Aus der Wörtersammlung: wort

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anatomische stille

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hima­la­ya : 6.05 — Viel­leicht kann ich sagen, dass ich dann lei­den­schaft­lich an einem Gegen­stand, an sei­ner Ver­wand­lung in Zei­chen, in Spra­che arbei­te, wenn ich immer und immer wie­der zu ein­zel­nen Wör­tern zurück­keh­re, weil sie bis­her nicht die rich­ti­gen Wör­ter sind für dies oder das, oder weil über­haupt noch kein geeig­ne­tes Wort bekannt gewor­den ist, um einen bestimm­ten Ort, eine sel­te­ne Stim­mung, eine beson­de­re Far­be, ein atem­lo­ses Geräusch wie­der­ge­ben zu kön­nen. Mein Prä­pa­rier­saal bei­spiels­wei­se, fast voll­stän­dig schon in Zei­len über­setzt, da und dort aber noch die wei­ße Stil­le des Papiers, eine Mor­gen­stil­le, sagen wir, wie ich allein dort im Saal unter Toten sit­ze. Sie sind noch bedeckt von feuch­tem Tuch, und so schlie­ße ich die Augen und notier­te, was ich hören kann. Das knis­tern­de, sau­sen­de Geräusch einer Ven­ti­la­tor­ma­schi­ne. Eine Ambu­lanz von der Stra­ße her. Das Ticken der Saal­uhr minu­ten­wei­se. Die Kör­per aber, ein­hun­dert Kör­per, sind still. Und doch sind sie nicht ohne Laut, weil ich ihre Stil­le zu hören mei­ne. Auch in die­ser Nacht wie­der ver­geb­lich nach dem einen mög­li­chen Geräu­schwort ihrer Abwe­sen­heit gesucht. — stop

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taube

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nord­pol : 0.08 — Kürz­lich im Traum im Park ein Gespräch mit einer Tau­be, geräusch­los war sie auf mei­ner lin­ken Schul­ter gelan­det. Ich erkun­dig­te mich, wes­halb sie und alle ihre Tau­ben­freun­de so tief, so dicht über den Boden flie­gen wür­den an die­sem schö­nen Som­mer­tag. Die Tau­be ant­wor­te­te: Über das Licht, das aus dem Boden kommt, wis­sen wir alles. Heu­te viel Son­ne von unten. Sie späh­te dann in das Buch, das ich mir zu lesen vor­ge­nom­men hat­te. Und weil sie sehr viel schnel­ler las als ich, zerr­te sie unge­dul­dig an mei­nem Ohr­läpp­chen, sobald sie war­ten wuss­te, bis ich end­lich wei­ter­blät­ter­te. – Ana­to­mi­sche Arbeits­wör­ter des Abends : Lobus Tem­po­ra­lis : Man­del­kern : Hip­po­cam­pus : Tha­la­mus. — stop

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transistoren

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hima­la­ya : 0.02 — Wie wür­de Han­nah Are­ndt über das Wag­nis der Öffent­lich­keit for­mu­lie­ren in unse­rer Zeit, in einer Zeit, da Men­schen ohne jede Scheu und in gut begrün­de­ter Vor­aus­sicht, zutiefst ver­letzt zu wer­den, mit Wor­ten, Bil­dern, Fil­men öffent­lich in intims­te Win­kel ihrer See­len leuch­ten? Ein­mal, als Com­pu­ter noch mit­tels Tran­sis­tor­röh­ren rech­ne­ten, bemerkt sie mit ihrer tie­fen, rau­en Stim­me, das Wag­nis der Öffent­lich­keit sei für eine Per­son nur mög­lich im Ver­trau­en auf die Mensch­lich­keit der Men­schen selbst. — stop

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lufträume

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echo : 6.08 — Ein­mal, früh­mor­gens, kam ein schläf­ri­ges Mäd­chen zu mir in die Küche, setz­te sich auf mei­ne Knie und sag­te: Du, Lou­is, ich muss Dir was erzäh­len. Ein Mann lebt in Ame­ri­ka. Er lässt sich sei­nen Kopf abneh­men und auf einen Affen ver­pflan­zen. — War­um, frag­te ich, will der Mann das tun? — Bei dem Mann lebt nur noch der Kopf, ant­wor­te­te das Mäd­chen und gähn­te. – War­um nur noch der Kopf, frag­te ich. — Er ist gelähmt. — Und der Affe? — Der Affe nicht. — Was geschieht mit dem Kopf des Affen? — Weiß nicht, sag­te das Mäd­chen, und stürm­te davon.

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eliza

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tan­go : 0.01 — 2.15 — Schrift in ana­to­mi­schen Notiz­bü­chern, die so fremd wie ver­traut ist, Zei­chen mecha­ni­scher Über­for­de­rung mei­ner Hand im Moment der Ent­ste­hung. Manch­mal, wenn mein Gehirn denkt, was es sieht, kann ich noch rasch Bojen wer­fen, – Wort­bo­jen / Satz­bo­jen -, auf klei­ne­re Zet­tel und spä­ter Erin­ne­rung, Rekon­struk­ti­on ver­su­chen. Was ist das für ein selt­sa­mer Schat­ten! stop – Kurz­ge­spräch mit Eli­za
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Eli­za: > hal­lo, ich bin eli­za. erzäh­le mir von dei­nem problem.
Lou­is : ich habe kein pro­blem, eliza!
Eli­za: > wenn du dein pro­blem nicht kennst, bist du hier genau richtig.
Lou­is : ich muss lachen!
Eli­za:> wie fühlst du dich jetzt?
Lou­is : ich habe gelacht!
Eli­za:> hat dir jemand gesagt, dass du gelacht hast?
Lou­is : Ich habe gehört, wie ich gelacht habe!
Eli­za:> bist du besorgt dar­über, dass du gehört hast, wie du gelacht hast?
Lou­is: nein, nicht wirklich!
Eli­za:> bist du dir auch ganz sicher?
Lou­is: ja, ich bin mir sicher.
Eli­za:> viel­leicht hast du recht.

vom spre­chen mit eilza »

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