![]()
echo : 3.58 – Funk is what you play. And it’s also what you don’t play. It is very important in funk what you don’t play. Melvin Parker in der 52. Minute des Films „Maceo Parker — My First name is Maceo“ — stop
![]()
![]()
echo : 3.58 – Funk is what you play. And it’s also what you don’t play. It is very important in funk what you don’t play. Melvin Parker in der 52. Minute des Films „Maceo Parker — My First name is Maceo“ — stop
![]()
![]()
foxtrott : 0.28 – Einmal nur für kurze Zeit die unverrückbare Grenze des Todes mittels eines Funkgerätes überschreiten. Ich stellte mir vor, ich könnte ein Gespräch führen mit einem Selbstmordattentäter, sagen wir mit MMK. Ich berichtete O. von dieser Idee. Ich sagte, stell Dir einmal vor, ich würde folgende Sätze sprechen: Lieber MMK, jetzt bist Du also tot, Du hast Deinen Auftrag zur vollen Zufriedenheit Deiner Vorgesetzten erfüllt, Du hast Dich in die Luft gesprengt, in alle Himmelsrichtungen sind Teile Deines Körpers davongeflogen. Wie geht es Dir jetzt? Wo bist Du, mein Freund? — O., der interessiert zugehört hatte, antwortete: Sag, lieber Louis, was erwartest Du denn, was MMK antworten würde? Ehe ich sprechen konnte, setzte O. fort, er sagte: Ich nehme an, Du wirst daran denken, dass er Dir sagen wird: Kein Paradies. Dunkel. Nichts. Ich bin allein, verdammt. Er schaute mich bedeutungsvoll an. Was aber, lieber Louis, machst Du, wenn er Dir erzählt, dass er im Paradies angekommen sei, dass alles noch wunderbarer sei, als je vorgestellt, ja, was machst Du dann, mein Junge? — stop
![]()
![]()
nordpol : 10.22 – Ich beobachte das Fernsehgerät. Eine Reporterin des amerikanischen Fernsehens berichtet aus St. Denis, einer kleineren Stadt nordöstlich der größeren Stadt Paris. Sie erzählt in Echtzeit fünf lange Stunden lang. Die Sendung beginnt gegen 4 Uhr morgens, da ist es noch dunkel am Himmel, aber eine Straße der kleineren Stadt wird hell erleuchtet von Blaulicht und Scheinwerfern der Kameras, die nach Bildern und Geräuschen eines schweren Kampfes suchen. Schüsse sind zu hören, rhythmisch, drei oder vier dumpfe Detonationen. In Hauseingängen, vor Straßenecken, auf einer Kreuzung warten Polizisten und Soldaten, sie bewegen sich so, als wäre tiefster Winter, sie scheinen überhaupt nervös zu sein. Hinter der Flucht alter Häuserfassaden, die auf dem Bildschirm in einer scheinbar unverrückbaren Einstellung zu sehen ist, tobt dieser Kampf, das ist sicher, es heißt, eine Frau habe sich mittels eines Sprengstoffgürtels getötet, von Festnahmen wird berichtet, Namen junger, berühmter Terroristen werden postuliert. Weil doch nur selten hörbar geschossen wird, werden etwas später, es ist Tag geworden, hell, immer wieder Szenen einer Zeit auf den Bildschirm gespielt, als noch Dunkel war am Himmel, als noch geschossen wurde, sodass alle es hören konnten, die gerade erst wach geworden sind. Gestern erzählte mir Nasrin, die in einem Café am Flughafen arbeitet, ein Kollege deutscher Muttersprache habe sie gefragt, ob M., ein weiterer Kollege, vielleicht sich freuen würde, dass in Paris so viele Menschen getötet worden seien. Sie habe geantwortet, er solle M. doch selbst befragen, woraufhin der Kollege deutscher Muttersprache gesagt habe, ihm würde M. ja doch niemals die Wahrheit sagen. Da habe sie nicht weitergewusst, sie habe den Wunsch gehabt, sofort einzuschlafen oder aufzuwachen. – stop
![]()
![]()
nordpol : 2.01 – Das beruhigende Wort Trompetenkäfer, aber das Wort Fassbombe. – stop
![]()
![]()
echo : 5.08 — Ich komme niemals auf die Idee, Menschen, die wach sind, mittels meiner Gedanken anzusprechen, aber wenn sie schlafen, warum? — stop
![]()
![]()
ulysses : 0.18 — Wie ich im Zug meine Uhr beobachtete, die vor wenigen Tagen sich bis zur Ziffer 3 hin fortbewegte, um sich dann unverzüglich, um eine Stunde zurückzudrehen, in dem sie tatsächlich ihren Minutenzeiger rückwärts über das Zifferblatt wandern ließ, wie ich also im Zug meine Uhr beobachtete, wie sie mir eine Nachtstunde schenkte, stellte ich mir vor, in dem Zug, in welchem ich mich in Richtung Amsterdam fortbewegte, würde niemand über eine Uhr verfügen, weder Passagiere noch der Schaffner, der Lokführer, die Damen und Herren des Bordbistros. Auch Computer haben keine Uhren, die Fenster des Zuges sind verdunkelt, der Zug fährt also ohne Uhrzeit dahin, hält nirgends an, ist unbestimmte Zeit lang unterwegs, ich werde müde, schlafe, wache auf, spaziere herum, nehme ein Frühstück, bin mir plötzlich nicht sicher, ob nicht vielleicht Abend ist, treffe Menschen im Zug, die sagen, sie gehen jetzt gerade in diesem Moment zur Nachtruhe in ihr Abteil, während andere gerade aufgestanden sind, um einen neuen Tag zu beginnen. Ich sitze und höre auf das Schlagen der Schwellen gegen die Räder des Zuges, mach die Augen zu, suche nach dem Geräusch meiner inneren Uhr, all dies auf einer Reise nach Amsterdam. Was ich dort vorhatte zu tun, wonach ich suchte, davon erzähle ich später. — stop

![]()
echo : 3.18 — Liesl, die vor wenigen Tagen 85 Jahre alt wurde, erzählte von einer Zeitschaltuhr, die ihr Sohn gleich neben ihrem Bett anzubringen wünschte. Er habe, hatte ihr Sohn berichtet, nachts immer wieder einmal wahrgenommen, dass Liesl einschlafen würde, ohne ihre Nachttischlampe gelöscht zu haben, er sei dann, ob des Lichtscheins, den er vom Schlafzimmer der Mutter her kommen sah, aufgestanden und habe sich vorsichtig an ihr Bett begeben und das Licht gelöscht. Einmal habe er überlegt, ob er nicht das Gesicht seiner schlafenden Mutter, wie zum Beweis fotografieren sollte, ein so helles Gesicht, dass man sich kaum vorstellen konnte, das Gesicht einer tatsächlich Schlafenden zu betrachten. Das war vor sechs Jahren gewesen. Damals habe sie ihrem Sohn gesagt, dass sie keine Zeitschaltuhr neben sich wünsche, sie sei doch kein Aquarium, habe sie gesagt, lieber schlafe sie im strahlenden Licht der Nachtlampe ein, plötzliche Dunkelheit, um Himmelswillen, nein. Ihr Sohn reiste wieder ab. Liesl erzählte, dass sie mit ihm nie wieder über Zeitschaltuhren gesprochen habe, unlängst aber, in einer Septembernacht, sei dann plötzlich das Licht ausgegangen um 1 Uhr, sie habe geschimpft und sei dann vorsichtig aus dem Bett gestiegen, sei auf Knien durch das stockdunkle Zimmer gekrochen zu einem Lichtschalter hin, der sich auf dem Flur befand, auch da war kein Licht gewesen, Donnerwetter! — stop
![]()
![]()
echo : 2.10 — Gestern schrieb ich an Charlie einen Brief auf Papier. Lieber Charlie, es war schön, Dich wiedergesehen zu haben. Ich freue mich, dass Du Dich Deinerseits freutest als ich Dir erzählte, ich würde einmal einen kleinen Text geschrieben haben, in dem Du vorkommst. Ich habe diesen Text gesucht und für Dich ausgedruckt. Ich hoffe, er gefällt Dir. Herzliche Grüße. Dein Louis > An der Nachtzeitküste / 24. Februar 2011: Flughafen. Terminal 1. Drei Uhr und fünfzehn Minuten. Ich stoße auf Charlie, 36, Arbeiter. Der Mann, der in Togo geboren wurde und lange Zeit dort lebte, sitzt unter schlafenden Reisemenschen an der Nachtzeitküste. Er sieht seltsam aus an dieser Stelle, ein Mann, der in seinem Leben noch nie mit einem Flugzeug reiste, stattdessen in Zügen, Bussen, Schiffen durch den afrikanischen Kontinent Richtung Europa geflüchtet war, ja, merkwürdig sieht Charlie aus, wie er so unter schlummernden Nordamerikanern, Usbeken, Chilenen, Japanern, Neuseeländern sitzt. Er trägt Sicherheitsschuhe, ein kariertes Holzfällerhemd und Hosen von kräftigem Stoff, mit Katzenaugen besetzte dunkelblaue Beinkleider, die in jede Richtung reflektieren. Nein, unsichtbar ist Charlie, auch im Dunkeln, sicher nicht. Er macht gerade Pause, trinkt Kaffee aus einer schreiend gelben Thermoskanne und genießt ein Stückchen Brot und etwas Käse, den er aus einer Dose fischt. Sorgfältig kaut er vor sich hin, nachdenklich, vielleicht weil er sich auf ein Spiel konzentriert, das er seit Jahren bereits an dieser Stelle wartend studiert. Charlie tippt Lotto. Charlie ist ein Meister des Lottospiels, Charlie spielt mit System. Er hat noch nie verloren. Er hat noch nie verloren, weil er noch nie einen wirklichen Cent auf eine der Zahlenreihen setzte, die er in seine Notizbücher notiert. Charlie ist ein beobachtender Spieler, Vater von fünf Kindern, immer ein wenig müde, weil er eben ein Nachtarbeiter ist. Wenn ich mich neben ihn setze und ihm zusehe, wie er mit einem roten Kugelschreiber Zahlenkolonnen in seine Hefte notiert, freut er sich, macht eine kleine Pause, erkundigt sich nach meinem Befinden, und schon schreibt er weiter, analysiert, rechnet, sucht nach einer Formel, die seine Familie zu einer reichen Familie machen wird. Einmal frage ich Charlie, ob er noch Briefe schreiben würde an seine Eltern in Lomé. Ja, sagt Charlie, jede Woche schreibe er einen Brief an seine Eltern, die am Meer leben, am Atlantik nämlich. Ein andermal will ich wissen, warum er nicht einen Computer einsetzen würde, um vielleicht schneller finden zu können, was er sucht. Charlie lacht, sieht mich an durch kräftige Gläser einer Brille, sagt, dass er wisse, wie bedeutend Computer seien für die Welt, in der wir leben, seine Kinder spielten mit diesen Maschinen, für ihn sei das aber nichts. Und sofort schreibt er weiter. Eine ruhige, klare Schrift. Rote Zeichen. In diesem Moment begreife ich, dass ich einer Beschwörung beiwohne, einem Gebet, Malerei, einer Komposition, der “allmählichen Verfertigung der Idee beim Schreiben”. Hermann Burger – stop
![]()
MELDUNG. Trotz behördlichen Verbotes [ Officer Chris Magallon, Pearse Street Garda Station ] wird am kommenden Montag in der Bowes Lounge weiteres Kampftrinken vollzogen. Gefochten werden schwere Benzine ab 20 Uhr 45. Mit Toten darf gerechnet werden. 31 Fleet Street : Eintritt frei. — stop

