Aus der Wörtersammlung: telefon

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nachtfeuer

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gink­go : 2.33 UTC — Ich wähl­te mei­ne eige­ne Tele­fon­num­mer, ich woll­te mich in die­ser Wei­se erkun­di­gen, ob mei­ne Woh­nung noch exis­tier­te. Ich dach­te, wenn mei­ne Woh­nung viel­leicht unter Was­ser stün­de oder in Brand gera­ten sei, da wäre auch mein Tele­fon selbst schwer betrof­fen, dem­zu­fol­ge müss­te, wenn mein Tele­fon sich mit einem lang­sa­men Frei­zei­chen mel­den wür­de, eine Aus­sa­ge mög­lich sein wie die­se in etwa: Weder Was­ser noch Feu­er! Ich lausch­te ein oder zwei Minu­ten jenem beru­hi­gen­den Ton­zei­chen, plötz­lich aber mel­de­te sich eine Stim­me: Ja bit­te? Das war nun mei­ne eige­ne Stim­me gewe­sen, die sich mel­de­te und behaup­te­te, gera­de erst auf­ge­wacht zu sein. Es ist noch Nacht, sag­te mei­ne Stim­me, und ich sag­te noch, Du hörst Dich an, als wäre ich es selbst, der sich mel­de­te. Kann ich nur bestä­ti­gen, ant­wor­te­te die Stim­me, die mei­ne Stim­me zu sein schien, das machst Du gut! Ist alles in Ord­nung, frag­te ich? Ich habe über­legt, ob viel­leicht ein Brand aus­ge­bro­chen sein könn­te wegen Ver­gess­lich­keit, oder Was­ser bis an die Decke wegen Ver­gess­lich­keit. Eini­ge Minu­ten lang spra­chen wir noch über das Wet­ter, es reg­ne­te da und dort, und dar­über, dass wir viel­leicht nicht ganz wach gewe­sen waren, als wir tele­fo­nier­ten. — stop

ping

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am telefon

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ulys­ses : 18.05 UTC — L. berich­tet, er habe mit sei­ner Mut­ter tele­fo­niert, die in Russ­land lebe nahe der Stadt Irkutsk. Das war an einem Sonn­tag­nach­mit­tag sibi­ri­scher Orts­zeit. Die Stim­me sei­ner Mut­ter sei gut zu ver­neh­men gewe­sen. Er habe zunächst drei Tele­fon­num­mern gewählt, eine Num­mer nach der ande­ren Num­mer, dann auf die Stim­me sei­ner Mut­ter gewar­tet. Sei­ne Mut­ter habe ihn gefragt, wie es ihm gehe. Dann habe sie ihm erzählt, dass es schon geschneit habe, und dass sein Päck­chen ange­kom­men sei, alles sei drin gewe­sen im Päck­chen, genau­so wie er es beschrie­ben hat­te, Schu­he und Scho­ko­la­de aus Bel­gi­en und Hart­kä­se aus Luxem­burg. L. freu­te sich und lausch­te der Stim­me sei­ner Mut­ter, die ver­traut war, weil er regel­mä­ßig mit ihr spre­chen kann, dann mein­te er ein knis­tern­des Geräusch am Tele­fon ver­nom­men zu haben, da erzähl­te ihm sei­ne Mut­ter, dass es schon geschneit habe, und dass sein Päck­chen ange­kom­men sei, alles sei drin gewe­sen im Päck­chen wie er es beschrie­ben hat­te, Schu­he und Scho­ko­la­de aus Bel­gi­en und Hart­kä­se aus Luxem­burg. Und wie­der knis­ter­te es im Tele­fon­hö­rer, und sei­ne Mut­ter erzähl­te, dass es schon geschneit habe, und dass sein Päck­chen ange­kom­men sei, alles sei drin gewe­sen im Päck­chen, wie er es beschrie­ben hat­te, Schu­he und Scho­ko­la­de aus Bel­gi­en und Hart­kä­se aus Luxem­burg. Das war schon sehr merk­wür­dig gewe­sen und Sonn­tag. — stop

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vorletztes telefon

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vik­to­ry : 15.02 UTC — D. rief an. Sie habe, sag­te sie, eben noch ein­mal unse­re gemein­sa­me Freun­din B. besucht, die im Ster­ben lie­ge. Es war spät am Abend und ich dach­te, ich kön­ne nicht anru­fen am Bett einer Ster­ben­den um die­se Uhr­zeit. Ich war­te­te also und schlief, dann war die Nacht vor­über. B. mel­de­te sich mit kaum noch hör­ba­rer Stim­me. Ihre Toch­ter sit­ze neben ihr und wür­de das Tele­fon hal­ten, ja, es wird lang­sam Zeit, sag­te sie, 94 Jah­re, nein, ins Kran­ken­haus mag sie nicht mehr gehen, sie möch­te jetzt auf­hö­ren, sie sei dank­bar, es gehe ihr gut, ich sol­le an sie den­ken und wün­schen, dass es nicht lang dau­ern möge, ja, sie kön­ne schla­fen. Schö­ne Gesprä­che, sag­te sie, haben wir geführt in die­sem Som­mer, Wal­ter Kem­pow­ski, ja, den ken­ne ich per­sön­lich. Ich ant­wor­te­te, dass ich ihr dank­bar sei für ihre Geschich­ten von der Geschich­te, von Ros­tock, und die­sen Din­gen, wie sie den Krieg gera­de so über­leb­te. Und ich hör­te, dass sie immer müder wur­de, und ich fra­ge noch, ob ich sie viel­leicht mor­gen noch ein­mal anru­fen dür­fe. Du kannst es ver­su­chen, sag­te sie. — stop

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kobane calling

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alpha : 20.58 — Vor Jah­ren, am 14. Okto­ber 2014, es war spä­ter Abend, über­leg­te ich, ob ich nicht nach einem Tele­fon­buch der Stadt Kobanê suchen soll­te, irgend­ei­ne Num­mer notie­ren, sie anzu­wäh­len. Um die Stadt wur­de damals erbit­tert gekämpft, Kur­din­nen und Kur­den ver­tei­dig­ten Kobanê gegen Kämp­fer des Isla­mi­schen Staa­tes. Ich bemerk­te bald, dass im Inter­net kei­ne Tele­fon­bü­cher der Stadt Kobanê zu fin­den sind, die ich ent­zif­fern könn­te. Neh­men wir ein­mal an, ich wür­de nun heu­te an die­sem Abend, es reg­net, No 45 ist noch immer im Amt, zufäl­lig ein Tele­fon­buch der Stadt Kobanê ent­de­cken, und ich wür­de nun eine Num­mer wäh­len, wer wür­de sich mel­den? — stop

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vorübergehend

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sier­ra : 10.22 UTC — Am frü­hen Mor­gen tele­fo­nier­te ich mit L., die sehr krank ist. Ich tipp­te ihre Num­mer und war­te­te am Fens­ter ste­hend. Ich war­te­te lan­ge, ich wuss­te, dass L. Zeit benö­ti­gen wür­de, ihre Woh­nung zu durch­que­ren. Drau­ßen feg­te der Sturm durch die Bäu­me, Blät­ter saus­ten durch die Luft mal hin, mal her. An der Stra­ßen­bahn­hal­te­stel­le flo­gen blaue Fun­ken auf, bald segel­te eine Tau­be auf dem Rücken vor­bei, da mel­de­te sich L., das heißt jemand hob den Hörer auf oder akti­vier­te das Tele­fon oder wie auch immer, dann krach­te es und es war ganz still am Tele­fon. Nach Sekun­den war eine sanf­te Maschi­nen­stim­me zu hören: Ein Teil­neh­mer hat das Gespräch vor­über­ge­hend ver­las­sen. Es war kurz nach 7 Uhr. — stop
ping

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kleiner mann

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nord­pol : 18.16 UTC — Eine Samm­lung von Ker­zen am Ende eines Bahn­stei­ges, Samm­lung von Rosen, Nel­ken, Tul­pen, hun­der­te Sträu­ße und Brie­fe in allen mög­li­chen Far­ben und Spra­chen: Mach’s gut, klei­ner Mann! Immer wie­der die­ser Satz, es leuch­tet auch am Tag, und Men­schen erschei­nen oder blei­ben ste­hen. Sie sind still, weil ein Kind von einem Zug über­fah­ren wur­de, weil ein ver­wirr­ter Mann das Kind vor einen Zug gesto­ßen hat­te, ein Mann, der in Afri­ka gebo­ren wur­de, wes­we­gen auch böse Per­so­nen immer wie­der ein­mal böse Sät­ze über Haut­far­ben und Men­schen aus der Frem­de sagen. Meist aber ist es still, auch des­halb, weil die Foto­ap­pa­ra­te heut­zu­ta­ge Tele­fo­ne sind, die sich auch wie Foto­ap­pa­ra­te beneh­men, man hört nicht, wenn sie das Licht ein­fan­gen. Es wird viel foto­gra­fiert, viel­leicht weil es hier berührt, hun­der­te Ted­dy­bä­ren. Eine Frau, sie trinkt aus einer klei­nen Fla­sche Cognac, neben ihrem Roll­stuhl kau­ert ein Hund. Die Frau sieht elend aus, weint: Das arme Kind, sagt sie, und dass die hier foto­gra­fie­ren, das auch noch. Furcht­bar ist das. Dann fährt sie davon, sehr dicht an der Bahn­steig­kan­te ent­lang, Tage spä­ter ist vor Ort nichts mehr zu sehen, aber die Bil­der in digi­ta­len Kam­mern, auch vom Jun­gen, vom klei­nen Mann, ein Bild, eine Fäl­schung. — stop
ping

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16 uhr 18

pic

lima : 16.18 UTC — Hör­te Fried­ri­ke May­rö­cker von Stei­nen spre­chen: Ist das Schrei­ben etwa wie das Anset­zen von Domi­no­stei­nen? — stop

ping

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am telefon

pic

echo : 16.12 UTC — In Traum erzähl­te mir eine sehr alte Frau am Tele­fon, ich dür­fe, soll­te ich ein­mal zu Besuch kom­men, ihr weder Foto­gra­fien noch Film­auf­nah­men zei­gen, die ich viel­leicht ent­deckt und auf­be­wahrt haben könn­te. Sie sag­te, dass sie sich vor Foto­gra­fien fürch­te, sie habe immer sofort alles im Blick, sie kön­ne nicht ein­fach nur eine klei­ne Por­ti­on betrach­ten, einen Aus­schnitt eines Ortes, vor dem sie sich fürch­te, es wäre immer alles sofort gegen­wär­tig, die Absicht des Bil­des oder ein Zufall. Ich erin­ne­re mich in die­sem nächt­li­chen Gespräch ver­si­chert zu haben, ihr nie­mals eine Foto­gra­fie von dort zu zei­gen. Aber ich gab nicht sofort auf. Ich bemerk­te, dass es immer­hin mög­lich wäre, Foto­gra­fien in klei­ne­re Tei­le zu zer­le­gen, ich könn­te die­se Tei­le num­me­rie­ren und mit ihr gemein­sam auf einem Tisch Teil­bild für Teil­bild sehr lang­sam ergän­zen, sie könn­te sich in die­sem Fal­le also an ein lang­sam ent­ste­hen­des Bild zunächst gewöh­nen, indes­sen ich ihr erzäh­len wür­de, was auf den Teil­bil­dern bereits von der Absicht oder einem Zufall zu sehen ist. Als ich mei­ne Rede unter­brach, blieb es still da drü­ben jen­seits mei­nes Tele­fon­hö­rers, der selbst als ein voll­stän­di­ges Tele­fon bezeich­net wer­den könn­te. Dann wach­te ich auf, es war Sonn­tag. — stop

ping

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kurze geschichte

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india : 15.01 UTC — In Chi­na in Peking soll ein Mann exis­tie­ren, der kür­ze­re Geschich­ten notiert, wel­che je von einem Haus der Alt­stadt erzäh­len. Die­se Geschich­ten nun sind gera­de eben so knapp for­mu­liert, dass sie auf einem Blatt Papier Platz fin­den kön­nen. Der Mann beschreibt zunächst das Haus, sei­ne Far­be, sei­ne Posi­ti­on in den engen Gas­sen, wer (Herr und Frau) in die­sem Haus wohn­haft ist, die Pflan­zen und Tie­re des Hau­ses, gleich­wohl die Namen der Kin­der, wann sie zur Schu­le gehen, was aus ihnen ein­mal wer­den könn­te. Dann fal­tet er das Papier und legt es in sei­ne leder­ne Tasche ab. Dort sind bereits wei­te­re Hun­der­te gefal­te­ter Blät­ter gebor­gen. Ich las, der Mann sei über­zeugt, kei­nes der beschrie­be­nen Häu­ser wür­de je abge­ris­sen wer­den, eben des­halb, weil sie von ihm ver­zeich­net wor­den sind. Das Buch, wel­ches die­se Geschich­te erzählt, ist übri­gens ein ganz beson­de­res Buch. Es ist ein Buch, das klin­gelt, wenn man ver­gisst, eine sei­ner Sei­ten in einer gewis­sen übli­chen Buch­zeit umzu­blät­tern. Es ver­mag außer­dem zu vibrie­ren wie ein moder­nes Tele­fon und lei­se zu hupen, spä­tes­tens dann wer­de ich wach und lese wei­ter. — stop
ping

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von pfirsichen

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echo : 10.26 UTC — Wie die Brie­fe lang­sam ster­ben, ihre Umschlä­ge, Papie­re, Post­wert­zei­chen, wel­che Flug­zeu­ge und Schmet­ter­lin­ge zei­gen, die gleich­falls sel­te­ner wer­den. Wenn die Brie­fe lang­sam ster­ben, dann auch jene, die Brie­fe schrei­ben für ande­re Men­schen, die nicht lesen kön­nen. Ich stell­te mir einen älte­ren Herrn vor, der in einem Büro von Holz in Lon­don sitzt, letz­ter sei­ner Zunft, dut­zen­de Kol­le­gen haben schon vor Jah­ren ihre Arbeit ein­ge­stellt, haben ihre höl­zer­nen Schreib­ab­tei­le und ihre Schreib­ma­schi­nen ver­las­sen, da wer­den jetzt Lam­pen ver­kauft oder Schmuck oder Tele­fo­ne oder Kar­tons mit Reis und gebra­te­nen Hüh­nern. Wie ist solch eine Vor­stel­lung mög­lich, wer­den Sie viel­leicht fra­gen. Nun, es ist so, dass ich mir dach­te, dass die­ser letz­te Brief­schrei­ber der Stadt Lon­don den Auf­trag erhal­ten hat­te, einen unend­li­chen Brief zu schrei­ben, wes­we­gen sie zu zweit sind, ein fein geklei­de­ter älte­rer Herr, der den Brief dik­tiert, der Auf­trag­ge­ber, und eben jener älte­re Herr, der die Zei­chen des Brie­fes mit­tels einer Tas­ta­tur auf Papier­bö­gen trägt. Sie sind zu einer klei­nen Attrak­ti­on gewor­den. Manch­mal schla­fen sie oder neh­men etwas vom nach­bar­schaft­li­chen Reis zu sich, auch Pfir­si­che oder Melo­nen bei gro­ßer Hit­ze. — stop



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