einer bewähr­ten Bewe­gung einen Schwe­fel­kopf von einem Streich­holz trenn­te. Der Kopf hüpf­te über den Tisch, und als er von der Kan­te des Tisches stürz­te, war nicht das Min­des­te zu hören gewe­sen. — stop

ping

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sahara

2

sier­ra : 3.28 — Jane Goo­dall erzählt eine fas­zi­nie­ren­de Geschich­te von Wahr­neh­mung und Wirk­lich­keit in den ers­ten Minu­ten eines Doku­men­tar­films, der ihr Leben schil­dert. Sie sagt fol­gen­des: Ich hat­te es ziem­lich satt, dass mich die Leu­te für Dia­ne Fos­sey hiel­ten und sag­ten: Ihr Film Goril­las im Nebel war wun­der­voll. Ich sag­te dann immer: Sie haben den Film gese­hen? — Ja! — Dann wis­sen die doch, dass die Dame getö­tet wur­de, oder? — Ja!  ‑Aber ich bin doch da! — stop. Frü­he Nacht. In die­sem Jahr zum ers­ten Mal die Fens­ter nach Mit­ter­nacht geöff­net. Esme­ral­da sitzt auf dem Brett neben Kak­teen, sie scheint Ster­ne zu betrach­ten. Gedämpf­tes Licht vom nord­ost­wärts rei­sen­den Staub der Saha­ra. Ges­tern noch träum­te ich von einem Tele­fon­ge­spräch mit Jules Ver­ne, der mit sehr hel­ler Stim­me Züge eines Schach­spiels mel­de­te. Merk­wür­dig ins­be­son­de­re das Vor­kom­men einer Ken­tau­ren­fi­gur im Spiel, wel­che sich durch Bewe­gung auf unsicht­ba­re Spiel­fel­der in der Luft vor jedem Zugriff in Sicher­heit brin­gen konn­te. — stop

polaroidgondeln

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paris — kigali

9

tan­go : 2.22 — Stil­le Nacht. Leich­ter Regen. Die Luft riecht nach Schnee. Ich schrei­be wie­der einen Brief an Hen­ry. Ich weiss, dass er mei­ne Brie­fe schätzt, Orte, Städ­te, Stra­ßen, Land­schaf­ten, Häfen. Lie­ber Hen­ry, anbei die Stre­cke Paris — Kiga­li in Wor­ten, so wie sie der Com­pu­ter aus­ge­rech­net hat. Ich habe für das mit­tel­mee­ri­sche Gebiet eine Lücke gelas­sen, da ich authen­ti­sche nau­ti­sche Begrif­fe nicht ent­de­cken konn­te. Von die­sem Gebie­ten ein­mal abge­se­hen, soll­te Dei­ne Rou­te voll­stän­dig vor­ge­schrie­ben sein. Du wirst, sofern alles gut gehen wird, nach 133 Stun­den Kiga­li errei­chen. Natür­lich darfst Du, wie immer, nicht anhal­ten, um die Zeit­vor­ga­be ein­hal­ten zu kön­nen, am bes­ten reist Du wie­der in Beglei­tung. Das Pro­gramm gab fol­gen­den war­nen­den Hin­weis: Unse­re Anga­ben die­nen nur zu Pla­nungs­zwe­cken. Es ist mög­lich, dass die Ver­kehrs­ver­hält­nisse auf­grund von Bau­stel­len, Ver­kehr, Wet­ter oder ande­ren Fak­to­ren von den hier dar­ge­stell­ten Vor­schlä­gen abwei­chen. Sie soll­ten daher Ihre Rei­se ent­spre­chend pla­nen und alle Ver­kehrs­schil­der oder Hin­weise bezüg­lich Ihrer Rou­te beach­ten. Ich setz­te hin­zu, lie­ber Hen­ri, das Wüs­ten­ge­biet der Saha­ra gilt als äußerst gefähr­lich. Blitz­fal­len süd­lich der Stadt Paris. Ich wün­sche Dir eine gute Rei­se. Dein Lou­is > 1. Auf Rue de Rivo­li nach Wes­ten Rich­tung Rue du Renard star­ten 69 m wei­ter gesamt 69 m 2. Leicht links abbie­gen auf Rue de la Cou­tel­le­rie Ca. 56 Sekunden140 m wei­ter gesamt 210 m 3. Rechts abbie­gen auf Av. Vic­to­ria 32 m wei­ter gesamt 240 m 4. 1. Abzwei­gung links neh­men, um auf Rue Saint-Mar­tin zu wech­seln 71 m wei­ter gesamt 300 m 5. 1. Abzwei­gung links neh­men, um auf Quai de Gesvres zu wech­seln Ca. 1 Minu­te 160 m wei­ter gesamt 450 6. Wei­ter auf Quai de l’Hô­tel de ville Ca. 53 Sekun­den 350 m wei­ter gesamt 800 m 7. Rechts abbie­gen auf Pont Lou­is Phil­ip­pe 15 m wei­ter gesamt 850 m 8. 1. Abzwei­gung links neh­men, um auf Voie Geor­ges Pom­pi­dou zu wech­seln Ca. 3 Minu­ten 1,2 km wei­ter gesamt 2,0 km 9. Wei­ter auf Voie Mazas Ca. 1 Minu­te 1,0 km wei­ter gesamt 3,0 km 10. Gera­de­aus auf Quai de Ber­cy Ca. 2 Minu­ten 1,5 km wei­ter gesamt 4,5 km 11. A3 A6 Péri­phé­ri­que Por­te de Ber­cy Cha­ren­ton Die Auf­fahrt Rich­tung A3/A6/Périphérique/Porte de Bercy/Charenton neh­men 270 m wei­ter gesamt 4,8 km 12. Aéro­port Orly Lyon Péri­phé­ri­que Inte­ri­eur Quai d’I­vry Por­te d’I­ta­lie An der Gabe­lung links hal­ten, Beschil­de­rung in Rich­tung Aéro­port Orly/Lyon/Périphérique Interieur/Quai d’Ivry/Porte d’I­ta­lie fol­gen und wei­ter auf Bd Péri­phé­ri­que Blitz­ge­rät nach 1,2 km Ca. 2 Minu­ten 2,4 km wei­ter gesamt 7,2 km 13. A6B A10 Bor­deaux Nan­tes Lyon Évry Aéro­port Orly-Run­gis Bei Aus­fahrt A6B Rich­tung A10/Bordeaux/Nantes/Lyon/Évry/Aéroport Orly-Run­gis fah­ren Ca. 7 Minu­ten 9,6 km wei­ter gesamt 16,8 km 14. A10 E5 Palai­se­au Étam­pes Bor­deaux-Nan­tes Mas­sy Longju­meau Rechts hal­ten, Beschil­de­rung in Rich­tung A10/E5/­Pa­lai­se­au/É­tam­pes/­Bor­deaux-Nan­tes­/­Mas­sy/­Longju­meau fol­gen 800 m wei­ter gesamt 17,6 km 15. Auf A10/E50 fah­ren Teil­wei­se gebüh­ren­pflich­ti­ge Stra­ße Blitz­ge­rä­te ab 2,6 km Ca. 23 Minu­ten 39,1 km wei­ter gesamt 56,7 km 16. A71 Tou­lou­se Cler­mont-Fer­rand Bor­deaux Orlé­ans A20 Links hal­ten, Beschil­de­rung in Rich­tung A71/­Tou­lou­se/Cler­mont-Fer­ran­d/­Bor­deau­x/Or­lé­an­s/A20 fol­gen Gebüh­ren­pflich­ti­ge Stra­ße Blitz­ge­rä­te ab 61,9 km Ca. 34 Minu­ten 71,7 km wei­ter gesamt 128 km >
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elefanti

9

sier­ra : 0.01 — In der vor­letz­ten Nacht, zwei Uhr wars gewor­den, hab ich in einem Bahn­hof unter dem Frank­fur­ter Flug­ha­fen Vögel ent­deckt. Das Neon­licht fla­cker­te und die Vögel, Tun­nel­vö­gel, zwit­scher­ten. Kurz zuvor hat­te ich noch in einem Café geses­sen und einer Frau zuge­hört, die mir von Kala­bri­en erzähl­te, vom Haus ihrer Eltern, einem uralten Gebäu­de, des­sen Stei­ne seit zwei­hun­dert Jah­ren roten Sand der Saha­ra wei­nen. Das war ein schö­nes Bild gewe­sen, und so berich­te­te ich ihr von mei­nen Gedan­ken, die seit Tagen um das Wesen der Tief­see­ele­fan­ten krei­sen. Sie woll­te alles ganz genau wis­sen, lach­te immer­zu, und dreh­te ein rotes Eis­schirm­chen in ihren Hän­den, dass mir ganz schwin­de­lig wur­de. Nach einer Wei­le unter­brach sie mich und kam näher und behaup­te­te ernst­lich, dass sie als Mäd­chen beim Tau­chen die­sen Wesen, Ele­fan­ti, genau so begeg­net sei, wie ich sie in Wor­ten gezeich­net hat­te, das heißt, jenen Rüs­seln, die aus der dunk­len Tie­fe rag­ten. Sie sind warm, sag­te sie, und weich, und wenn Du Dein Ohr an einen die­ser Rüs­sel legen wür­dest, könn­test Du was hören, sag ich Dir. Aber über die Mafia woll­te sie nicht spre­chen. Wir haben so schö­ne Land­schaf­ten dort, und Dör­fer, und das Meer, ja, das Meer. Dann war sie tod­mü­de zur Arbeit zurück­ge­gan­gen und ich war­te­te auf einen Zug und hör­te den Tun­nel­vö­geln zu und dach­te, wie son­der­bar das alles doch ist, ein Wun­der, das gan­ze Leben Tag und Nacht.
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sahara/ahorn

9

hima­la­ya : 1.28 — 1 hal­be Stun­de im Goo­gle­flug­zeug über die Saha­ra auf dem Bild­schirm. Leuch­ten­de, tür­kis­far­be­ne Flä­chen, aus­ge­dehn­te, sand­far­be­ne Ebe­nen, und Ber­ge, die rot sind, als wür­den an ihren Hän­gen Ahorn­hai­ne blü­hen. Da und dort Spu­ren mensch­li­cher Sied­lun­gen, gewür­fel­te Ker­ne. Pis­ten der Auto­mo­bi­le erschei­nen in der Stär­ke eines Haa­res. Etwas Wüs­ten­sand, von glü­hen­den Win­den him­mel­wärts getra­gen. Koral­len­stäu­be. Vipern­haut. Kamel­kno­chen­ge­stei­ne. Zeit­fer­men­te. So sicht­bar wie denk­bar. — Was sehe ich noch in die­sen Stun­den? — stop

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salznamen

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2.01 — Dass die Fische eines Schwarms kei­ne Namen tra­gen. Auch die Som­mer­fä­den eines August­him­mels oder die Mole­kü­le eines Was­ser­trop­fens sind kaum je beschrif­tet, wie der Sand einer Wüs­te ohne jede Bezeich­nung ist, sodass man eine Hand­voll Sand nicht auf einen Tisch wer­fen könn­te und sagen, die­ser klei­ne Stein hier, das ist S‑sa­ha­ra-No 537675258386. Ich sehe Dich, aber ich gebe Dir kei­nen Namen. Statt­des­sen ver­su­chen wir den Him­mel. Wir sagen: Das ist Gala­xie M‑23. Und die­ser blaue Nebel hier ver­dun­kelt die Gala­xie M‑C58. Unse­re elek­tro­ni­schen Augen sind emp­find­lich. Wir könn­ten mit die­sen Augen viel­leicht einen Golf­ball auf dem Mond erken­nen oder eine Tele­fon­zel­le auf dem Mars, nicht aber einen Stern hin­ter einem Stern in einer 7 Mil­lio­nen Licht­jah­re ent­fern­ten Spi­ral­ga­la­xie. Viel­leicht soll­te ich, wenn ich wie­der ein­mal auf­ge­regt sein wer­de, weil mir der Him­mel auf den Kopf zu fal­len droht, einen Tee­löf­fel Salz auf mei­nen Schreib­tisch schüt­ten und eine Zäh­lung und Bezeich­nung der Kris­tal­le vor­neh­men. Wie lan­ge Zeit wür­de ich zäh­len? Könn­te ich je wie­der auf­hö­ren? — stop

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