zähler

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0.01 – Exis­tiert viel­leicht eine Maschine, die zählen kann, wie viele Wörter von einem Menschen während seines Lebens ausge­spro­chen werden? – Wie viele Wörter habe ich in meinem Leben bereits zur Sprache gebracht, wie viele Wörter habe ich geschrieben und wie viele Wörter habe ich gedacht? – stop

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luftbeben

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2.15 – Heute Nacht, weiß der Himmel warum, knis­tern die Wände meiner hölzernen Zimmer. Viel­leicht ist der Boden unter der Stadt nach Norden vorge­rückt, und ich höre in diesen Stunden das Nach­fe­dern des Hauses. Oder aber feinste Substanzen der Luft sind in elek­tri­scher Bewe­gung, weil hinter den wandernden Erdma­gneten bereits Winter wird. Um eins gehe ich aus dem Haus. Um zwei bin ich zurück. Jetzt ist es fünf­zehn Minuten später und in New York gerade kurz nach sieben Uhr Abend, beste Zeit einen kleinen Imbiss zu mir zu nehmen. Dann wieder an die Arbeit. Habe noch ein paar Namen zu erfinden. Geräu­sche, sagen wir: – Burma 8. Mandrill. Subseven. Milano­maki. –  Gern würd ich die kommenden 500 Jahre über­leben. – stop

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No signal. Going to sleep

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18.15 – Blick auf James Watsons Foto­grafie, nachdem ich versuchte, in seine Zeichen­kette vorzu­dringen. Ein still­ste­hender Mensch mit Pipette. Lange andau­ernde Belich­tung, bis die Compu­ter­ma­schine meldet : No signal. Going to sleep. Sind wir seltsam geworden? – stop

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spixara

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0.57 – Nehmen wir einmal an, ein Spix­ara­vogel lebte unter meinem Dach. Was würde er in mir sehen? – Viel­leicht ein Wesen, das niemals fliegt. – stop

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fliegen

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7.15 – Ich bemerkte unlängst, dass ich beide Arme hebe, also von mir abwende, also Flügel mache, sobald ich durch die Wohnung laufe und darüber nach­denke, wie es wäre, ohne jedes Gewicht zu sein. – Haben Menschen des 19. Jahr­hun­derts eine Vorstel­lung von einem Zustand bewe­gungs­loser Schwe­re­lo­sig­keit erzeugt? – stop

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krapp

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15.05 – Ist es sinn­voll, davon zu spre­chen, dass ich Beckett oder Krapp bei ihrer Arbeit in meinem Gehirn beob­achte, wenn ich das Letzte Band lese? Oder beob­achten sie mich? – stop

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plankton

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21.22 – Gestern Abend, ich sass im letzten Licht der Sonne auf dem Fens­ter­brett, habe ich entdeckt, dass ich die Luft, sobald ich ihre feinen Stäube als Plankton und Fliegen und Falter als Fische betrachte, für eine Flüs­sig­keit, sagen wir, für ein Meeres­ge­wässer halten kann. – stop

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licht

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6.57 – Immer, auch dann, wenn ich schlafe, brennt etwas Licht in meinem Kopf. – stop

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marco polo

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3.15 – Ich kann mir auf der Stelle ein flug­taug­li­ches Wesen denken, das von einer leuch­tend roten Körper­farbe ist und über Augen verfügt, die auf Türmen sitzen. Statt Antennen wachsen ihm Scheren aus dem Kopf, statt Wasser bewohnt es Bäume, statt von Vögeln wird es von Menschen gefressen. Weshalb faszi­nieren mich Hummer? Warum fürchte ich Krabben? – stop

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das jahr 2102

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20.01 – Nehmen wir einmal an, ich würde in dieser Sekunde die Lesung meines urei­genen Textes beginnen, würde nicht schlafen ehe ich zu einem letzten A, C, G oder T gekommen bin, würde Tag und Nacht, Zeichen um Zeichen, Sekunde um Sekunde, meinen Text zur Sprache bringen, dann buch­sta­bierte ich 833.333 Stunden durch die Zeit. Das sind 34722 Tage oder 95 Jahre. Im Jahr 2102, an einem Sonntag im September, würde ich viel­leicht von vorne beginnen. – stop

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pergament

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17.32 – Sass traum­wärts in einem Cafe nahe eines Meeres unter Männern, die Go oder etwas anderes spielten mit kleinen, runden, bern­stein­far­benen Steinen. Die Luft an diesem Ort war heiß und trocken, ich wunderte ich mich nicht, dass die Männer, die von hohem Alter gewesen waren, sich mit gewal­tigen Ohren Luft zufä­chelten in der Art und Weise der Elefanten. Selt­same Geräu­sche waren zu hören, schwere, knar­zende Töne, als würde an hölzernen Schrauben gedreht. Und doch war die Haut der Ohren so fein, dass man durch sie hindurch sehen konnte. Sobald sie hinter den verwit­terten Köpfen zusam­men­schlugen, wurden die Augen der Herrn zu Schlitzen, bewegten sich die luftigen Häute zurück, öffneten sie sich. Hinter dem Tresen dämmerte ein weiterer Mann, der hatte sich mit seinem Perga­ment das Gesicht zuge­deckt. Ich betrach­tete ihn eine Weile, und schon war ich, noch im Stehen, dem heutigen Tage zu einge­schlafen. – stop

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licht und dunkel

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1.25 – Das Licht meiner Schreib­tisch­lampe. Das Licht meiner Uhren. Das Licht, das vom Bild­schirm kommt. Das Dioden­licht meiner Musik­ma­schinen. Der Licht­nebel der Stadt unter den Wolken. Das mensch­liche Licht wird über­haupt erst sichtbar, sobald Dunkel geworden ist. – stop

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eugene ionesco

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3.45 – Nehmen wir einmal an, alles Papier dieser Welt würde in eben dieser Minute zu Staub zerfallen. Wäre es denkbar, Eugene Ionescos Kosmos in der Elek­tro­sphäre zu rekon­stru­ieren? Wie viele Vari­anten Ionescos könnten wir dort finden? Würden wir Ionesco wieder­erkennen? – stop

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fjorde

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3.15 – Hölzerne Schritt­ge­räu­sche, als würde ich über eine Marimba gehen. Hoch über Wolken­fjorden, eine Ebene. Kräf­tige, von der Arbeit stetiger Winde gegen den Boden gezwun­gene, feuer­rote Ahorn­bäume. Eine uralte stei­nerne Stra­ßen­bahn, die stei­nernen Rauch ausstößt, fährt auf stei­nernen Schienen unter stei­nernen Bäumen hin und her. Leucht­birnen von glühender Lava. — Bin vor dem Schreib­tisch einge­schlafen. Kurz nach 3 Uhr von Regen­ge­räu­schen geweckt. Stehe auf. Laufe ein wenig von Zimmer zu Zimmer. Höre etwas Monk. Schneide Ingwer für den Tee. Sortiere Tonbänder. Notiere Wort­bojen. – Sinus­knoten. – Venens­tern. – Pyra­mi­den­bahn. – Wie verdammt gut die Luft heut riecht. – Zehn Uhr fünf­zehn in Naypyidaw, Burma. – stop

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papiere

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23.30 – Ob es viel­leicht möglich ist, Papiere zu erfinden, die essbar sind, nahr­haft und gut verdau­lich? Man könnte sich in einen Park setzen beispiels­weise und etwas Chatwin beob­achten oder Lowry oder Calvino, Bücher, die Seite für Seite nach belgi­schen Waffeln schmeckten, nach Birnen, Gin, Petro­leum oder sehr feinen Hölzern. Einen spezi­ellen Duft schon in der Nase, wird die erste Seite eines Buches gelesen, und dann blät­tert man die Seite um und liest weiter bis zur letzen Zeile, und dann isst man die Seite auf, ohne zu zögern. Oder man könnte zunächst das erste Kapitel eines Buches durch­kreuzen, und während man kurz noch die Geschichte dieser Abtei­lung reka­pi­tu­liert, würde man Stürme, Personen, Orte und alle Anzei­chen eines Verbre­chens verspeisen, dann bereits das nächste Kapitel eröffnen, während man noch auf dem Ersten kaut. Man könnte also, eine Biblio­thek auf dem Rücken, für ein paar Wochen eisige Wüsten durch­streifen oder ein paar sehr hohe Berge besteigen und abends unterm Gaslicht in den Zelten liegen und lesen und kauen und würde von Nacht zu Nacht leichter und leichter werden. – Sechs Uhr dreißig in Naypyidaw, Burma. Morgen­däm­me­rung. – stop

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gut nacht

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4.18 – Ist es sinn­voll, zu sagen, dass ich abends, sobald ich müde meine Augen schließe, mit meinen Lidern mein Gehirn bedecke? – stop

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