Aus der Wörtersammlung: sinn

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animals

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echo

~ : louis
to : Mr. sta­nis­law lem
sub­ject : ANIMALS

Hoch­ver­ehr­ter Herr Lem, Sie wer­den, neh­me ich an, noch nie von mir gehört haben. Ich hei­ße Lou­is. Seit vie­len Jah­ren bin ich ein stil­ler Bewun­de­rer Ihrer Kunst. In der Nähe mei­nes Schreib­ti­sches hängt des­halb eine Foto­gra­fie, die Sie in schwar­zer und wei­ßer Far­be zeigt, an einer Wand. Immer wie­der, wenn ich Sie dort betrach­te, den­ke ich, dass ihre Augen, ihr Blick, von der Wei­te der Welt erzäh­len, die sich in ihrem Kopf ent­fal­tet, dass man über­haupt die Groß­zü­gig­keit eines Geis­tes in sei­nen Augen zu erken­nen ver­mag. Eines Ihrer Bücher nun habe ich wie­der gele­sen in den ver­gan­ge­nen Tagen, weil ich mich erin­nert hat­te, dass Sie dort von win­zi­gen gefähr­li­chen Wesen berich­te­ten, Mikro­ben, die Waf­fen­pan­ze­run­gen jeder Art in Sekun­den­schnel­le zu durch­drin­gen in der Lage sind. Eine beun­ru­hi­gen­de Vor­stel­lung natür­lich. Ich hof­fe, das bald wie­der zur Sei­te legen zu kön­nen, gera­de auch des­halb, weil ich mich in die­sen Wochen per­sön­lich mit kleins­ten Wesen beschäf­ti­ge. Soll­ten Sie in der Lage sein, mei­ne Arbeit von höhe­rer Stel­le aus zu beob­ach­ten, dann wer­den Sie bald erken­nen, es geht um leben­de Papie­re, um ihren Geist, um ihr Ver­hal­ten und alle die­se Din­ge, die eine for­schen­de Per­son begeis­tern von früh bis spät. In die­sem Sin­ne sen­de ich Ihnen aller­bes­te Grü­ße. – Louis

gesen­det am
10.03.2010
22.56 MEZ
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marie

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alpha : 0.02 — Zwei Stun­den mit Anna Thom­son, mit Sue in New York, mit einer Frau, die an Ein­sam­keit und Alko­hol zugrun­de geht. Wollt gern hin­ter die elek­tri­sche Haut mei­ner Film­ma­schi­ne sprin­gen, um der Geschich­te eine glück­li­che Wen­dung zu geben. Ein­mal hielt ich die Geschich­te ein­fach an, in dem ich ihr wei­te­ren Strom ver­wei­ger­te. Aber das ergab natür­lich kei­nen Sinn, weil Geschich­ten, wie die­se Geschich­te, sich so lan­ge fort­set­zen im Kopf, bis sie zu Ende gekom­men sind. Und an Marie habe ich gedacht, an Marie, jawohl. Wie sie ver­rückt gewor­den ist. Als ich Marie zuletzt gese­hen habe, lag sie im Flur ihrer Woh­nung auf dem Boden her­um und sah Geckos an den Wän­den sit­zen und ihre Zäh­ne klap­per­ten und ich muss­te aus der Bar im Erd­ge­schoss eine Fla­sche Cognac holen und sie damit füt­tern, damit sie wie­der so ruhig wer­den woll­te, dass ich sie zu ihrem Bett füh­ren konn­te. Aber dort kamen ihr die Geckos sofort wie­der und spa­zier­ten über die Decke und sie muss­te sie mit einem wei­te­ren Glas aus dem Zim­mer fegen und ihr Kör­per gab rest­los nach und sie schäm­te sich, obwohl ich ihr flüs­ter­te, dass das nicht so schlimm sei, dass ich ihr hel­fen wür­de, sich zu waschen, dass sie jetzt end­lich auf­hö­ren müs­se, die­se ver­damm­ten Fil­me zu dre­hen, und dass sie den Schwei­zer zum Teu­fel jagen sol­le, der nicht ein Freund sei, son­dern ein mie­ser, klei­ner Kun­de, der nur dann in ihrem Wohn­zim­mer über sie her­fal­len wol­le, wenn sie so betrun­ken gewor­den sei, dass er sich vor ihr nicht mehr fürch­ten müs­se. Aber Marie hör­te mich nicht, son­dern wein­te und ver­lor schnell das Bewusst­sein und ich hol­te den Not­arzt und wir fuh­ren in ein Hos­pi­tal, wo man sie schon kann­te. Und wie ich das jetzt so schrei­be, erin­ne­re ich mich, dass Marie ein­mal über das Tele­fon eine uralte Geschich­te erzähl­te. Sie habe zu sich gesagt, so die Geschich­te, dass sie jetzt auf­hö­ren wer­de. Schluss mit dem gan­zen Wahn­sinn, Schluss mit Por­no­bang­bang, Schluss mit der Trin­ke­rei. Sie habe alte Schul­freun­din­nen ein­ge­la­den zu sich in die Woh­nung. Sie habe zunächst einen Apfel­stru­del geba­cken und alles habe sehr schön nach Vanil­le geduf­tet. Sie habe noch die gan­ze Woh­nung auf den Kopf gestellt und nur ein ganz klein wenig getrun­ken und kaum sei sie fer­tig gewe­sen mit der Put­ze­rei, sei­en die Freun­din­nen ange­kom­men, so sei­en sie her­ein­spa­ziert, als wür­den sie einen zoo­lo­gi­schen Gar­ten besu­chen. Sie haben, sag­te Marie, Marie gefragt, ob Marie ihre Woh­nung sham­poo­niert habe. Die haben sich nicht mal gesetzt! Und so ist Marie also ver­rückt gewor­den. — Ich geh’ jetzt noch ein paar Schrit­te wan­dern im Schnee. — stop

ping

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parachute jump

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zulu

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
sub­ject : PARACHUTE JUMP

Jona­than, bes­ter Freund, wie es Ihnen wohl gehen mag? Haben Sie Weih­nach­ten unter Tan­nen in einem Zelt ver­bracht? Haben Sie viel­leicht ver­geb­lich ver­sucht, mich zu errei­chen? War ver­reist für ein paar Tage, hat­te eine gute Zeit. Rei­sen, das ist wie träu­men, ver­ste­hen Sie! Als ich eines Mor­gens, noch schlaf­trun­ken, in mei­ne Woh­nung zurück­kehr­te, blüh­ten vor den Fens­tern Kak­teen. Sie duf­te­ten, wie nur Kak­teen duf­ten, süß und kräf­tig, und ich wun­der­te mich, wie das gekom­men sein mag, alle zur sel­ben Zeit, alle im Win­ter. Eine Nach­richt war da noch auf Band gespro­chen. Mrs. Mon­terey erzählt, sie habe in ihrem Hotel im Bear Sta­te Park, einem Wan­de­rer ein Zim­mer ver­mie­tet, einem Mann, groß und schweig­sam. Die­ser Mann soll Ihnen, lie­ber Kek­ko­la, der­art ähn­lich gewe­sen sein, dass Sie’s höchst­per­sön­lich gewe­sen sein müs­sen. Das will ich nun glau­ben, wün­schen, hof­fen Kraft mei­ner Kin­der­see­le. Kein Wort habe der Mann gespro­chen, statt­des­sen selt­sa­me Zei­chen in die Luft geschrie­ben. Ich ken­ne die­se Zei­chen! Die Spra­che der Tau­cher! Und wenn ich das in die­ser Wei­se schrei­be, wer­ter Jona­than, wer­den Sie schon ein­se­hen, dass es sinn­los ist, so zu tun, als sei­en Sie nicht mehr am Leben. Bald wirds meter­hoch schnei­en und wir wer­den alle unter­ge­hen. Erwar­te Sie am Strand von Coney Island, Höhe Parach­u­te Jump / 2. Mai 3 pm. – Ihr Lou­is, Ihr Schneemann.

gesen­det am
6.01.2010
22.50 MEZ
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lou­is to jonathan
noe kekkola »

 

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napapiin

9

india : 6.22 — Schau­te gegen den Him­mel. Bemerk­te, dass sich die Dun­kel­heit wie eine Flüs­sig­keit ver­hielt. Vögel hüpf­ten in die­ser feuch­ten Licht­lo­sig­keit in Kas­ta­ni­en­bäu­men von Ast zu Ast, ein traum­ar­ti­ges Bild. Viel­leicht habe ich etwas gese­hen, das ich nur des­halb beob­ach­ten konn­te, weil ich ohne jeden Grund auf der Stra­ße stand, wie aus einem Ver­se­hen her­aus, ein Mann, der die fal­sche Tür genom­men hat­te. Jetzt, etwas spä­ter, ahne ich, dass ich dort vor dem Haus gelan­det war, weil ich ins­ge­heim wünsch­te, mit mei­nen Gedan­ken an den gewalt­sa­men Tod eines Tor­hü­ters, unter frei­em Him­mel zu ste­hen. Und wie ich so war­te­te, hör­te ich die Stim­me sei­ner muti­gen, jun­gen Frau in mei­nem Kopf, eine Stim­me, die ver­such­te, von all dem Wahn­sinn, dem Wahn­sinn des Ver­heim­li­chens zu spre­chen. Da war ein­mal ein Mensch gewe­sen, der nicht wei­ter­le­ben konn­te, der ster­ben muss­te, weil er sei­ne Ver­letz­lich­keit, sei­ne Schwä­che, sei­ne Mensch­lich­keit nicht zei­gen durf­te oder glaub­te, sie nicht zei­gen zu dür­fen. So könn­te das gewe­sen sein. Ein Mensch, der lan­ge Zeit über Was­ser has­te­te. So weit ist er gelau­fen, dass kein Land mehr zu sehen, kein Laut mehr zu hören gewe­sen war. — 2 Uhr und fünf­zehn Minu­ten. Die Welt dreht sich, um einen Atem­zug lang­sa­mer gewor­den, wei­ter, immer wei­ter. Soeben wur­de amt­li­cher­seits die Öff­nung fol­gen­der Weih­nachts­post­äm­ter, nörd­li­che Hemi­sphä­re, bekannt gege­ben: Nord­pol-Grön­land San­ta Claus Nord­po­len, Jule­man­dens Post­kon­tor DK-3900 Nuuk / Finn­land Santa’s Main Post Office FIN-96930 Napa­pi­in / USA San­ta Claus India­na 47579.
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srebrenica

9

marim­ba : 14.05 – Zur Zeit unse­rer ers­ten Begeg­nung war Anisha zwan­zig Jah­re alt gewe­sen, hat­te gera­de ihr Medi­zin­stu­di­um auf­ge­nom­men und ging gern spa­zie­ren, wäh­rend ich Fra­gen stell­te, zum Bei­spiel, ob es für sie, eine Mus­li­ma, nicht schwie­rig sei, mensch­li­che Kör­per zu zer­glie­dern. Ich erin­ne­re mich, auch im Prä­pa­rier­saal lief sie gern her­um, immer­zu muss­te ich nach ihr suchen und ich such­te gern, weil sie oft fein­sin­ni­ge Gedan­ken in mein klei­nes Ton­band­ge­rät dik­tier­te. Ein­mal stan­den wir in einem Waren­haus vor Fern­seh­ge­rä­ten. Ein Doku­men­tar­film wur­de gezeigt, Sre­bre­ni­ca, wie die Bür­ger der Stadt an ser­bi­sche Trup­pen aus­ge­lie­fert wur­den. Eine Wei­le schau­te Anisha schwei­gend zu. Dann erzähl­te sie in kur­zen Sät­zen eine schwer­wie­gen­de Geschich­te. Das digi­ta­le Auf­nah­me­ge­rät lief wei­ter, wäh­rend ich ihr zuhör­te, wes­we­gen ich ihre Stim­me bald dar­auf mit mir neh­men konn­te, und ich notier­te ihre Bemer­kun­gen so genau wie mög­lich. Ges­tern Abend nun las ich Anisha per­sön­lich vor, was ich damals ein­ge­fan­gen hat­te. Ein selt­sa­mer Moment. Der Ein­druck, dass erst jetzt, sehr viel spä­ter, mit jedem gele­se­nen Wort mein Text authen­tisch wur­de. Die Geschich­te geht so: Stell Dir Män­ner vor, die Apri­ko­sen­bäu­me rau­chen. Wenn Abend wird, zün­den wir Ker­zen an, die wir aus dem Öl der Fisch­kon­ser­ven fabri­zie­ren. Und dann ist Nacht. Mut­ter steht am Fens­ter. Und dann ist Mor­gen und die schwe­ren Män­tel, die wir als Nacht­hem­den tra­gen, sind kalt gewor­den. Anstatt der Häh­ne unse­res Dor­fes, die wir längst gefres­sen haben, krä­hen uns Schüs­se an. Ich sehe die dür­ren Fin­ger mei­nes Vaters, die in sei­nem Gesicht nach Aus­we­gen gra­ben. Sie kom­men über eine graue Woll­de­cke spa­ziert und put­zen mir den Ruß von der Nase. Mut­ter steht immer noch am Fens­ter. Sie summt vor sich hin. Und dann gehen wir fort. Ich tra­ge einen Kof­fer, der groß ist wie ich. Auf einer Wie­se bren­nen Kühe.
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peter bichsel : lesen macht arbeitsunfähig

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marim­ba : 3.28 – Ich habe die Film­stim­me eines Schwei­zer Schrift­stel­lers gehört, den ich seit vie­len Jah­ren sehr ger­ne lese, weil sei­ne Sät­ze in mei­nem Kopf ein Gefühl von Klar­heit, Frei­heit und ange­neh­mer Küh­le bewir­ken. Ich weiß, dass das natür­lich Unsinn ist, weil ich mit mei­nem Gehirn unmit­tel­bar kei­ne Tem­pe­ra­tu­ren wahr­zu­neh­men ver­mag, und doch immer wie­der der Ein­druck pola­rer Luft, ein Knis­tern. Der Mann, von dem ich spre­che, heißt Peter Bich­sel. Er fährt gern ziel­los in Zügen her­um, weil er in Zügen aus­ge­zeich­net notie­ren kann. Ich stel­le mir vor, wie die Men­schen des Zuges, Land­schaf­ten, Schie­nen, Schwel­len, Abtei­le, unmerk­lich zu Tei­len einer beson­de­ren Schreib­ma­schi­ne wer­den. Als Kind, erzählt Peter Bich­sel, habe er sich dar­auf gefreut, ein alter Mann zu sein. Er habe damals nicht gewusst, dass ein Groß­va­ter nicht ewig ein Groß­va­ter blei­be, son­dern das Leben noch älter wird, und der Groß­va­ter dann stirbt. — stop
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top secret

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india : 2.15 — Wie eigen­ar­tig, dass wir Men­schen seit Jahr­tau­sen­den bereits unse­ren Erfin­dun­gen nicht gewach­sen sind. Es ist die Geschwin­dig­keit der Gegen­stän­de einer­seits, die Lang­sam­keit der Men­schen ander­seits, die töten. Und Mord­lust. Und Ein­sam­keit, Ver­zweif­lung, Wut, Irr­sinn, Spiel­trieb, Gier. — stop

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eine frage der winde

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echo : 2.26 — Eine jedem Pro­pel­ler­kä­fer zutiefst ver­bun­de­ne Lei­den­schaft ist, auf Bäu­men zu sit­zen und nach Win­den Aus­schau zu hal­ten. Sie sind in die­sem War­ten und Schau­en außer­ge­wöhn­lich gedul­di­ge Per­sön­lich­kei­ten. Wochen, gar Mona­te sit­zen sie kaum wahr­nehm­bar in Gestalt klei­ner Zigar­ren auf knor­ri­gen Ästen, Stäm­men und Blät­tern her­um, indes­sen sie ihre Augen stets geöff­net hal­ten, blaue, sehr blaue Augen, auch wenn sie schla­fen, was nicht ganz sinn­voll zu sein scheint, weil doch her­an­we­hen­de Win­de eher zu hören, als zu sehen sind. Wenn man nun einen Pro­pel­ler­kä­fer bei sei­ner lei­den­schaft­li­chen Arbeit, ins­be­son­de­re den Prä­lu­di­en sei­ner Arbeit beob­ach­ten möch­te, soll­te man gedul­dig sein und immer­fort an sei­ner Sei­te, weil man nie vor­her­sa­gen kann, ob ein Wind, der sich näher­te, unse­rem Pro­pel­ler­kä­fer gefal­len wird. Man­che Win­de, so selt­sam das erschei­nen mag, noch feins­te Stür­me, die vom Meer her kom­men, las­sen unse­ren Pro­pel­ler­kä­fer voll­kom­men kalt, wäh­rend bereits die lei­ses­te Ahnung ganz ande­rer Win­de, hef­tigs­te Erre­gung erzeu­gen kann. Dann, von einer Sekun­de zur ande­ren, ändert der Pro­pel­ler­kä­fer sei­ne Far­be, ob er will oder nicht, er sieht jetzt ein wenig so aus, als wür­de Feu­er in ihm bren­nen. Sei­ne Füße indes­sen haben klei­ne Zehen aus­ge­fah­ren, Fan­ta­sien der Natur, rein nur zur Ver­an­ke­rung aus­ge­dacht, weil der Pro­pel­ler­kä­fer sich sofort wild ent­schlos­sen mit jedem sei­ner Pro­pel­ler gegen den Wind stem­men wird. Stür­me, gera­de Stür­me will er fan­gen. So sitzt er mit geschlos­se­nen Augen hin­ter pfei­fen­den Roto­ren bebend und knis­tert und war­tet, war­tet, bis all das wil­de Wet­ter vor­über­ge­zo­gen sein wird. Der Ord­nung hal­ber sei Fol­gen­des noch rasch gemel­det: Pro­pel­ler­kä­fer sind fried­vol­le, aber doch gefähr­li­che Wesen, sobald sie auf­ge­la­den sind. Mal haben sie sechs, mal acht, mal zehn Pro­pel­ler, die sie je in ihrem Leib ver­ber­gen, um für Wochen, für Mona­te wie­der zur Baum­zi­gar­re zu wer­den. Jetzt hören wir sie lei­se und zufrie­den knal­len. — stop

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feuerbäume

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nord­pol : 2.15 — Im Süden, in den Ber­gen, liegt ein Tal in gro­ßer Höhe, eine Hoch­ebe­ne, die dicht von Ahorn­bäu­men bewach­sen ist. Jedes Jahr im Herbst möch­te man mei­nen, ein gro­ßes Feu­er sei im Tal unter den Bäu­men aus­ge­bro­chen, eine Feu­ers­brunst, die nicht nur alle die ver­wit­ter­ten Bäu­me ver­schlin­gen woll­te, son­dern gleich noch ein paar Berg­gip­fel und Dör­fer dazu. Aber das ist natür­lich Unsinn, die Luft ist für ein wirk­li­ches Feu­er viel zu kalt und die Wie­sen unter den Bäu­men sind saf­tig und feucht. Libel­len, schon lang­sam gewor­den, flie­gen auf und ab. Sie ahnen den Win­ter, wie die Sumpf­dot­ter­blu­men, die mor­gens nur noch außer­ge­wöhn­lich auf­ste­hen wol­len. Nichts Auf­re­gen­des also in die­ser Land­schafts­be­schrei­bung. Alles das kommt vor in den Ber­gen, auch Schu­len blut­jun­ger Ken­tau­ern, die in der Däm­me­rung ver­geb­lich nach Hasen jagen. Wenn da nicht jene selt­sa­men Pil­ze wären, die noch ohne Namen sind, weil man sich bis­her nicht eini­gen konn­te, ob sie nun tat­säch­lich noch Pil­ze oder nicht doch schon ganz ande­re Wesen sind. Solan­ge das Son­nen­licht ins Tal ein­fal­len kann, ver­ste­cken sie sich zwi­schen den Grä­sern der Berg­wie­se in Gestalt der Bovis­te, sobald es aber dun­kel gewor­den ist, ich kann ihnen sagen, flie­gen sie los. Sie ent­fal­ten Schir­me von unglaub­li­cher Grö­ße und leuch­ten in zitro­nen­gel­ber Far­be und schwe­ben stun­den­lang und laut­los dicht über die Kro­nen der Ahorn­bäu­me dahin. Was haben Pil­ze dort oben am Him­mel ver­lo­ren? Und wie fin­den sie wie­der zurück auf die Erde? War­um über­haupt kom­men sie zurück? Selt­sa­me Sub­stan­zen. Ich muss das im Auge behal­ten. – Es ist jetzt kurz nach 2 Uhr. Eigent­lich hat­te ich vor, einen klei­nen Brief an Kenzabu­ro Oe zu schrei­ben, um ihm mit­zu­tei­len, dass Mrs. Cal­las ges­tern in den frü­hen Mor­gen­stun­den end­gül­tig abrei­sen konn­te, dass sie für mich wie­der zu rei­nen Schrift­zei­chen gewor­den ist. Für die­sen Brief ist es jetzt zu spät. Wer­de mor­gen eine Depe­sche notie­ren. — stop

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die liebe der zeppelinkäfer

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india : 2.12 — Schon weit nach Mit­ter­nacht, aber immer noch ein spä­ter Abend sum­men­der Luft. Habe drei lan­ge Stun­den ver­sucht 18.924.150 Zei­chen des mensch­li­chen Genoms als Sequenz in mein Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm zu laden. Immer wie­der schei­tert die For­ma­tie­rung mit der Sei­te 32.678 des Doku­ments, als ob mei­ne Com­pu­ter­ma­schi­ne sagen woll­te, die­sen Unsinn mache ich nicht län­ger mit. — Nun aber rasch noch einen ernst­haf­ten Gedan­ken notie­ren. Neh­men wir ein­mal an, es wäre mög­lich, einen Käfer zu ent­wi­ckeln, sagen wir, einen Zep­pel­in­kä­fer, der nahe abso­lu­ter Schwe­re­lo­sig­keit unter letz­ten Mole­kü­len von Sau­er­stoff schwe­bend Ozon pro­du­zie­ren wür­de, dann könn­te man sich einen zwei­ten Käfer vor­stel­len, einen Zep­pel­in­kä­fer gleich­wohl, der eine Käfer­da­me sein soll­te, die sich natür­lich sofort ver­lie­ben wird, wes­halb wir bald einen Nebel kleins­ter, sehr gefrä­ßi­ger Zep­pel­in­kä­fer vor uns am Him­mel sehen wür­den. — Eine beru­hi­gen­de Vor­stel­lung, sagen wir, sehr beru­hi­gend. — Was aber fres­sen sie dort oben, wo es doch nichts gibt außer Mond, Stern und Son­nen­licht? Man könn­te eine Gat­tung wei­te­rer Käfer erfin­den, Käfer, die sehr schmack­haft sind und lei­den­schaft­lich ger­ne, sobald man sie frei­las­sen wird, hin­ter die Wol­ken stei­gen, um sich ihren Freu­den, den Zep­pel­in­kä­fern, mit allem, was sie sind und haben, hin­zu­ge­ben. — Ich soll­te sofort ein kom­bi­nier­tes Patent versuchen.

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