Aus der Wörtersammlung: hinsicht

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holly

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reming­ton : 18.05 — Ich träum­te, von einer Sta­ten Island Fäh­re auf das offe­ne Meer hin­aus getra­gen wor­den zu sein. An Bord des Schif­fes waren zahl­rei­che Men­schen gewe­sen, sie foto­gra­fier­ten ein­an­der, man­che lasen in einer Zei­tung, ande­re tran­ken Kaf­fee aus Papp­be­chern oder tele­fo­nier­ten. Nie­mand schien sich zu wun­dern, dass die Fäh­re, hin­sicht­lich einer übli­chen Rei­se­dau­er von 25 Minu­ten, nicht lan­de­te. Stun­den ver­gin­gen. Ein­mal feg­te ein Sturm über das Schiff hin­weg, hun­der­te Möwen flat­ter­ten krei­schend über die Decks. Irgend­wann schlief ich ein, und ich träum­te, als ich erwach­te, eine Frau habe mir gegen­über Platz genom­men. Ich mei­ne, mich an ihren Namen erin­nern zu kön­nen, ich glau­be, sie hieß Hol­ly. In die­sem Augen­blick, als ich die Augen öff­ne­te, trans­fe­rier­te sie einen Text mit­tels eines Pin­sels auf ein qua­dra­ti­sches Blatt Papier, das von min­des­tens 50 cm Durch­mes­ser gewe­sen war. Sie trug eine Son­nen­bril­le sowie einen Som­mer­hut auf dem Kopf, außer­dem ein hel­les Kleid, auf wel­chem ver­ein­zelt Kir­schen auf­ge­druckt wor­den waren, und schwe­re Wan­der­schu­he, deren Schnür­sen­kel sie nicht ver­kno­tet hat­te. Von einer Sekun­de zur ande­ren Sekun­de schlief auch Hol­ly ein, ihr Kopf neig­te sich zur Sei­te, kurz dar­auf glitt das Papier, das sie beschrif­tet hat­te, von ihren Schen­keln und lan­de­te vor mir auf dem Boden, sodass ich lesen konn­te, was Hol­ly notier­te: Lese­ma­schi­ne No. 82 / Dach­gar­ten, 75, Green­wich Ave­nue Man­hat­tan [ Schlüs­sel : Mrs. M. Lin­ne­ker — 8. Stock ] > Die Geschich­te von den Papier­tier­chen. Hand­zeich­nung, ca. 68 pt: Man stel­le sich ein­mal vor, Papier­tier­chen exis­tier­ten in unse­rer Welt. Nicht etwa Tier­chen, die aus Papier gemacht oder ver­gleich­ba­rer Ware, son­dern tat­säch­li­che Lebe­we­sen, die so aus­ge­dacht sind, dass sie sich zu For­men ver­sam­meln, die einer Papier­sei­te ähn­lich sind. Weil die­se Lebe­we­sen, wie ich sie mir gera­de male, sehr klein sein soll­ten, sagen wir in der Flä­che so groß wie die Spit­ze einer Nadel, wür­de ein Maschi­nen­bo­gen von nicht weni­ger als zwei Mil­lio­nen Indi­vi­du­en nach­ge­bil­det sein. Jedes Papier­tier­chen, sicht­bar ganz für sich nur im Licht eines sehr guten Mikro­skops, ist nun von dem Wunsch beseelt, sich mit jeweils vier wei­te­ren Tier­chen, die es schon immer kennt, mit­tels feins­ter Ten­ta­keln zu ver­bin­den oder zu befreun­den, und zwar nur mit die­sen, sodass man von ein­deu­ti­ger Ord­nung spre­chen könn­te, nicht von einer belie­bi­gen Anord­nung. Ja, jedes der klei­nen Wesen für sich spricht von einem urei­ge­nen Ort, den es nie­mals ver­gisst. Sobald alles schön zu einer Sei­te geord­net ist, wer­den mit Licht, mit einem Licht­stift genau­er, Zei­chen gesetzt auf das leben­de Papier, indem man leich­ter Hand wie mit einem Fül­ler schreibt. Wird ein schnee­wei­ßes Tier­chen berührt vom notie­ren­den Licht, nimmt es sogleich die schwar­ze Far­be an und ver­bleibt von die­sem Schwarz, bis es von wei­te­rem Licht berührt wer­den könn­te, einem Licht natür­lich, das sehr stark sein muss, weil doch der Tag oder jede Lam­pe das Zei­chen der Nacht sofort über die Land­schaft der fili­gra­nen Kör­per schrei­ben wür­de. Ich hat­te, wäh­rend ich die­sem Gedan­ken noch auf einer gewöhn­li­chen Com­pu­ter­schreib­ma­schi­ne folg­te, die Idee, dass sie viel­leicht alle sehr schreck­haft sind, also zunächst unvoll­kom­men oder wild, dass sie, zum Bei­spiel, wenn ein Feu­er­wehr­au­to in ihrer Nähe vor­über kom­men soll­te, sofort aus­ein­an­der flie­gen in Panik, sich ver­ste­cken, um jedes für sich oder in grö­ße­ren Grup­pen an den Wän­den mei­ner Zim­mer zu sit­zen. Viel­leicht lun­gern sie auch auf Kaf­fee­tas­sen her­um oder in den Haar­blät­tern eines Ele­fan­ten­fuß­bau­mes, ja, das ist gut denk­bar. Ich wer­de dann war­ten, ruhig und gelas­sen war­ten, bis sie sich wie­der beru­higt haben wer­den und zurück­kom­men, sagen wir nach einer Stun­de oder zwei. Dann wei­ter schrei­ben oder lesen oder den­ken. Und jetzt habe ich einen Kno­ten im Kopf, soll­te bald ein­mal wach wer­den. — stop
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vor den kapverden

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del­ta : 6.58 — Vor zwei Jah­ren ein­mal mel­de­te sich mein Vater am Tele­fon, er woll­te mir eini­ge Gedan­ken über­mit­teln. Ich hat­te ihn gefragt, ob es Tief­see­ele­fan­ten in phy­si­ka­li­scher Hin­sicht mög­lich sei, Atem­luft über kilo­me­ter­lan­ge Rüs­sel in die Tie­fe zu lei­ten. Mein Vater sen­de­te meh­re­re Vari­an­ten einer Lösung die­ses Pro­blems, unter ande­rem dach­te er dar­über nach, dass die Luft gegen den stei­gen­den Druck des Was­sers ver­mut­lich in einem Kam­mer­sys­tem in klei­ne­ren Por­tio­nen nach unten gedrückt wer­den könn­te. Das leuch­te­te mir ein, ich war sehr zufrie­den mit die­ser Vor­stel­lung eines Luft­trans­port­we­sens. In der ver­gan­ge­nen Nacht habe ich mich an die Vor­stel­lun­gen mei­nes Vaters erin­nert, in einer Nacht, da ich Mel­dung erhielt, man habe vor den Kap­ver­den Tief­see­ele­fan­ten gesich­tet. Wie­der ein Fischer­boot, wie es sich in einer leich­ten Mee­res­strö­mung dreht. Schwei­gen­de Män­ner. Lam­pen­licht, das über das Was­ser springt. Die Män­ner betrach­ten auch in die­sen Minu­ten der Nacht schnau­ben­de Rüs­sel­spit­zen einer rie­si­gen Her­de Tief­see­ele­fan­ten, die sich viel­leicht soeben auf den Weg bege­ben, den Atlan­tik zu durch­que­ren, geräusch­voll atmen­de, sich lieb­ko­sen­de, sam­tig flei­schi­ge Knit­ter­blü­ten. — Leich­ter, küh­ler Regen. – stop

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eine elektrische wiese

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tan­go : 6.45 — Neh­men wir ein­mal an, irgend­wo auf die­ser Welt wür­de eine Wie­se exis­tie­ren, die nicht eine wirk­li­che Wie­se ist, son­dern eine Wie­se künst­li­cher Grä­ser, künst­li­cher Blu­men, künst­li­cher Tie­re, eine High­tech­wie­se, in wel­cher nicht ein ein­zi­ges Gramm orga­ni­schen Mate­ri­als auf­zu­spü­ren wäre. Die­se Wie­se ver­hiel­te sich natür­li­chen Wie­sen gleich, sie wür­de wach­sen und sum­men und knis­tern unter der Bewe­gung künst­li­cher Win­de. Alles ist täu­schend ähn­lich dar­ge­stellt, die Gras­hüp­fer der Wie­se, reins­te fein­me­cha­ni­sche Wun­der­wer­ke, wie auch ihre Regen­wür­mer, Amei­sen, Bie­nen, Far­ne, Moo­se, Blü­ten­kel­che, die sich öff­nen, wenn der Mor­gen graut, die sich schlie­ßen, wenn es Nacht wer­den soll. Ja, die Nacht über einer Wie­se, wie ich sie gera­de erfin­de, die Tie­re der Dun­kel­heit, die sich in ihren Geräu­schen bemerk­bar machen, das Zir­pen der Gril­len, das sono­re Brum­men der Nacht­schmet­ter­lin­ge. Gera­de eben stel­le ich mir die Exis­tenz eines Herrn vor, der zu die­ser Wie­se gehö­ren wird. Tief sitzt er stun­den­lang über einen Tisch gebeugt, ein Fein­me­cha­ni­ker, der für Repa­ra­tur­ar­bei­ten an der Wie­se in jeder Hin­sicht ver­ant­wort­lich zeich­net. Wie er sich mit Werk­zeu­gen der Uhr­ma­cher vor­ar­bei­tet. Sei­ne beson­de­re Bril­le, die auch kleins­te Gegen­stän­de sicht­bar wer­den lässt. Gera­de eben öff­net er vor­sich­tig ein Glüh­würm­chen, weil es nur noch flie­gen, aber nicht mehr leuch­ten will. All die­se klei­nen Schrau­ben, Gewin­de, Schar­nie­re. — stop
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notvögel

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nord­pol

~ : malcolm
to : louis
sub­ject : NOTVÖGEL
date : june 16 12 0.12 a.m.

Guten Mor­gen, Lou­is! Wie geht es Ihnen? Alles in Ord­nung? Eine Woche ist ver­gan­gen, seit wir Fran­kie, das Eich­hörn­chen, ope­rier­ten. Er scheint bei bes­ter Gesund­heit. Wir haben die Kral­len sei­ner Pfo­ten gestutzt, damit er sich die Nar­be auf sei­nem Bauch nicht bald öff­nen wird. Wir beob­ach­te­ten, dass sie ihn reizt, nicht so sehr das USB – Gerät, des­sen Kon­tur sich unter der rosa­far­be­nen Haut deut­lich abzeich­net, viel­mehr ist es die rasier­te Stel­le ins­ge­samt, die Fran­kie immer wie­der betrach­tet. Wir haben den Ein­druck, er wun­dert sich in höchs­ten Maße. Indes­sen schei­nen ihn jene kreis­för­mi­gen Solar­zel­len, die wir auf sei­ner Stirn links und rechts mon­tier­ten, nicht wei­ter zu inter­es­sie­ren, auch das GPS-Funk­ge­rät, das wir hin­ter sei­nem lin­ken Ohr im Leib ver­senk­ten, blieb bis­lang unbe­merkt. Es ist nicht viel grö­ßer als 1 Cent­mün­ze. Heu­te ist also Frankie’s ers­ter Tag in rela­ti­ver Frei­heit. Wir haben den klei­nen Mann von sei­nen Käfig­fes­seln befreit, wes­we­gen er seit Stun­den auf­ge­regt in der Woh­nung tollt. In zwei oder drei Tagen, wenn alles gut gehen wird, pla­nen wir Fran­kie in der Däm­me­rung eines Abends im Cen­tral Park, Höhe 87. Stra­ße West, in die Wild­nis zu ent­las­sen. Hin­sicht­lich der Ent­wick­lung ess­ba­rer Not­vö­gel ist Fol­gen­des zu sagen. Zei­si­ge, Fin­ken, Amseln, Sta­re erschei­nen uns nicht geeig­net. Ler­chen indes­sen sind inso­fern bereits gelun­gen, als sie ihrem Zucht­be­häl­ter voll­stän­dig feder­los ent­kom­men. Wir haben ihr Wachs­tum beschleu­nigt, sie wer­den nach Bestel­lung bin­nen drei­er Tage fer­tig und im Geschmack Süß­man­deln ähn­li­cher gewor­den sein. Lei­der sind sie noch blind, taub und stumm. Natür­lich sind wir wei­ter­hin in jeder Hin­sicht um Fort­ent­wick­lung bemüht. In die­sem Sin­ne, äußerst zuver­sicht­lich, grü­ßen wir Sie herz­lich. – Ihr Mal­colm / code­wort : lil­li­put

emp­fan­gen am
16.06.2012
1861 zeichen

mal­colm to louis »

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