Aus der Wörtersammlung: sinn

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nehmen wir einmal an …

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fox­trott : 7.28 — Neh­men wir ein­mal an, ich wür­de gefragt, ob ich viel­leicht über ein wei­te­res Auge ver­fü­gen möch­te, ein wirk­li­ches drit­tes Auge, ein Auge für sich, ein Auge, mit dem ich in die Welt hin­aus­schau­en könn­te, was wäre zu tun? – Ruhe bewah­ren! – Nach­den­ken! – Ant­wor­ten! – Sehr bald ant­wor­ten, jawohl ja, das wäre ein fei­nes Geschenk, die­ses Auge wür­de ich sehr ger­ne und sofort ent­ge­gen­neh­men. Natür­lich wür­de das nicht so leicht sein, ich mei­ne, die Über­ga­be eines wei­te­ren Auges an mei­nen bereits exis­tie­ren­den Kör­per, wie man sich das viel­leicht vor­stel­len mag, nein, nein, das wäre sicher eine außer­or­dent­lich kom­pli­zier­te Geschich­te. Ein geeig­ne­ter Ort wür­de zu fin­den sein, an dem das brand­neue Sin­nes­or­gan an mei­nem Kör­per oder in mei­nem Kör­per mon­tiert wer­den könn­te, und ich müss­te mich viel­leicht zunächst ent­schei­den, wel­cher Art das Auge sein soll­te, ein gro­ßes, strah­len­des Schmuck­au­ge bei­spiels­wei­se, oder ein eher klei­nes, kaum sicht­ba­res Auge, ein gehei­mes Auge, sagen wir, um unbe­merkt die Welt um mich her­um unter­su­chen zu kön­nen. An die­sem schö­nen Nebel­mor­gen nun, ich bin noch nicht ganz wach gewor­den, wür­de ich Fol­gen­des fra­gen: Ist es even­tu­ell mög­lich, das Auge rech­ter Hand in den mitt­le­ren Fin­ger­knö­chel nahe dem Hand­rü­cken ein­zu­set­zen? Wann könn­ten wir damit begin­nen? Sind Sie noch bei Ver­stand, oder wie oder was? — Ja, so wür­de ich wohl spre­chen, genau die­se Bestel­lung wür­de ich auf­ge­ben. Stellt sich nun die Fra­ge, was wür­de ein Auge die­ser Art mit mei­nem Gehirn unter­neh­men? Wür­de es wach­sen? Und wohin wür­de es wach­sen? — Ich muss das nicht heu­te ent­schei­den! — stop

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kirschbaumgarten

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echo : 2.08 — Am Ende eines gelun­ge­nen Tages schon inmit­ten der Nacht. Mit Freun­den lan­ge durch ange­neh­men Wind spa­ziert. Leich­ter Regen, der noch warm ist vom Som­mer. Geräu­sche der Nacht­blü­ten, die mir von der Arbeit mei­ner See­le erzäh­len, vom genau­er und immer genau­er wer­den­den Blick auf eine unglück­li­che Geschich­te. Das Rascheln des Regens in den Blät­tern vor den geöff­ne­ten Fens­tern. Höre Charles Min­gus, wäh­rend ich einen Traum der ver­gan­ge­nen Nacht notie­re. In die­sem Traum besuch­te ich einen blü­hen­den Kirsch­baum­gar­ten. Ein wil­der Duft, von dem ich mir träu­mend erzähl­te, dass ich ihn eigent­lich nicht wahr­neh­men kön­ne, also nur erfun­den habe, weil ich im Schlaf befind­lich, über kei­nen Geruchs­sinn ver­fü­ge. Da war im Gar­ten ein papie­re­nes Band von Stamm zu Stamm gespannt, dar­auf eine hand­schrift­li­che Zei­le, unend­lich schein­bar, weil der Anfang und das Ende des Ban­des unsicht­bar. Ich kann mich nun an den Text, den die Zei­le auf dem Papier ent­hielt, nicht erin­nern, wohl aber an einen Mann, auf den ich traf, nach­dem ich der Zei­chen­stre­cke eine Wei­le lesend gefolgt war. Er hielt einen Blei­stift in der Hand, arbei­te­te, schrieb eine zwei­te Zei­le über die bereits vor­han­de­ne Zei­le, gleich­wohl einen Text, den ich nicht erin­ne­re. Für eine län­ge­re Zeit sah ich ihm schwei­gend zu, stand direkt hin­ter ihm und hör­te dann, wie er sag­te, ohne den Blick von sei­ner schrei­ben­den Hand zu neh­men, dass man manch­mal eine Varia­ti­on der eige­nen Lebens­zei­le schrei­ben müs­se, um ver­ste­hen zu kön­nen. Nichts löschen, sag­te der Mann, inter­pre­tie­ren, den­ken, nach­füh­len. — stop

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wasser

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echo : 2.15 — Seit Stun­den die Fens­ter weit geöff­net, und obwohl ich einen Pull­over tra­gen muss, um nicht zu frie­ren, hal­te ich die Nacht da drau­ßen für eine Som­mer­nacht. Es ist jetzt zwei Uhr und fünf­zehn Minu­ten. Soeben habe ich Joseph Brod­skys fein­sin­ni­ges Vene­dig Buch Ufer der Ver­lo­re­nen auf den Tisch gelegt, um eine Pas­sa­ge dar­aus abzu­schrei­ben. Als ich die Tas­ta­tur in eine güns­ti­ge Posi­ti­on rück­te, sehe ich gera­de noch, wie mei­ne Spring­spin­ne zwi­schen zwei Tas­ten ver­schwin­det, wes­halb ich zunächst nicht wag­te, auch nur ein Zei­chen ein­zu­ge­ben, um sie nicht viel­leicht zu ver­let­zen oder gar zu töten. Habe das klei­ne wei­ße Kla­vier dann über dem Schreib­tisch her­um­ge­dreht und etwas geschüt­telt und wenn ich mich nicht täu­sche, ist mein Freund unter die­ser uner­war­te­ten Bewe­gung her­aus­ge­fal­len. Natür­lich bin ich mir nicht ganz sicher, die Spin­ne ist sehr schnell, und des­halb schrei­be ich die­se und die fol­gen­den Zei­len sehr behut­sam, in einer Wei­se, sagen wir, die Joseph Brod­skys genau­er Beob­ach­tung und sei­nem prä­zi­sen Aus­druck ange­mes­sen ist. Über den Geruch schreibt er das Fol­gen­de: Ein Geruch ist schließ­lich auch eine Ver­let­zung des Sau­er­stoff­gleich­ge­wichts, ein Ein­bruch ande­rer Ele­men­te – Methan? Koh­len­stoff? Schwe­fel? Stick­stoff? Je nach Inten­si­tät die­ser Bei­mi­schung erhältst Du einen Duft, einen Geruch, einen Gestank. Es ist eine Fra­ge von Mole­kü­len, und Glück, so neh­me ich an, ist der Augen­blick, wenn Du die Ele­men­te Dei­ner eige­nen Zusam­men­set­zung im frei­en Raum gewahrst. Davon gab es eine beträcht­li­che Anzahl da drau­ßen, im Zustand tota­ler Frei­heit, und ich spür­te, dass ich in der kal­ten Luft in mein eige­nes Selbst­por­trait hinaustrat.

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sonnenphoton

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ulys­ses : 0.18 — Oft schon über das Licht nach­ge­dacht. Woher das Licht kommt und was geschieht, wenn das Licht auf einen Gegen­stand oder auf die Ober­flä­che eines Lebe­we­sens trifft. Was wäre, wenn ich ganz ohne das Licht aus­kom­men müss­te, wenn ich nur noch hörend oder mit mei­nem Tast­sinn die Welt erfah­ren könn­te? — Ein­mal habe ich ver­sucht, den Moment wahr­zu­neh­men, da die Mor­gen­däm­me­rung ein­setz­te, aber ich konn­te nicht bestim­men, wann genau das ers­te Pho­ton mein Auge berühr­te. — stop

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savanne

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5.57 — Träum­te hoch­ge­wach­se­ne afri­ka­ni­sche Frau­en, Nacht­läu­fe­rin­nen, die wei­te Stre­cken durch Wäl­der eil­ten. Unent­wegt spra­chen sie mit Funk­ge­rä­ten, aus wel­chen meter­lan­ge, geschmei­di­ge Anten­nen rag­ten. — Muss ich die Exis­tenz der Kie­men­men­schen in einem Text begrün­den? Kann ich in der Nähe des Wor­tes Kie­men­mensch, das Wort Frosch­mann für einen Tau­cher noch sinn­voll ver­wen­den? — stop

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