Aus der Wörtersammlung: echo

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animals

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echo : 10.02 – Ein leben­des Blatt Papier, nach wie vor hei­ter, wel­ches aus Mil­lio­nen mobi­ler Ein­hei­ten oder Per­sön­lich­kei­ten bestehen wür­de, könn­te immer dann als eine Rechen­ma­schi­ne betrach­tet wer­den, wenn jedes der zu dem Blatt gehö­ren­den Indi­vi­du­en für sich imstan­de wäre, zwei oder wei­te­re Zustän­de, etwa hell oder nicht hell, anzu­neh­men und den Sta­tus die­ser Selbst­ver­fas­sung mit­tels einer Spra­che an benach­bar­te Indi­vi­du­en wei­ter­zu­ge­ben. Ja, das ist denk­bar, eine Rechen­ma­schi­ne, die sich vor­sätz­li­cher Wei­se in Luft auf­lö­sen und wie­der aus der Luft her­aus ver­ei­nen könn­te. — stop

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einmal*

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echo : 22.58 — Ein­mal dach­te ich einen voll­stän­di­gen Tag ent­lang über die Grö­ße kleins­ter Schrift­zei­chen nach, die von einer mensch­li­chen Hand frei auf Papier gezeich­net sein könn­ten. Nachts träum­te ich von einem Jun­gen, der eine Appa­ra­tur pro­bier­te, die in der Lage sein soll­te, die Kör­per­tem­pe­ra­tur einer Frucht­flie­ge zu mes­sen. Wann sich die­ser Tag prä­zi­se ereig­ne­te, kann ich nicht mit Gewiss­heit sagen, da ich mei­ne Noti­zen auf einem Zet­tel schrieb, den ich hin­ter einem Schrank ent­deck­te. Ich weiß hin­ge­gen prä­zi­se, dass ich den Zet­tel vor zwei Wochen wie­der­ge­fun­den habe. Es kommt mir nun so vor, als hät­te sich der auf dem Zet­tel ver­zeich­ne­te Tag der Über­le­gung kleins­ter Schrift­zei­chen erst ges­tern ereig­net. — stop

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ein fahrrad

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whis­key : 5.16 UTC – Ein­mal, vor fünf Jah­ren sprach ich mit Mar­tha, die kürz­lich gestor­ben ist, über das Ver­ges­sen oder Ver­gess­lich­keit. Sie sag­te, dass man, wenn man wirk­lich vergess­lich wird, die­se Vergess­lich­keit nur dann bemerkt, wenn man dar­auf auf­merk­sam gemacht wird. An Tagen, da sie sich allein in ihrer Woh­nung auf­hal­te, kön­ne sie ver­ges­sen, soviel sie wol­le, es wür­de ihr selbst nicht und nie­mand ande­rem auf­fal­len, dass sie eigent­lich einen Film betrach­ten woll­te, aber auf dem Weg zum Fern­seh­gerät plötz­lich ein Buch auf dem Tisch ent­deck­te, wes­halb ihr Film­wunsch ver­lo­ren ging. – Lie­be Mar­tha, notier­te ich, Du hast ver­säumt, nach einem Text zu suchen, von dem ich Dir erzähl­te. Ich sen­de die­sen Text noch ein­mal und rufe Dich gleich an, damit Du ihn für mich vor­le­sen wirst. Hier ist der Text, den Mar­tha damals ver­mut­lich noch wahr­ge­nom­men hat­te. Er geht so: Eines der letz­ten beweg­ten Bil­der, die ich von mei­nem Vater in Erin­ne­rung habe, zeigt ihn, wie er in sei­nem Arbeits­zimmer am Com­pu­ter arbei­tet. Auf dem Bild­schirm sind dut­zen­de Programm­fenster geöff­net. Der alte Mann sitzt fast bewe­gungslos in sei­nem Ses­sel. Manch­mal tas­tet eine Hand durch die Luft, greift unsi­cher nach einem Glas Milch, bald stellt sie das Glas wie­der auf den Tisch zurück. Ich sehe einen Zei­ger über den Bild­schirm fah­ren. Ein wei­te­res Programm­fenster öff­net sich. Ein klei­nes Mäd­chen fährt in die­sem Fens­ter auf einem Fahr­rad über einen san­di­gen Weg. Sie bewegt sich in Schlan­gen­li­nien dahin, lacht hoch zur Kame­ra, die rück­wärts durch die Luft zu flie­gen scheint. Es ist ein hei­te­rer Film. Sobald der Film zu Ende ist, spielt ihn mein Vater von vorn ab. Aber dann öff­net sich wie von Geis­ter­hand noch ein Fens­ter, das den hei­te­ren Film ver­deckt. Eine Foto­grafie, Mut­ter nahe Lis­sa­bon an einem Strand. Neben ihr liegt der Mann, der vor dem Com­pu­ter sitzt, im Sand. Er trägt Turn­schuhe. Auch mei­ne Mut­ter trägt Turn­schuhe. Ich frag­te mich, wer die­se Auf­nah­me mach­te, und kom­me nicht dar­auf. Ein Schat­ten ist zu erken­nen, der Schat­ten eines Foto­grafen viel­leicht. In die­sem Moment ruft die Frau, die auf der Foto­grafie zu sehen ist, von unten, vom Wohn­zimmer her, dass das Mittag­essen bald fer­tig sei. Wie nun mein Vater sich an die Arbeit macht, alle Fens­ter, die er im Lau­fe des Vormit­tages geöff­net hat­te, wie­der zu schlie­ßen. Nein, alles muss aufge­räumt wer­den. Mein Vater steht nicht ein­fach auf, um sich sofort unsi­cheren Schrit­tes auf die Trep­pe zu wagen. Ich sehe, wie sich der Zei­ger auf dem Bild­schirm den Rah­men der Programm­fenster nähert. Er scheint das Sym­bol für das Schlie­ßen der Fens­ter zu suchen, aber das Sym­bol ist nicht zu entde­cken, nicht zu erken­nen. Der Zei­ger irrt auf dem Bild­schirm her­um, Fens­ter drän­gen sich in den Vorder­grund und ver­schwin­den wie­der. Dann kommt Mut­ter her­bei, sie ruft zärt­lich: Komm, komm, das Essen ist fer­tig. Schrit­te auf der Trep­pe. Das Geräusch der Bestecke. Das Zwit­schern der Vögel vom Gar­ten her. Im Zim­mer auf dem Schreib­tisch ist der Com­pu­ter längst einge­schlafen. – stop

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im garten. winter

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echo : 22.18 UTC — In einem Gar­ten sehen wir an die­sem Nach­mit­tag in der war­men Novem­ber­son­ne eine älte­re Dame knien. Mit­tels einer hand­li­chen Schau­fel gräbt sie zunächst einen schma­len Schacht, kurz dar­auf legt sie in den schma­len Schacht einen leb­lo­sen Vogel ab, dann ver­schließt sie den Schacht und mar­kiert das Gebiet, in wel­chem das Vögel­chen zu fin­den ist, mit einer Zif­fer, die sie aus fei­nen Stei­nen bil­det. Jetzt erhebt sie sich. Steht für einen Moment still, wir fol­gen ihrem Blick, der über zahl­lo­se Grä­ber der ver­gan­ge­nen Jah­re wan­dert. Rei­se und Leben der Vögel ende­te an einem Wohn­zim­mer­fens­ter des Hau­ses der alten Dame, das noch nie zer­bro­chen ist. In der Küche, in einer Schub­la­de, ruht ein Notiz­buch. Dort sind sorg­fäl­tig Num­mer der Grä­ber mit inne­woh­nen­den Vogel­gat­tun­gen ver­zeich­net: Sper­ling, Mei­se, Schwal­be, Dom­pfaff, Grün­ling, Rot­kehl­chen. Amseln feh­len. Aber zwei Igel sind da noch, sie sind nicht am Fens­ter zugrun­de gegan­gen, beer­digt wur­den sie trotz­dem. — stop
ping

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im juli

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echo : 0.10 UTC — Ein­mal, vor einem Jahr prä­zi­se, ging ich im Haus der alten Men­schen her­um. Da waren geöff­ne­te Türen, und da schau­te ich hin­ein in die Zim­mer. Ich beob­ach­te­te einen alten Mann, der vor sei­nem Roll­stuhl knie­te, und eine alte Dame mit schloh­wei­ßem Haar, die lag wie ein Mäd­chen, mit weit von sich gestreck­ten Armen und Bei­nen im Bett wie in einer Som­mer­wie­se. An einem wei­te­ren Tag beob­ach­te­te ich ein Bett, in des­sen Kis­sen­tie­fe ein klei­ner Mensch ruhen muss­te. Nur Hän­de waren von ihm zu sehen, die sich beweg­ten, die Schat­ten war­fen, die spiel­ten oder mit der Luft spra­chen, Stun­de um Stun­de, Tag für Tag. — Und jetzt ist ein Jahr spä­ter gewor­den, es ist Novem­ber, es ist Zeit zu berich­ten, dass der klei­ne unsicht­ba­re Mensch im August gestor­ben ist. Viel­leicht ist er an den Wir­kun­gen der Zeit gestor­ben oder aber in sei­nem Bett an den Fol­gen eines ohren­be­täu­ben­den Lärms, der auf ihn ein­wirk­te mona­te­lang, weil man das Haus über ihm um ein Dach­ge­schoss erwei­ter­te, wäh­rend er noch immer in sei­nem Bett lag. Aber das ist natür­lich nur eine Ver­mu­tung öder eine Befürch­tung oder eine Behaup­tung, nichts wei­ter. — stop

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sacca fisola

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echo : 18.12 UTC — Mit einem Mari­naio der Linea 2 um kurz nach drei kam ich des­halb ins Gespräch, weil der jun­ge Mann beob­ach­tet hat­te, wie ich eine hal­be Stun­de lang mei­ner­seits sei­ne Hän­de beob­ach­te­te, wie sie in einer ele­gan­ten oder läs­si­gen oder ganz ein­fach erprob­ten Art und Wei­se bei Annä­he­rung sei­nes Dampf­schiff­chens an eine Hal­te­sta­ti­on, an die­sen schwin­gen­den und tan­zen­den und auf und ab wip­pen­den Steg, der noch nicht Land ist aber auch nicht mehr Schiff, ein Tau zur Schlei­fe for­men, um es aus kur­zer Distanz um einen eiser­nen Höcker zu wer­fen und zu kno­ten. Es geht dann rasant, wie sich das Tau knar­zend win­det, wie es sich zuzieht, weil es nicht anders kann, weil es in sich gefan­gen ist, sir­ren­de Geräu­sche, die ich vor Tagen im Traum zu ver­neh­men mein­te, wes­we­gen ich erwach­te und glaub­te auf mei­nem Bett wür­de eine gewal­ti­ge See­mö­we Platz genom­men haben, die mich mit hell­blau­en Augen­di­oden anblitz­te. Es war dann doch das Leucht­werk eines Weckers gewe­sen, mit dem ich bis­lang nicht ver­traut wor­den bin. Ich weiß nun, das Kno­ten­ge­bin­de wird unter den See­leu­ten der Kanä­le als Dopi­no oder wahl­wei­se Nodo di otto bezeich­net. Der jun­ge Mann, der sich über mei­ne Begeis­te­rung freu­te, führ­te den Kno­ten mehr­fach in Zeit­lu­pe vor, hin und zurück, sodass ich die See­le des Kno­tens all­mäh­lich ver­ste­hen konn­te. Es war ein Frei­tag, es reg­ne­te leicht. Ich fuhr dann nach Giudec­ca zurück, besuch­te einen klei­nen Markt, ich glau­be, ich war der ein­zi­ge Frem­de an die­sem Ort gewe­sen. Ich kauf­te einen Peco­ri­no Sici­lia­no, 100 Gramm. Auch heu­te leich­ter Regen, der unver­züg­lich im Meer ver­schwin­det. — stop

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mercato

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echo : 22.08 UTC — Immer der Nase ent­lang spa­zier­te ich zum Markt, wo nach­mit­tags See­mö­wen stol­zier­ten über den Boden, den sie längst so gründ­lich durch­sucht hat­ten, dass Fisch gera­de noch als Erin­ne­rung feins­ter Mole­kü­le in der Luft zu fin­den war. Da lag noch etwas Eis auf dem Boden, erstaun­lich. In die­sem Augen­blick erin­ner­te ich mich an einen frü­hen Mor­gen vor vie­len Jah­ren. Ich trat damals zur Zeit der Däm­me­rung auf den Mar­kus­platz. So dicht ruh­te Nebel über der Lagu­ne, dass ich nur weni­ge Meter weit sehen konn­te. Ich ging sehr vor­sich­tig vor­an. Vor einem Kaf­fee­haus hielt ich an, setz­te mich auf einen Stuhl und war­te­te. Im Luft­was­ser­zim­mer, in dem ich Platz genom­men hat­te, hör­te ich Stim­men von Män­nern, die mit­ein­an­der spra­chen. Auch waren immer wie­der Pfif­fe zu hören, wie Rada­re oder Signal­tö­ne. Es waren Män­ner mit ver­mut­lich Rei­sig­be­sen, die den rie­si­gen Platz kraft ihrer Arme und Hän­de feg­ten. Auch Melo­dien waren zu hören gewe­sen. Ich war­te­te unge­fähr eine Stun­de und lausch­te. Nie habe ich einen die­ser Män­ner gese­hen, aber ich habe von ihnen viel­fach erzählt. Es scheint über­haupt die Zeit, da man sich in Vene­dig noch ver­lau­fen konn­te, vor­über zu sein für alle Men­schen, die über eine Schreib­ma­schi­ne mit GPS-Ver­bin­dung ver­fü­gen. Es ist, glaubt mir, ein Ver­gnü­gen, die­se Radar­schreib­ma­schi­ne aus­zu­schal­ten und los­zu­ge­hen und nach da und dort zu lau­fen, stets in dem Glau­ben, man wüss­te, wo man sich befin­det. Es bleibt dann nichts wei­ter zu tun, als nach einer hal­ben Stun­de die Schreib­ma­schi­ne her­vor­zu­ho­len und nach­zu­se­hen und sich zu wun­dern und zu freu­en. — stop
ping

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san marco

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echo : 8.15 UTC — In der ver­gan­ge­nen Nacht habe ich geträumt, wun­der­ba­re 5 Jah­re lang geschla­fen zu haben. Als ich erwach­te, fühl­te ich mich wohl, dann bemerk­te ich, dass ich im Was­ser stand bis zum Bauch. Das Was­ser war warm, es roch nach Tang und nach Salz und nach Öl in die­sem Augen­blick des Erwa­chens. Ich hör­te vor dem Fens­ter die Stim­men spie­len­der Kin­der. Ich sah mich um und dach­te: Was für ein schö­ner Anblick, all die­se Lich­ter, es muss Nacht sein, Schif­fe fah­ren her­um, die von Vögeln gezo­gen wer­den, als wären sie Pfer­de. Dann erwach­te ich erneut. Es war frü­her Mor­gen, anstatt Kin­der­stim­men, hör­te ich die hell pfei­fen­den Stim­men eini­ger See­mö­wen. Ich trat an ein Fens­ter, sah auf den Hof. Da waren tat­säch­lich Möwen. Sie ver­such­ten, Müll­tü­ten zu öff­nen. Man­che der Müll­tü­ten lagen auf dem Boden, ande­re hin­gen in den Bäu­men. Ich fand, die Möwen waren nicht sehr geschickt im Öff­nen der Müll­tü­ten. Plötz­lich hüpf­ten Kin­der auf der Gas­se her­um. Sie tru­gen Schul­ran­zen auf dem Rücken und Tele­fo­ne mit Bild­schir­men in ihren Hän­den. Immer wie­der blie­ben sie ste­hen und steck­ten die Köp­fe zusam­men und lach­ten. Ich bemerk­te, dass der Ole­an­der vor dem West­fens­ter im Hof zu blü­hen begann. Es waren rote Blü­ten. Ges­tern Abend habe ich Men­schen beob­ach­tet, die auf dem Mar­kus­platz um eine Öff­nung im Boden stan­den, aus wel­cher Was­ser sicker­te. Sie foto­gra­fier­ten, aber das Was­ser war sehr wenig, wes­we­gen sie her­an­zoo­men muss­ten. Auch waren da Men­schen, die Tan­go tanz­ten nach Melo­dien eines Kaf­fee­haus-Orches­ters. — stop



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