ulysses : 17.05 UTC ‑Im Notizbuch findet sich folgender Satz: 26. Mai 2026. Der Schlüsselbund des heiligen Michael. Ich kann mich nicht erinnern, was ich damit meinte, was dieser Satz oder Gedanke bedeutet haben könnte, warum ich in dieser Weise notierte. Was war das für ein Tag gewesen? Der 26. Mai des Jahres 2026. Seltsame Sache, ein besonderer Tag, noch weit in der Zukunft liegend. LLM sagt, ich würde mit einem vorweggenommenen Gedächtnis gearbeitet haben. Ich sollte einen Vermerk setzen für den Mittwoch, 26. Mai 2026, am späten Nachmittag. – stop
kakteenmensch
nordpol : 15.01 UTC — Unlängst wurde ich gefragt: Was sind Sie von Beruf? – Ich antwortete: Ein Kakteenmensch. — Heute ist Mittwoch, wunderbarer Tag. Ich überlegte, wie mein Leben sich gestalten würde, wenn ich fortan einmal im Jahr nach Winterzeit blühen, vielleicht am Kopf, oder über kräftigen Hornstachelwuchs an meinen Händen verfügen würde. — stop
von winterbrillen
marimba : 8.05 UTC — Wenn ich nun gehe, gehe ich vorsichtig. Ich sehe jedes Blatt in der Ferne und die kleinste Schrift noch der Zettelkästen, die aus Archiven an Litfaßsäulen gewandert sind: False Memory. Der Boden, wenn ich den Boden betrachte mit meiner Brille, ist so nahgekommen, dass ich meine, ich würde beide Beine verlieren. Ein kleiner Mann, der durch einen Park spaziert, um nach den vertrauten Eichhörnchen zu sehen, deren Winterfell dicht geworden ist. Ich stakse über gefrorenes Laub, denke an Brillen, dass man Brillen verlieren, dass man sich auf Brillen setzen kann. Heute Morgen habe ich in der Kälte einen schönen Namen gefunden: Lumi Pipaluk. Schneekind oder kleines Wesen aus Schnee. Und ich dachte, ich will diesen Namen bewahren als würde ein Wesen diesen Namens tatsächlich existieren. Ich bin überzeugt, dass ich an lichten Tagen über eine Brille im Kopf verfüge. — stop

leuchtender
hund
vom suchen
india : 14.01 UTC — Im verwaisten Haus meiner Eltern hatte ich 18 Brillen entdeckt. Sie waren geputzt, da und dort ein Fingerabdruck. 4 Brillen für die Welt. 14 Brillen für Bücher und Zeitungen. Brillen wie Schuhe und Hüte, sehr nah wie von Zeitfäden an meine Tage genäht. Seit ich nun eine eigene Brille für die Ferne trage, weiß ich, dass sie gern verloren geht, und dass ich suchend auf dem Weg durch meine Wohnung ganz andere Dinge finde als meine Brille für die Ferne, einen Stoffbären zum Beispiel, 8 Zentimeter hoch, welchen ich in einem Park bei Regen entdeckte. Der kleine Bär war nass gewesen, ich nahm ihn mit. Oder eine fliegende Meduse, hellblau und durchscheinend und von einem zarten Geruch nach Salz und Zimt. So hatte ich über die Meduse auf einen Zettel notiert, der hinter mein Sofa gefallen war und wiederentdeckt, zu leuchten begann, durchscheinend von einem Geruch nach Salz und Zimt. — stop

abschnitt neufundland
Abschnitt Neufundland meldet folgende gegen Küste geworfene Artefakte : Wrackteile [ Seefahrt – 456, Luftfahrt — 1022, Automobile — 58331], Grußbotschaften in Glasbehältern [ 18. Jahrhundert — 55, 19. Jahrhundert – 18, 20. Jahrhundert – 751 , 21. Jahrhundert — 3556 ], physical memories [ bespielt — 21, gelöscht : 178 ], Lichtfangmaschinen [ Vögel / künstlich Gattung Inari 2 : 8 ], Öle [ 0.7 Tonnen ], Prothesen [ Herz — Rhythmusbeschleuniger – 21, Kniegelenke – 521, Hüftkugeln – 886, Brillen – 356 ], Schuhe [ Größen 28 – 39 : 14553, Größen 38 — 45 : 455 ], Kühlschränke [ 1522 ], Tiefseetauchanzüge [ ohne Taucher – 15, mit Taucher – 12 ], Engelszungen [ 687 ] | stop |

libellen
tango : 10.22 UTC — Gedanken wie Libellen. Oder Libellenwesen, die Gedanken beobachten. Ich vermag Gedanken zu wiederholen, sobald ich die Wörter des Gedankens kenne. — stop
=
himalaya : 15.54 UTC — z y l i n d e r r o s e

nacht ist um 2
lima : 20.58 UTC – Apropos Fingersträußchen. Man darf sich das so vorstellen: An jeder Hand trage ich 20 bis 30 Fingerexemplare, die meisten sind Mittelfinger, Daumen sind keine darunter. Sobald ich an einem der Finger ziehe, löst er sich, sodass ich ihn weiterreichen kann. Für jeden Finger bekomme ich 5 oder 10 Pfund. Ich erinnere mich immer noch nicht, je Schmerz empfunden oder geblutet zu haben. Vielmehr empfinde ich Vergnügen, Freude und all diese Dinge, sobald ich einen Finger verschenken darf. Ich habe also, könnte man sagen, ausgesorgt, solange mir neue Finger wachsen. Es ist im Übrigen ein stiller Prozess, es knistert kaum hörbar, wenn sich Knochen entfalten. Sie wachsen nur dann, wenn kurz nach 2 Uhr in der Nacht geworden ist. Man stelle sich einmal vor, nicht auszudenken, anstatt Fingern würden mir Köpfe wachsen. — stop

auf einer wiese im sommer
echo : 20.55 UTC – In einem Park beobachtete ich einen Mann, der einem Roboter folgte. Es war ein warmer Tag. Die Maschine in der Größe eines Staubsaugers rollte über den Rasen, wohl in dem Auftrag, das Gras zu schneiden. Der Mann bewegte sich in derselben Geschwindigkeit leicht versetzt hinter dem Roboter, umkreiste in dieser Weise Bäume in einem engen Bogen, um bald wieder den Horizont ins Auge zu fassen. Der Roboter fuhr so lange Zeit schnurgerade weiter, bis er auf einen Weg traf, also auf Gelände ohne Grasnarbe. Dort drehte er auf der Stelle um und fuhr in einem zufälligen Bogen zurück über die Rasenfläche hin. Leichtbekleidete Menschen waren zu sehen, wie sie den Roboter fixierten. Sobald sich das kleine Wesen einer dieser liegenden Personen näherte, wurden leise Hupgeräusche hörbar, ein Versuch der Verständigung vielleicht. Manchmal kniete der Mann nieder. Er schien jenen Boden zu untersuchen, der soeben noch von dem Roboter überfahren worden war. Der Mann schaute durch eine Lupe und sammelte mittels einer Pinzette von dem Rasen kleinere Gegenstände oder Teile von Würmern und Käfern auf und legte sie in einer Tüte ab. Indessen der Mann arbeitete, wartete der Roboter. Das war im vergangenen Sommer gewesen. Ein Roboter auf einer Wiese ohne Hunde, warum? — stop
caveiformis animalis
marimba : 20.11 UTC – Es ist Februar, es ist kalt, eine schwere Grippe ist eingezogen, in einen Körper, der nur noch schlafen will. Auf dem Bildschirm meiner Schreibmaschine ziehen Sterne langsam über den Himmel über dem Inarisee. Lange Zeiten geschlossener Augen. Kein Geräusch von dort, wo Murmansk in zwei Tages- und Nachtportionen zu Fuß erreicht werden kann. Ein Schlitten mit Stirnlicht kreuzt von Ost nach West über das Eis. Ich habe Käfigtiere geträumt oder habe Käfigtiere ausgedacht. Tiere, deren Gerippe Räume bilden, in welchen sich Luft befindet, die geatmet werden kann. Ein kleiner Kopf, als habe man sich einen Kugelfisch zum Vorbild genommen, zwei winzige Ohren, ein winziger Mund, zwei winzige Augen, der Kopf scheint unwichtig, aber die knöchernen Streben des zentralen Käfigtieres sind von einem feinen, hellroten Fell bedeckt. Zwei Zwergzeisige flattern im Käfig herum, singen, wetzen ihre Schnäbel am warmen Gestänge. Das Käfigtier ist ein Wesen ohne Arme und Beine, wiegt 5 Kilogramm und hängt sehr gern leicht schaukelnd von einem Baum oder einer Zimmerdecke im Wind. — stop
